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Die Energiesparer im Land der Verschwender – Bundesrätin Leuthard auf Russlandbesuch

Von   /  12. Juli 2012  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Obschon Russland bezüglich Energiesparen und Energieeffizienz noch grossen Nachholbedarf hat, stellte die Schweizer Energieministerin Doris Leuthard ihren Gastgebern ein gutes Zeugnis aus. Ausserdem konnte sie einige nützliche Vereinbarungen für ihr Ressort treffen.


Grösser könnte der Kontrast kaum sein – der Rohstoff-Zwerg Schweiz besucht den Ressourcen-Giganten Russland – und dazu noch, um diesen zum Sparen zu bewegen. Eine vertiefte Zusammenarbeit im Energiebereich vereinbarten die Schweiz und Russland schon im vergangenen Jahr während der IEA-Ministerkonferenz in Paris. Laut einer Studie der internationalen Energieagentur (IEA) könnte der Energieverbrauch in Russland durch gezielte Massnahmen bis zu 30 Prozent gesenkt werden.

Darum ging es an dem Energie-Workshop für Fachleute aus Forschung und Wirtschaft, den die Vorsteherin des Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) Doris Leuthard zusammen mit dem russischen Energieminister Alexander Nowak in Moskau eröffnete. Konkret wollen die beiden Länder auf den Gebieten Gebäudetechnik, Netzinfrastruktur, Verbesserung der Energieprozesse in Betrieben, Biomasse und Forschung zusammenspannen.

Die Menschen zuerst für Energiefragen sensibilisieren

Energiesparen beginnt im Kopf – das ist auch in Russland nicht anders, wo die Heizung vielerorts noch durch das Öffnen des Fensters reguliert wird, das Wasser in der Küche den ganzen Tag sprudelt und Mülltrennung ein Fremdwort ist. In Russland habe während der letzten Jahre ein Umdenken stattgefunden, meinte die Bundesrätin gegenüber dem SPB-Herold überzeugt. „Noch vor fünf Jahren hätte man hier dafür nur ein müdes Lächeln geerntet.“

Es gehe darum die Menschen, erst einmal für das Thema zu sensibilisieren. Auch in der Schweiz habe man vor vielen Jahren mit Recycling begonnen und viele hätten nicht sofort verstanden, wozu das gut sei. So müsse man auch in Russland allmälich das Bewusstsein der Menschen ändern. Ausserdem würden auch in Russland die Energiekosten steigen. und man würde begreifen, dass man besser Geld einsparen sollte, das anderswo investiert werden könnte.

Mehr Slots für die Swiss

Auch in Sachen Atomenergie gehen die Schweiz und Russland in völlig entgegensetzte Richtungen. Es sei legitim, dass jedes Land seine eigenständige Energiepolitik entsprechend seiner Möglichkeiten verfolge, meinte Leuthard. Doch sei sie überzeugt dass die Schweiz mit dem geplanten Ausstieg aus der Atomenergie die richtige Richtung eingeschlagen habe. Auch Russland werde mit der Zeit verstehen, dass beispielsweise die Kosten im Bereich Sicherheit zu gross seien.

Verkehrsfragen kamen bei den Verhandlungen mit Vizepremier Arkady Dvorkovitsch in Moskau zur Sprache. Ein Strassenverkehrsabkommen, das den Personen- und Güterverkehr zwischen den beiden Ländern verbessert, wurde vorbereitet. Ausserdem konnte sich die Schweiz im Luftverkehr zusätzliche Slots sichern. Dadurch kann die Swiss bald mehr Flüge von Zürich und Genf nach Moskau anbieten. Angesprochen wurden zudem Fragen des Huckepack-Verkehrs mit der Bahn, für den sich Schweizer Firmen interessieren.

Von hochkarätiger Delegation begleitet

In St. Petersburg kam die Bundesrätin mit Andrey Sizov, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Komitees für Energie und Technik, sowie Alexander Prochorenko, dem Vorsitzenden des Komitees für Aussenbeziehungen zusammen und vereinbarte Gespräche unter Energie-Fachleuten.

Leuthard wurde von einer hochkarätigen Delegation begleitet, der unter anderem Kurt Lanz, Leiter Infrastruktur & Energie/Umwelt bei Economie Suisse sowie Daniela Decurtins, Direktorin des Verbands der Schweizerischen Gasindustrie (VSG) angehörten. An ihrem Empfang gab sich Leuthard sehr erfreut über die Ratifizierung des WTO-Beitritts durch Russland und meinte, dies werde die wirtschaftlichen Beziehung mit der Schweiz in vielen Bereichen erleichtern.

Bild: Stiessen auf St. Petersburg an: Alexander Prochorenko und Doris Leuthard. (Foto: Eugen von Arb/SPB-Herold)

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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