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Drei Zeitungen geschlossen – Baltische Mediengruppe praktisch eliminiert

Von   /  22. Oktober 2015  /  Keine Kommentare

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eva.- Was man zu Jahresbeginn nach dem Tod des Verlegers Oleg Rudnow befürchtet hatte, ist innerhalb weniger Monate eingetreten. Die einstmals stolze Baltische Mediengruppe wurde praktisch aufgelöst – Mitte Oktober erschienen die letzten Ausgaben von „Newskoe Vremja“, „Vetscherni Peterburg“ und „Smena“.

Während die beiden letzten noch aus Sowjetzeiten stammten, wurde die „Newskoe Vremja“ erst 1991 gegründet. Zur Gruppe gehörten bis vor kurzem noch die Baltische Nachrichtenagentur, die geschlossen wurde, der Sender „Radio Baltika“, der zu einem reinen Newssender umgebaut wurde, sowie der Fernsehkanal „TV100“. Dieser Kanal heisst mittlerweile „Life78“ und entspricht sowohl bezüglich Outfit wie auch bezüglich unkritischem Fokus völlig dem landesweiten und kremltreuen „Rossia24“.

Die Schliessung der drei Zeitungen galt von Anfang an aus wirtschaftlichen Gründen als praktisch unumgänglich. Zwar hatte die „Smena“ als mutige Zeitung während der Perestroika-Zeit noch ein gewissen Kredit bei ihrer Leserschaft, und „Vetscherni Peterburg“ galt vor allem während Sowjetzeiten als vergleichsweise kritisch, doch in den Jahren hatten alle drei Zeitungen Mühe, sich vom Mainstream abzuheben.

Schliessungen mit wenig Fingerspitzengefühl

Leider wurden während der verbleibenden neun Monate nach Rudnows Tod keine ernsthaften Bemühungen unternommen, eine wirtschaftlich realistische Umgestaltung oder Zusammenlegung der Medien zu erreichen. Als Nachfolger von Rudnow, vollzog der Moskauer Verleger Aram Gabrjeljanow die Schliessungen mit wenig Fingerspitzengefühl.

Der Petersburger Blätterwald wurde damit bis auf wenige Zeitschriften, wie „Gorod“ oder „Peterburgskie Wedomosti“ praktisch ausgelöscht. Ansonsten bleiben noch die Regionalausgaben der diversen Moskauer Zeitungen, wie „Argumenty i Fakty“, „Kommersant“ oder „Komsomolskaja Prawda“.

Umstieg aufs Internet verschlafen

Zwar wurden in der Zwischenzeit Aufrufe und offene Briefe an Präsident Putin von Petersburger Stadtabgeordneten und von bekannten Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Wissenschaft veröffentlicht und die drei Redaktionen gaben sich in ihren Abschiedsnummern kämpferisch. Doch die allgemeine Wirtschaftskrise und die Krise der Printmedien im speziellen versetzten den drei Zeitungen einen Stoss, der wohl tödlich ist.

Wie viele angesehene Print-Zeitungen haben alle drei Zeitungen den Umstieg auf den Internet-Journalismus mit seiner ganz eigenen Dynamik auch im Werbebereich verschlafen. Hätte man die Prioritäten rechtzeitig geändert, so hätte zumindest ein Teil des Redaktionsstabes gerettet werden können, und man hätte lediglich die Druckausgabe einstellen müssen. Andere Petersburger Medien, wie „Fontanka.ru“ oder „Moi Rayon“, die sich von Beginn an auf das Internet ausrichteten, hatten bezüglich Geschwindigkeit und Werbung die Nase vorn.

Bild: Screenshot „Newskoje Vremja“

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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