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Die einzige russische Uhrenfabrik die noch tickt: „Raketa“

Von   /  14. April 2017  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Die Armbanduhrenmarke „Raketa“ ist das letzte Überbleibsel der einst stolzen Uhrenfabrik Peterhof und die einzige Firma ihrer Art in ganz Russland. Die Uhrenmarke produziert in kleinen Auflagen originelle Armbanduhren, Jubiläumsuhren und Spezialuhren für Kosmos, Arktis und Militär. Beim „Anschub“ der Uhrenfabrik seit 2009 sind auch schweizer Uhrenmacherhände beteiligt.


Der Eckturm des Gebäudekomplexes mit seiner schmucken Uhr deutet noch auf die grossen Zeiten der Uhrenfabrik von Petrodworez hin, deren Ursprünge in der Epoche von Peter dem Grossen liegen. Damals stellte die Manufaktur in der Residenzstadt in erster Linie Edelsteinobjekt für den Zarenhof her.

Die Uhrenproduktion nahm in der Sowjetunion ihren Anfang als das Werk beauftragt wurde, Präzisions- und Messinstrumente für die Rote Armee herzustellen. Dabei ging die Edelsteinverarbeitung weiter – unter anderem fertigte die Fabrik aus Rubinen die roten Kremltürme her.

Schneller Wiederaufbau nach dem Krieg

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Uhrenfabrik zerstört, doch wurde nach der Befreiung 1944 sofort mit ihrem Wiederaufbau begonnen, und bereits 1949 verliessen die ersten Uhren mit dem Namen „Pobeda“ und „Swesda“ das Werk. Die Marke „Raketa“ wurde 1961 zu Ehren Juri Gagarins, dem ersten Mann im Kosmos,  aus der Taufe gehoben.

Zu ihrer Blütezeit beschäftigte das Werk rund 8000 Personen und stellte jährlich rund 4,5 Millionen Uhren her. Es verfügte über seine eigenen Schulen, Kindergärten, Erholungsheime für die Angestellten an der Ostsee und am Schwarzen Meer, Sportmannschaften, ein Hotel für Delegationen, sowie eine Bäckerei, ein Kaufhaus und ein Orchester für die Mitarbeiter.

Grosser Verlust durch Betrügereien in den Neunzigerjahren

Zwar konnte die Firma anfangs der Neunzigerjahre relativ erfolgreich privatisiert werden, doch verlor sie später durch Spekulationen und Betrügereien den grössten Teil ihres Besitzes und ihrer Ausrüstung. Davon blieb nur „Raketa“ erhalten, die seit 2009 in einem Gebäude ganz am hinteren Ende des einst stolzen Firmenkomplexes produziert.

Trotz der relativ veralteten Ausrüstung bemüht man sich Armbanduhren in Höchstqualität herzustellen. Man ist stolz auf die namhaften Kunden – so trägt beispielsweise Premierminister Dmitri Medwedew eine Spezialausführung der „Raketa“-Uhrenlinie. Am Wiederaufbau der Marke haben auch die beiden ehemaligen Rolex-Ingenieure Laurent Pierrel und Patrick Buttard ihren Anteil, die das Personal der Uhrenfabrik schulen und weiterbilden.

Auftrag für Riesenuhr im Kaufhaus „Detski Mir“

Für grosses Aufsehen sorgte 2014 der Auftrag für eine Monumentaluhr im berühmten Moskauer Kaufhaus „Detski Mir“, welche „Raketa“ mit dem schweizer Erfinder und Uhrenkonstrukteur Florian Schlumpf ausführten. Dazu wurde in 22 Metern Höhe ein offenes Uhrwerk mit einem zwölf Meter langen Pendel und Zahnrädern mit bis zu vier Metern Durchmesser angebracht.

Die kleine aber stolze Firma verfügt über kein grosses Vertriebsnetz und verkauft ihre Uhren nur in einigen wenigen Geschäften in St. Petersburg, Moskau, Krasnodar, Kasan und Rostow am Don. Als die USA und die EU 2014 während der Krim-Krise Sanktionen gegen Russland verhängten, stellte „Raketa“ ihren wenn auch kleinen Export ins westliche Ausland ein. „Raketa“ bietet auf Anfrage kostenlose Führungen durch die Produktion an.

Bilder: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.raketa.com

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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