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Die Stadt baut Veloständer – aber leider an den Bedürfnissen vorbei

Von   /  8. August 2013  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- Die Stadt St. Petersburg will bis Ende Sommer rund 300 Veloständer im Wert von sechs Millionen Rubel installieren. Die Vertreter der Radfahrer-Organisationen beurteilen die bisher montierten Ständer jedoch als „katastrophal unbequem“ und haben einen Brief an die Stadtregierung. Bisher hat sich nur eine Bezirksverwaltung auf ein Gespräch mit den Velofahrern eingelassen.


Die Veloständer, welche von der Stadt seit diesem Frühling installiert, werden laut Fontanka.ru praktisch nicht benutzt. Nach wie vor ziehen es die Besitzer der Zweiräder es vor, ihr Verkehrsmittel bei einem Zwischenhalt an Verkehrsschildern, Regenrohren oder Treppengeländern zu befestigen. Zwar sind Radständer in der Umgebung von Metrostationen und anderen sozialen und kulturellen Institutionen ein langehegter Traum der Petersburger Radfahrergemeinde, doch hat die Stadt das Projekt offenbar lanciert, ohne nach den Bedürfnissen der Benutzer zu berücksichtigen.

Die Radfahrer benötigen einen robusten Ständer, in dem das Fahrrad gut steht und mit zwei Schlössern befestigt werden kann. Laut dem Veloklub „VeloPiter“ erfüllen die wenigsten der neu installierten Geräte diese Anforderungen – bei einigen sind die Abstände zwischen Stangen sogar so eng, das man beim Einstellen die Räder beschädigt. Man begrüsse die Initiative der Stadt sehr, meinte der Vorsitzende von „VeloPiter“ Ilja Gurewitsch, aber die montierten Ständer seien wirklich sehr unbequem – in einem Brief an die Regierung, den die Organisation mit ihren Partnern „Velosierung Petersburg“ verfasst hat, heisst es sogar „katastrophal unbequem“.

Radständer nicht diebstahlsicher

Schon im Mai, als die Stadtbezirke den Auftrag für die Radständer mit den technischen Anforderungen ausgeschrieben hatte, reagierten die Radler-Organisationen und baten die Verantwortlichen, die technischen Daten zu ändern. Zwar reagierte man mit einer Erhöhung der Ständer von 30 auf 60 Zentimeter, aber der Abstand blieb derselbe, anstatt der geforderten 60 Zentimeter.

Die Velo-Gemeinde kritisiert, dass die bestehenden Ständer zum Beispiel in Deutschland nicht vom Radfahrerverband anerkannt würden und Versicherungen sie nicht als diebstahlsicher akzeptierten. Einzig der Vorsitzende des Admiralteijski-Bezirks Igor Mjasnikow hatte offene Ohren für die Radler, setzte sich umgehend für eine Änderung der Masse ein und empfing die Vertreter der Radlergemeinde.

Mehr Radfahrer – weniger Autoverkehr

In seinen Augen wäre es für seinen Bezirk von grosser Wichtigkeit, einen Teil der Pendler zum Umstieg auf das Velo zu bewegen und damit den Autoverkehr zu verkleinern. Er zeigte sich darum offen für weitere Vorschläge der Radler. Sie möchten in der Stadt ein Netz aus Abstellplätzen dreier Kategorien aufbauen: einfache unbewachte Veloständer für ein kurzfristiges Abstellen der Drahtesel, überdachte unbewachte Ständer für einen Tag, sowie bewachte und kostenpflichtige Radstellplätze für ein mehrtägiges Einstellen.

Laut Gurjewitsch von „Velopiter“ wird die letzte Kategorie von 75 Prozent des Klubs befürwortet, weil ein Grossteil der Gemeinde mit Gefährten der oberen Preisklasse unterwegs sei und sich einen sicheren Parkplatz gerne etwas kosten lassen würde. Wenn die Stadt bereit wäre für Veloparkplätze vergünstigte Standplätze zu vermieten, so könnte man sie in Kombination mit einer Reparaturwerkstätte rentabel betreiben. Eine weitere bisher ungelöste Frage wären Veloständer in den Wohnbezirken.

Mit gutem Beispiel voran

Der Admiralteijski-Bezirk geht mit gutem Beispiel voran und lässt acht zusätzlich Veloständer nach den gewünschen Massen aufstellen – unter anderem beim Jugendtheater Tjus, beim Standesamt, im Alexandrowski-, Olympia- und Jekateringowski-Park. Was die bewachten Velostationen anbelangt, will man vorerst nur einen Modell-Pachtvertrag ausarbeiten lassen.

Vielleicht erhält damit auch das städtische Velo-Entwicklungsprogramm, das 2008 offiziell lanciert, aber in der Zwischenzeit versandet ist, wieder neuen Schwung. Die Radfahrergemeinde hat in letzter Zeit mit diversen Aktionen auf ihre Bedürfnisse aufmerksam gemacht. Zum Beispiel markierte die Bewegung „Frühling“ kürzlich inoffizielle Radwege auf den Trottoirs am Moskowski-Prospekt. Es wäre an der Zeit, dass die Velofahrer ernst genommen werden, denn laut einer Statistik werden in der Stadt jährlich 200.000 neue Fahrräder gekauft und rund 1,5 Millionen PetersburgerInnen haben sich in den Sattel geschwungen. (eva)

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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