Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Die Deutsche Kolonie Strelna – nach 200 Jahren wieder zum Leben erweckt

Von   /  22. September 2010  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

Von Eugen von Arb

Mit einer Pressekonferenz wurden die Jubiläumsfeierlichkeiten offiziell eröffnet (Fotogalerie). Die Gründer der deutschen Bauernsiedlung werden geehrt und erforscht – ein Denkmal wird ihnen gesetzt, eine Ausstellung gezeigt und zwei Festschriften werden publiziert. Der Eigeninitiative eines kleinen Kreises von Leuten sei es zu verdanken, dass die Jubiläumsfeier zustande gekommen sei, lobte  Arina Nemkowa, die Leiterin des Fonds Deutsch-Russisches Begegnungszentrum, die durch die Pressekonferenz leitete.


Zu dieser Gruppe, bestehend aus Historikerinnen, Nachkommen von Strelna-Siedlern, sowie Bewohner der Siedlung im Süden von Petersburg, gehört auch Marina Lewitzkaja. Die  stellvertretende Leiterin der Gesellschaft für Deutsche Kultur in St. Petersburg machte auf das Buch mit Erinnerungen an die Kolonie Strelna aufmerksam, das zum Jubiläum erscheint und hiess alle Gäste zum Fest am kommenden Samstag in Strelna willkommen.

Eine weitere Publikation ist dem Lutherischen Friedhof in Strelna gewidmet. Laut der Autorin Irina Archiptschenko konnte dank der reich illustrierten Broschüre Strelna wieder zum Leben erweckt werden. Die Recherchen hätten viele interessante Familiengeschichten ans Licht gebracht – zum Beispiel das der Musikerfamilie Schmidt.

Weniger prominent, aber nicht minder interessant

Im Gegensatz zu den Lutherischen Friedhöfen in der Stadt Petersburg, seien in Strelna weniger prominente Personen begraben, deren Schicksal jedoch nicht minder interessant sein. Mit Hilfe der Petersburger Lokalzeitung „Moi Rayon“, die regelmässig Aufrufe veröffentlicht habe, seien immer wieder Nachfahren gefunden worden, die ihr Wissen und ihr Material zur Verfügung gestellt hätten.

Irina Tscherkasjanowa, die Autorin der Jubiläumsausstellung, zeigte sich gleichzeitig fasziniert und erschüttert, darüber, wieviel Material, Fotos, Bücher, Briefe und Dokumente, sie während ihrer Suche von Strelna-Nachkommen erhalten hat. Es sei unglaublich, so meinte sie, dass trotz aller Gefahren, Verbote und Repressionen, denen die Russlanddeutschen ausgesetzt waren, soviel Material für die Nachwelt aufbewahrt worden sei.

Ziel sei es gewesen, mit der Ausstellung das Leben der Deutschen in Strelna zu zeigen. Die Historikerin Elena Lebedewa, die ebenfalls an der Ausstellung mitgearbeitet hat, zeichnete in ihrem Kurzvortrag einen Abriss der Geschichte der Strelna-Deutschen.

Das Leben in Strelna – gestern und heute

Die Ausstellung, die auf praktischen Stellwänden präsentiert wird, ist zunächst in Strelna selbst zu sehen. Anschliessend steht sie anderen interessierten Institutionen in St. Petersburg zur Verfügung. Auf der Stellwand, die als Beispiel an die Präsentation mitgebracht wurde, war eine besondere Trouvaille abgedruckt – die Einladung zum 100-Jahre-Jubiläum von 1910. Neben dem historischen Geschehen informiert die Ausstellung auch über das Leben von Heute in Strelna.

Auch dieses problematische Thema wurde angesprochen – Sergei Krjukow, Leiter der Selbstverwaltung in der Siedlung Strelna-Neudorf sowie der Lew Berg, Mitglied des Strelnaer Dorfrats orientierten über die aktuelle Situation. In den Neunzigerjahren entschloss sich die Bundesrepublik, in Strelna eine Siedlung mit 170 Häusern zu bauen, in denen deutschstämmige Familien aus Kasachstan leben sollten, die dafür auf eine Aussiedlung nach Deutschland verzichteten.

Aber noch heute ist erst bei vier der letztlich 38 gebauten Häuser die Eigentumsfrage geklärt. Das staatlich inijzierte Projekt ist mittlerweile in ein kommerzielles umgewandelt worden – die Kosten für die Häuser in der attraktiven Wohnlage unweit des Konstaninowski-Palasts sind unerschwinglich für die 50 Umsiedlerfamilien aus Kasachstan. Man hoffe, man werde in Zusammenarbeit mit der Petersburger Stadtregierung bald einen Ausweg aus der verfahrenen Situation finden, erklärten die beiden Vertreter aus Strelna diplomatisch.

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Die Deutsche Kolonie in Strelna feiert ihr 200-Jahre-Jubiläum

Russlanddeutsche: Aufbau und Ende der deutschen Kolonie in Strelna

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Herold-Druckausgabe 04/2017 erschienen

mehr…