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Dittchenbühne beendet Russland-Tournee in Petersburg

Von   /  13. Oktober 2013  /  2 Kommentare

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eva./pd.- Mit ihrer Abschlussvorstellung im Petersburger Jugendhaus „Rekord“ schloss die Laientheatergruppe aus dem deutschen Elmshorn ihre diesjährige Auslandstournee ab. Neben Auftritten im polnischen Elblag und im lettischen Daugavpils führte die Theaterreise mit Hauptmanns Werk diesmal quer durch Russland: In Ivanovo, Kostroma, Jaroslawl, Tver, und Novgorod Weliki nach St. Petersburg (Fotogalerie).

Arina Nemkowa, Leiterin des Deutsch-Russischen Begegnungszentrums begrüsste die Theatertruppe herzlich in Petersburg und dankte ihr für ihr Engagement und die alljährlichen Auftritte in Russland. Das Begegnungszentrum hatte im Rahmen seines Jubiläums die diesjährige Tournee auf russischen Bühnen organisiert. Nemkowa erinnerte mit Dankbarkeit an die wichtige Rolle der Dittchenbühne beim Aufbau des Begegnungszentrums vor 20 Jahren.

Die Dittchenbühne führt jährlich Stücke von Autoren aus den früheren Ostgebieten auf. Dank diesem Engangement sind in Vergessenheit geratene Theaterklassiker von Paul Fechter, Hermann Sudermann, Gerhart Hauptmann u.a. wieder zur Aufführung gekommen. Auch unvergängliche Theaterwerke bringt die Dittchenbühne auf die Bühne – so spielte sie vor fünf Jahren Hauptmanns „Die Weber“.

Holz und Biberpelz gestohlen

Gerhart Hauptmanns Diebeskomödie „Der Biberpelz“ (Regie: Lars Ceglecki) spielt „irgendwo um Berlin gegen Ende der achtziger Jahre“, wobei die 1880er Jahre gemeint sind. Mutter Wolffen (Katrin Oder) ist eine resolute Wäscherin, verheiratet mit dem schwerfälligen und ängstlichen Schiffszimmermann Julius Wolff (Olaf Zyvietz). Sie kommt in der Eröffnungsszene mit einem gewilderten Rehbock nach Hause und trifft unerwartet auf ihre Tochter Leontine (Wiebke Kahns), die aus ihrer Stellung bei dem reichen Rentier Krüger (Ulrich Dressel) entlaufen ist.

Sie habe noch in den späten Abendstunden einen Stapel Holz in den Stall schaffen sollen. Mutter Wolffen, die stets Rechtschaffenheit herauskehrt, will ihre ungehorsame, nicht übertrieben fleißige Tochter zurückschicken. Als sie jedoch erfährt, dass es sich um „schöne trockene Knüppel“ handelt, erlaubt sie Leontine, für eine Nacht dazubleiben. Mutter Wolffen will das Holz, das so noch nicht verwahrt worden ist, über Nacht stehlen.

Politik ist wichtiger als Diebstahl

Während Mutter Wolffen dem Spreeschiffer Wulkow (Jonas Küppershaus) den angeblich gefundenen Rehbock verkauft, erzählt ihre jüngste Tochter Adelheid (Antonie Tiedt), dass Frau Krüger ihrem Mann kürzlich einen wertvollen Biberpelz geschenkt habe. Als Wulkow das hört, erklärt er , dass er für solch einen Pelz ohne weiteres sechzig Taler zahlen würde. Mit dieser Summe aber könnte Mutter Wolffen den größten Teil ihrer Schulden begleichen. Sie beschließt insgeheim, den besagten Pelz an sich zu bringen, um ihn an Wulkow zu verkaufen.

Holz und Biberpelz sind gestohlen. Krüger erstattet Anzeige. Der Amtsvorsteher von Wehrhahn ((Ralf Skala) fühlt sich dadurch aber nur belästigt. Als Beamter des wilhelminischen Staates ist er vor allem daran interessiert, „dunkle Existenzen, politisch verfemte, reichs- und königsfeindliche Elemente“ aufzuspüren. So trachtet er danach, den Privatgelehrten Dr. Fleischer (Raimar Neufeldt) wegen Majestätsbeleidigung verhaften zu lassen, weil dieser etwa zwanzig verschiedene Zeitungen abonniert hat und regelmäßig freigeistige Literaten empfängt.

Da der Amtsvorsteher Wehrhahn Krügers Anzeige schleppend behandelt, spricht Krüger erneut vor. Diesmal ist auch Mutter Wolffen anwesend. Es kommt zu einer grotesken, parodistischen Verhandlung, die ins Leere läuft: Mutter Wolffen kann mit Pfiffigkeit jeglichen Verdacht von sich abwenden. Die Diebstähle werden nicht aufgeklärt.

Bilder: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.dittchenbuehne.de

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

2 Kommentare

  1. eva sagt:

    Lieber Herr Skala, vielen Dank für die Blumen – wir freuen uns auch wieder auf die Dittchenbühne im nächsten Jahr!

    Alles Beste

    Eugen von Arb

  2. Ralf Skala sagt:

    Liebe Freunde in St. Petersburg,

    es ist immer wieder eine Freude bei Euch zu Gast zu sein! Seit vielen Jahren werden wir von Euch sehr freundlich und herzlich empfangen. Die Resonaz des Publikums ist für uns Akteure immer wieder etwas Besonderes. Jede Aufführung bei Euch wird für uns zu einem Höhepunkt. Das Team der Dittchenbühne fühlt sich bei Euch zu Hause. Wie so oft sind auch diese Fotos von Herrn Eugen von Arb absolut „lebendige“ Aufnahmen. Ich möchte mich für die großartige Organisation, den tollen Empfang, die schönen Fotos und das wundervolle Publikum bedanken! Danke an das DRB und alle unsere Freunde!!!

    Viele liebe Grüße

    Ralf (Kalle) Skala (Schauspieler der Dittchenbühne Elmshorn)

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