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Die neue Newa-Brücke wird gebaut – Matwijenko hat keine Angst vor der Unesco

Von   /  24. Juli 2009  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- Petersburg braucht mindestens eine weitere grosse Newa-Brücke, darin sind sich so ziemlich alle einig angesichts der komplett überlasteten bestehenden Übergänge. Aber wo und wie soll diese Brücke gebaut werden. Wie andere Bauprojekte auch, wurde auch die Neue Admiralitätsbrücke („Nowo-Admiralteiski Most“) lange vor der Wirtschaftskrise projektiert und muss nun möglichst rasch in eine Sparversion umgewandelt werden.


Die im Juni ausgewählte Variante einer 14,50 Meter hohen und 120 Meter breiten Brücke zum Preis von 14 Milliarden Rubel (rund 330 Millionen Euro) wurde nun auch von der Gouverneurin Valentina Matwijenko offiziell abgesegnet.

Wie sie aussieht und wo sie steht, scheint dabei eher nebensächlich zu sein, obschon diese Fragen die Denkmalschützer der Stadt sehr beunruhigt. Der vorgesehene Standort auf der Höhe zwischen der 17. und 18. Linie der Wassili-Insel ist zwar die kostengünstigste Version, verändert aber deutlich das Aussehen der unter Unesco-Schutz stehenden Uferstrasse.

Gouverneurin: „Der Unesco-Status bringt der Stadt nichts“

Dass ein Brückenbau die Stadt ohne weiteres den Weltkulturerbe-Status kosten könnte, wurde kürzlich in Dresden bewiesen. Diesen Bedenken gegenüber zeigt sich die Gouverneurin jedoch offenkundig unbeeindruckt.

Der Unesco-Status bringe der Stadt nichts – er sei nicht mehr als eine rote Schleife am Körper der Stadt, meinte sie gegenüber Journalisten. Ausserdem ist sowohl sie, wie auch die übrige Stadtregierung der Überzeugung, die Brücke verletze die Bestimmungen der internationalen Organisation in keiner Weise.

Das neue Seilziehen kann beginnen

Ähnlich salopp hatte man sich aber schon im Streit um den geplanten Bau des 400 Meter hohen Gazprom-Turms „Ochta-Zentr“ geäussert – das, obschon sich das Unesco-Gremium an seiner letzten Sitzung deutlich dagegen ausgesprochen hatte. Dass die Admiralitätsbrücke aber nicht nur gegen die Unesco-Regeln verstossen könnte, sondern auch gegen die eigenen Gesetze, scheint man zu übersehen.

Nachdem die Gasprom-Affäre nun zumindest aus finanziellen Gründen vorübergehend vom Tisch ist, beginnt schon das nächste Seilziehen zwischen Denkmalschützern und Regierung um die städtebauliche Entwicklung.

Hauruck-Verfahren

Vergessen wird von der Regierung ebenfalls, dass die Unesco neben ästhetischen Kriterien von Neubauten auch die Unterstützung durch die Bevölkerung in Betracht zieht. Die Autobahnbrücke bei Dresden war vorgängig durch eine Volksabstimmung bestästigt worden. Ganz im Gegensatz dazu steht das Hauruck-Verfahren der Petersburger Regierung, welche mit dem Brückenbau am besten schon vorgestern beginnen würde.

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Gasprom-Turm: Denkmalschützer zittern um Petersburger Unesco-Weltkulturerbe-Status

Gazprom-Turm – die Stadt Petersburg steigt aus dem Projekt aus

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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