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Die wechselvolle Geschichte der Deutschen in Russland in einer Ausstellung

Von   /  20. Februar 2019  /  Keine Kommentare

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eva.- Das Museum für politische Geschichte St. Petersburg zeigt die Wechselausstellung „Die Deutschen in der russischen Geschichte“. Wenige europäische Völker verbindet eine so reiche und gleichzeitig tragische Geschichte wie die Russen und die Deutschen. Von den ersten Handelsbeziehungen der Hanse über die Gründung der deutschen Kolonien unter Katharina der Grossen bis hin zu Krieg und Vertreibung im 20. Jahrhundert dokumentiert die Ausstellung das gemeinsame Schicksal der beiden Völker.

Im Foyer des Museum, wo die Ausstellung platziert ist, begrüssten der Direktor Ewgeni Artjomow, die Leiterin des Deutsch-Russischen Begegegnungszentrums Arina Nemkowa, sowie der Attaché des Kultur- und Pressereferats des deutschen Generalkonsulats Sven Hannss die Besucher. Festlich umrahmt wurde die Veranstaltung vom deutschen Folklore-Chor „Lorelei“ unter der Leitung von Natalia Kraubner.

Auf grossformatigen Plakatwänden sind die einzelnen Abschnitte der deutschen Einwanderung im Russischen Reich dokumentiert und dazwischen immer wieder mit Beispielen und vielen Bildern bereichert. So wie heute unterhielten die Deutschen schon seit dem Mittelalter starke Handelsbeziehungen zum „Reich der Reußen“. Noch unter Iwan dem schrecklichen wurde in Moskau das Deutschenviertel, die „Nemezkaja Sloboda“ gegründet. Städte wie Nowgorod Weliki gehörten dem Handelsnetzwerk der Hanse an.

Deutsche nahmen am Aufschwung des 19. Jahrhundert teil

Den wichtigsten Zuwanderungsschub erhielt das Zarenreich Ende des 18. Jahrhunderts nach der Proklamation, bzw. Einladung von Katharina der Grossen, die deutsche Kolonisten zur Besiedlung ins Land rief. Sie bot den deutschen Bauern und Handwerkern weitgehende Freiheit und Autonomie, befreite sie über viele Jahre von Steuern und Armeedienst. Das kam vielen Menschen aus deutschen Landen entgegen, die in der Heimat keine wirtschaftliche Perspektive sahen oder religiöser Repression ausgesetzt waren.

Die Deutschen und Russen waren auch durch die Heiraten unter den Fürsten- und Kaiserfamilien der beiden Länder miteinander verbunden. Ausserdem waren seit jeher deutsche Bauherren, Wissenschaftler und Techniker für den Zarenhof tätig. Sie alle trugen zu dem ungeheuren wirtschaftlichen Aufschwung bei, den Russland während des 19. Jahrhundert erlebte und es den hochindustrialisierten Nationen näher brachte.

Allmähliches Zurückgewinnen des Vertrauens

Der Erste Weltkrieg und die Oktoberrevolution zerschlugen diese Hoffnungen und machten die einst willkommenen Deutschen auf einen Schlag zu Todfeinden. Obschon sich viele linke Deutsche für den Aufbau der Sowjetunion begeisterten und einsetzten, rotteten der stalinistische Terror sowie die Deportation nach dem Überfall Hitlerdeutschlands die übrigen Reste deutscher Kultur in Russland praktisch aus.

Zwar war die DDR nach 1945 ein wichtiges Bruderland für die Sowjetunion, aber erst in den Neunzigerjahren gelang es den beiden Völkern, ihr verschüttetes Vertrauen allmählich zurückzugewinnen. Die Wanderausstellung wurde zum 200-Jahre-Jubiläum der deutschen in Strelna bei St. Petersburg erstellt und seither von zahlreichen wissenschaftlichen Konferenzen und Buchpublikationen begleitet.

Bis 26. März 2019. Staatliches Museum für politische Geschichte Russlands, ul. Kuibysheva 2-4. Tel. 233-70-52. Eintritt 200 Rubel. www.polithistory.ru

Bilder: Eugen von Arb/ SPB-Herold

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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