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Droht Russland ein erneuter „Brain Drain“ durch Emigration?

Von   /  10. August 2017  /  Keine Kommentare

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eva.- Laut dem amerikanischen Informationsdienst Stratfor steht Russland die grösste Emigrationswelle seit 20 Jahren bevor. Diese Prognose wird durch Umfragen belegt, die eine stark wachsende „Emigrationsbereitschaft“ unter jungen Russinnen und Russen feststellen.

Wie Stratfor schreibt, wird die Emigrationswelle und der damit verbundene Verlust hochqualifizierter Spezialisten und der Mangel innovativer Privatunternehmen der russischen Wirtschaft über viele Jahre grosse Einbussen bescheren. In Zahlen werden die Verluste mit 1,5 Trillionen Dollar pro Jahr beziffert.

Hauptgründe für die Abwanderung sind die mangelnden Perspektiven, die Schwäche der Zivilgesellschaft, das mangelhafte Rechtssystem sowie eine zunehmende Kontrolle der persönlichen Freiheit, insbesondere durch die wachsende Internet-Zensur. Stratfor stellt auch mangelnde Bemühungen des russischen Staats fest, rückkehrwilligen Russen gute berufliche Alternativen in der Heimat zu bieten, wie sie beispielsweise in China und Indien existieren.

Statistiken und Umfragen bestätigen Trend

Der Wahrheitsgehalt der Stratfor-Berichte wird von vielen wegen seiner Nähe zum Weissen Haus skeptisch bewertet. Allerdings belegen verschiedene Umfragen die Bereitschaft vieler RussInnen auszuwandern. Die Consulting-Firma Knight Frank berichtet, dass während der letzten 13 Jahre 20.000 Dollar-Millionäre und – Milliardäre Russland verliessen, davon 6.000 während der letzten drei Jahre.

Das allrussische Meinungsforschungssystem VIZOM stellte in einer Studie im Juni dieses Jahres ein Wachstum von 7 auf 17 Prozent bei der Gruppe von Befragten fest, die Russland in den kommenden ein bis zwei Jahren verlassen wollen. Als wichtigste Argumente gaben sie die höheren Einkommen, politische Stabilität und die besseren Sozialleistungen im Ausland an.

Auswanderungszahlen in Wirklichkeit höher

Auch die offizielle Statistik von RosStat bestätigt diese Tendenz – seit 2012 hat sich die jährliche Zahl von Emigranten von 36.000 in etwa verzehnfacht. Die meisten übersiedeln in die USA, Deutschland, Kanada und Finnland. Laut Aussage des Ex-Finanzministers und Putin-Beraters Alexei Kudrin sind die Auswanderer-Zahlen nach Auswertung der Migrationszahlen der Zielländer in Wirklichkeit drei bis vier Mal höher.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion erlebten Russland und alle anderen Nachfolgestaaten eine jahrzehntelange Abwanderungswelle. Erst nach der Jahrhundertwende begann sich die demografische Situation wieder etwas zu stabilisieren.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.newsru.com

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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