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Die Pampa kann überall sein – der Schriftsteller Rolf Lappert in Petersburg

Von   /  14. April 2015  /  Keine Kommentare

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Eva.- Der schweizer Schriftsteller Rolf Lappert hielt im Rahmen des Jahres der deutschen Sprache und Literatur in Russland eine Lesung an der Herzen-Universität. Vor gefülltem Saal stellte der weitgereiste Autor sein erstes Jugendbuch „Pampa-Blues“ vor.

Die Pampa ist dort, wo die Zivilisation aufhört bzw. am abbröckeln ist. Der 16-Jährige Gärtner-Lehrling Ben Schilling lebt in „Nirgendwo“ (kodiert als Fantasiedorf „Wingroden“), einem Kaff fast ohne Menschen und Perspektiven im depressiven Nordosten Norddeutschlands. Ben darf nicht jung sein, weil er in dem abgelegenen Nest alles fehlt, womit man sich vergnügen könnte und er als „Pflichtkind“ seinen gebrechlichen Grossvater pflegen muss.

Seine Mutter hat ihn im Stich gelassen und tingelt als mittelmässig erfolgreiche Jazz-Sängerin durch die Welt. In einem Traumreich, in dem auch sein Vater, ein verschollener Wildbiologe auftaucht, kompensiert Ben die Trostlosigkeit der Realität. Zwei Ereignisse bringen Leben in die Einöde: der Besuch der geheimnisvollen Lena, in die sich Ben Hals über Kopf verliebt und das Phantastereien-Projekt des Local Hero Maslow, der mit selbstgebauten Raumschiffen die Presse und Ufo-Jäger ins Nirgendwo zu holen.

Die wehmütige Note des Blues dominiert

Lapperts nüchterne und detailverliebte Sprache zieht einen zunächst tief in die pubertäre Krise und das provinzielle (schwarze) Loch Wingroden, und nur trockener Humor und eine Liebesgeschichte retten einen wieder daraus heraus. Wie einem richtigen Blues dominiert bis zum Schluss eine wehmütige Note. In der anschliessenden Diskussion mit Gerd Fennefrohn von der Zentralstelle für das Auslandschulwesen (ZSA), bezeichnete Lappert die Figur des Maslow als sympathischste Figur. Vermutlich kann sich Lappert, der selbst in der schweizer Provinz einen Jazzclub in einem stillgelegten Kino eröffnet hat, am ehesten mit dem Pragmatiker aus seinem Buch identifizieren.

Lappert kennt Nordostdeutschland gut von zahlreichen Reisen und einem mehrmonatigen Stipendienaufenthalt in Mecklenburg-Vorpommern. Er ist in seinem Leben viel gereist und weiss daher die Schauplätze in seinen Romanen besonders authentisch zu beschreiben. Die Dramaturgie seiner Bücher ist spürbar von seiner langjährigen Tätigkeit als Drehbuchauthor geprägt. „Pampa Blues“ wurde mittlerweile ins Russische übersetzt, und soll verfilmt werden.

Schweizer Buchpreisträger

Rolf Lappert stammt aus Zofingen und absolvierte ursprünglich eine Ausbildung als Grafiker. Schon früh begann er Gedichte und Kurzgeschichten zu schreiben. 2008 wurde er mit seinem Buch „Nach Hause schwimmen“ im gesamten deutschsprachigen Raum bekannt. Im selben Jahr wurde der Roman mit dem erstmals verliehenen Schweizer Buchpreis ausgezeichnet.

Lappert tritt nach seiner Station in St. Petersburg noch in Moskau, Jekaterinburg, Nischni Tagil und Nowosibirsk auf. Im Rahmen des Literaturjahres werden noch weitere Schriftstellerinnen und Schriftsteller, wie Torben Kuhlmann, Uwe Timm, Paul Maar und weitere AutorInnen in russischen Städten lesen.

Bilder: Eugen von Arb/SPB-Herold

www.deutsch2014-2015.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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