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Die neue Mariinsky-Bühne – eine hässliche Ente?

Von   /  20. Februar 2013  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- Man hätte meinen müssen, die Bevölkerung würde jubeln – nach einem Jahrzehnt mühsamer Planerei und Bauerei ist die Fassade der neuen Mariinsky-Bühnen frei von Baugerüsten. Stattdessen motzen das Volk und viele Fachleute über das Projekt.

Wer in diesen Tagen die Kommentare in den Medien zur frisch von Gerüsten befreiten Mariinsky-Bühne hört, traut seinen Ohren nicht: Es sei ein städtebaulicher Fehler und werde für alle eine Lehre sein, meinte Eremitage-Direktor Michail Piotrowski.

Er habe sich nicht vorstellen können, dass sich jemand so etwas Schreckliches ausdenken könnte, sagte der Vorsitzende der Allrussischen Gesellschaft für Geschichts- und Kulturdenkmäler Alexander Kononow.

Ähnlichkeit mit Einkaufszentrum

Wegen seiner Ähnlichkeit mit einem Einkaufszentrum nennt man das Mariinsky-2 im Volk „Gergiews Einkaufs- und Vergnügungszentrum“. Jemand hat sogar eine Unterschriftensammlung zum Abriss der neuen Fassade im Internet gestartet.

Woher kommt nur dieser Widerstand? Nachdem man nun soviel Geld und Zeit „verlocht“ hat, könnte man doch eigentlich froh sein, wenn mal irgendetwas fertig gebaut wird

Goldener „Zellenbau“ Bach ab geschickt

Wo waren all die „Denkmalschützer“ als man 2009 den goldglänzenden „Zellenbau“ des Franzosen Dominic Perrault den Bach ab schickte und das neue Modell von Diamond & Schmitt Architects aus Kanada wählte?

Der Architekturkritiker Grigori Revsina, der damals in der Jury sass, drückt es etwa so aus: „Alle haben ja das Bild gesehen, und es war völlig harmlos. – Nur wenige konnten sich vorstellen, wie es in Wirklichkeit aussehen würde.“ Dem gewagten Projekt von Dominic Perrault sei das Volk mit massivem Widerstand begegnet – darum sei es wohl auch so einfach gewesen, sich von dessen Projekt loszusagen.

Budget und Zeitplan wichtiger als Architektur

Grigori Revsin gibt zu bedenken, dass bei der Auswahl ein sehr strenger zeitlicher und finanzieller Rahmen zu beachten war und darum die Ästethik eine Nebenrolle gespielt habe. Ausserdem habe das Gebäude genau auf das schon vorhandene Fundament passen müssen, das schon für Perraults Bau gelegt worden sei und für das bereits 24 Millionen Euro verbraucht worden seien.

Er wüsste nicht, welcher Wettbewerbsteilsnehmer damals mit den Kanadiern hätte konkurrenzieren können. Darum habe er auch für dieses Projekt gestimmt – keine Wahl zu treffen sei damals nicht möglich gewesen. Er habe versucht, die anderen Jurymitglieder zur Absage des Wettbewerbs zu bewegen, habe aber keinen Erfolg gehabt.

Kulturminister: Mariinsky-2 wird schönstes Theater der Welt

Als einer der wenigen aus der hochrangigen Jury von damals äussert er sich heute noch zu seiner Wahl. Die übrigen, darunter auch der Petersburger Stadtarchitekt, wollen nicht mehr daran erinnert werden, schreibt Fontanka.ru.

Ausser jenen, die den neuen Bau vorbehaltlos rühmen – der Mariinsky-Hausherr Valeri Gergiew und der neue Kulturminister Vladimir Medinski, der per Twitter verkündete, das Mariinsky-2 werde das schönste Theater der Welt werden.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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