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Die dritte Protestaktionen gegen Wahlfälschung endete in Petersburg mit über 200 Festnahmen

Von   /  7. Dezember 2011  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Die Demonstrationen gegen manipulierte Wahlen gingen auch am Dienstag weiter. Der mehrheitlich friedliche Protest von mehreren hundert Personen wurde durch ein Grossaufgebot an Bereitschaftspolizei aufgelöst – unter den rund 230 Festgenommenen befinden sich auch Journalisten, Passanten und ein 14-jähriger Junge.


Die Protestanten versammelten sich um zirka 19.00 vor dem Gostiny Dvor. Nur wenige gaben sich klar zu erkennen – nur manche trugen einen Zettel mit der Aufschrift „Für faire Wahlen“ oder „Einiges Russland hat unsere Stimmen gestohlen!“.

Plötzlich begannen sich die unentschlossen Herumstehenden um einen Mann an Krücken zu versammeln. Mit lauter Stimme erklärte er der Menge, dass es angesichts der Tatsache, dass er als Behinderter den weiten Weg vom Komendantski Prospekt an die Demo gekommen sei, allen Stubenhockern peinlich sein sollte. Währenddessen hielt er seine Protestlosung in die Kameraobjektive – „Die Sünde von Adam und Eva sind ein Nichts im Vergleich zum 4. Dezember“, womit er auf den Wahlsonntag anspielte.

Die Menge sang „Katjuscha“

Die Menge klatschte begeistert und sang die Nationalhymne. Dann begann ein Akkordeonist mitten in der Menge Volkslieder zu spielen – darunter das bekannte Lied „Katjuscha“. Alle stimmten mit ein und gaben sogar der Anweisung der Polizei nach, sich vom Eingang zur Metro zu entfernen. Ansonsten wurden sämtliche Warnungen, dass dies eine illegale Versammlung sei, ignoriert.

Eine gewisse Zeit wirkte die „Mauer“ aus Omon-Bereitschaftspolizei unentschlossen – schliesslich ist es kein Verbrechen, öffentlich die Hymne oder Volkslieder zu singen. Doch allmählich begannen die Polizisten mit Helm, aber ohne Schlagstöcke, die Menge aufzuteilen, einzukreisen und gegen die Polizeibusse zu drängen. Einzelne Personen wurden abgeführt, und die Menge reagierte mit Pfiffen und Buh-Rufen – „Skandal!“ – „Faschisten!“.

Rauchpetarde sorgt für Eskalation

Eine Rauchpetarde sorgte schliesslich für eine leichte Eskalation. Die Polizei reagierte wesentlich härter und verhaftete, wer ihr in die Fänge geriet, darunter Journalisten, Passanten und sogar einen 14-jährigen Jungen, der auf dem Schulweg war. Insgesamt wurden in sechs Bussen rund 200 Personen weggebracht.

Auch vor der Isaakskathedrale wurde friedlich protestiert – hier kam es zu rund 30 Festnahmen. Am selben Abend kam es auch in Moskau und Rostow am Don zu Kundgebungen. In der Hauptstadt gingen etwa 5000 Menschen auf die Strasse, 569 wurden festgenommen, die Polizei reagierte harsch und teilweise mit Stockschlägen und Fusstritten.

Börse reagiert negativ

Am selben Tag waren zusätzliche Sondertruppen des Innenministeriums nach Moskau verlegt worden. Die russische Börse reagierte auf die Zusammenstösse mit Verlusten bei wichtigen russischen Wertpapieren und mit einem Nachlassen des Rubelkurses.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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