Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Verwirrspiel um neue Direktorin der Petersburger Isaakskathedrale

Von   /  1. Juni 2017  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

eva.- Am 31. Mai stellte sich Irana Vovnenko, die neue Direktorin der Isaakskathedrale vor – und bereits zwei Tage später gab sie ihren Rücktritt bekannt. Mit dieser seltsamen Rochade setzt sich das Verwirrspiel um die Zukunft der Kathedrale fort, deren Rückgabe die russisch-orthodoxe mit allen möglichen Mitteln zu erreichen sucht.

Wie Fontanka.ru schreibt, steht hinter dem Rücktritt Vovnenkos die Anweisung des Gouverneurs Georgi Poltawtschenko, eine andere Kandidatur für diesen Posten zu suchen. Ausserdem soll ihm dabei herausgerutscht sein, dass für dieses Amt nur ein Mann in Frage komme. Die Stadtregierung dementierte hinterher eine Einmischung in die Angelegenheit.

Ernennung ebenso seltsam wie Rücktritt

Noch bei ihrer Ernennung hatte sich Vovnenko in einem Interview mit Fontanka.ru entschlossen gezeigt, in der verfahrenen Situation um die Restitution der Isaakskathedrale einen Kompromiss mit der russisch-orthodoxen Kirche zu finden. Doch zwei Tage später reichte sie ihre Kündigung ein und sagte, sie sei glücklich darüber. Laut dem städtischen Kulturkomitee soll sie noch für mindestens einen Monat im Amt bleiben.

Dabei war ihre Ernennung mindestens ebenso seltsam wie ihr überstürzter Abgang. Vovnenko ist Kinderbuchautorin und arbeitete früher im Museum der Zarenresidenz Zarskoe Selo (Puschkin), wo sie unter anderem am Projekt zur Wiederherstellung des Bernsteinzimmers beteiligt war. In der Isaakskathedrale war sie seit 2009 in der PR-Abteilung beschäftigt. 2011 erschien das Buch „Liebe und andere Dissonanzen“, dass sie gemeinsam mit dem polnischen Autor  Janusz Leon Wiśniewski geschrieben hatte.

Gerüchteküche brodelt

Die These, dass ihre Ernennung zur Direktorin dank der Freundschaft mit der Ex-Schwägerin von Vizegouverneur Alexander Goworunow zustande kam, wies sie zurück. Allerdings bringt ihr plötzlicher Rücktritt die Gerüchteküche nun erst recht zum brodeln.

Der bisherige Museumsdirektor Nikolai Burow erwähnte in seiner Abschiedsrede die schwierige und verworrene Situation im Streit um die Übergabe der Kathedrale an die russisch-orthodoxe Kirche und zeigte sich erleichtert, nicht mehr Teil dieser Auseinandersetzung zu sein.

Amtsvorgänger entschiedener Gegner der Rückgabe

Burow hatte sich bis zuletzt als entschiedener Gegner der Restitution gezeigt und im Fall einer Rückgabe den Untergang des Museums vorausgesagt. An einem Treffen mit der Kirchenführung soll er, die Isaakskathedrale habe die Leningrader Blockade überlebt, so würde sie auch die Kirche überleben.

Der Streit um die Rückgabe der Isaakskathedrale an die Kirche schwelt schon lange, spitzte sich jedoch im Januar zu als bekannt wurde, dass der Petersburger Gouverneur Grigori Poltawtschenko, der sich noch 2016 dagegen ausgesprochen hatte, inoffiziell bereits alles für eine Restitution in die Wege geleitet hatte.

Es folgten Protestkundgebungen, und eine Gruppe Oppositioneller reichte ein Referendum ein. Dieses wartet schon seit Monaten auf seine Genehmigung durch das Stadtparlament, wurde aber bisher immer wieder von der Traktandenliste gestrichen.

Bild: Wikimedia Commons

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Isaakskathedrale: Städtische Wahlkommission bestätigt Annahme des Referendums

Jedes Kapitel ein Hotelzimmer – Janusz Leon Wiśniewski und sein neues Buch „Grand“

[ad#ad-3]

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Russischer Opernsänger Dmitri Chworostowski gestorben

mehr…