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Dmitrij Bykow: „Die Annäherungskräfte in Russlands Gesellschaft sind stärker als die Fliehkräfte“

Von   /  22. August 2012  /  Keine Kommentare

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Von Anna Smoljarowa

Montagabend, vor den Fenster eines kleinen Buchladens am Fontanka-Ufer stehen Leute und lauschen dem Redner innerhalb des Ladens – der Schriftsteller Dmitrij Bykow tritt im Buchladen „Wortordnung“ auf und stellt sich in einer politisch-philosophischen Diskussion seinem Publikum.

Nach ersten 15 Minuten eines Monolog bricht Dmitrij Bykow ab und bietet dem Publikum an, Fragen zu stellen: Was wäre das sonst für eine Zivilgesellschaft, betont er. Der kleine Saal ist brechend voll, die Rede springt von Politik auf Literatur und zurück – in Russland  waren diese zwei Dinge schon immer eng verbunden.

In nächster Zukunft seien Leute sehr wichtig, die eine gewandte Feder führten, da Literatur die Ideen einer denkenden Minderheit unter einer nichtdenkenden Mehrheit verbreite, prophezeit Dmitrij Bykow und gibt selbst einen geprägten Satz aus: “Jetzt kommt die Zeit des neuen Ernstes trotz all dem Postmodernismus des Geschehens”. Das heisst, so Dmitrij Bykow, dass die Zeit, in der man sich etwas verscherzen könne, vorbei sei, und man voll bei der Sache sein müsse, wenn man etwas erreichen wolle. Ein Politiker müsse wissen, dass das Leben kein Kinderspiel, sondern sehr kompliziert sei.

Russen als „sowjetisches“ Volk oder „melting pot“

Seine Zukunftsprognosen sind von greller Farbe: Die Annäherungskräfte seien in der heutigen Gesellschaft Russlands stärker als die Fliehkräfte, konstatiert er. Aus dem Publikum kommt die Frage, was er zu den Nationalisten meine. Es gebe zwei Sorten von Nationalisten, antwortet Bykow. Zur ersten Gruppe gehörten politische Nationalisten, die über den Aufbau der Nation im politischen und, und nicht ethnischen Sinne sprächen, beispielsweise die Russen als sowjetisches Volk oder „melting pot“. Russland sei nie ein monoethnisches Land geweseb, betont Dmitrij Bykow. Mit der zweiten Gruppe von Nationalisten könne man nicht reden. Sie ginge von einer einzigen Volksgruppe aus. Die Feministinnen seien auch so, ergänzt er.

Auch die politische Opposition und ihre verschiedenen politischen Ausrichtungen werden angesprochen. Liberale und Sozialisten hätten wenig gemeinsam, meint ein junger Mann. Die Fußballmannschaften „Zenit“ und „Spartak“ hätten auch wenig gemeinsam, parierte Dmitrij Bykow. Aber wenn es verboten sein werde, Fußball zu spielen, würden sie schnell eine Plattform für Kooperation finden. Und die Opposition habe heute eine einheitliche Forderung – ein Spielfeld zu bekommen.

Bild: Wikimedia Commons

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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