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Die Bombe in Domodedowo wurde zur „Geldbombe“ im Sicherheitsgeschäft

Von   /  16. Mai 2013  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- Ein weiterer millionenschwerer Unterschlagungsskandal erschüttert die staatlichen Strukturen – diesmal betrifft es die russische Eisenbahn RZD und ihre Zulieferer. Nach dem Bombenattentat auf dem Flughafen Domodedowo von 2011 wurden die wichtigsten russischen Bahnhöfe mit Metall- und Sprengstoffdetektoren ausgerüstet – bezahlt wurde dafür offenbar sechsmal mehr als nötig.


Nach dem Bombenattentat auf dem internationalen Moskauer Flughafen Domodedowo, bei dem im Januar 2011 35 Menschen getötet worden waren, rüstete man die grössten Bahnhöfe in St. Petersburg, Moskau, Nischni-Nowgorod, Wyborg, Twer, Rostow, Anapa, Sotschi, Adler, Wolgograd, Wladikawkas und anderen Städten mit neuer Sicherheitstechnik aus. Unter anderem wurden an den Ein- und Ausgängen zu Wartesälen und Perrons Metalldetektoren für Passagiere und Gepäck platziert. Waren die Kontrollen kurz nach dem Attentat noch scharf, so wurden sie bald larsch, und heute werden wie in der Metro vorwiegend Personen aus dem Kaukasus oder Zentralasien untersucht.

Wie Fontanka.ru berichtet, sollen allein in Petersburg die Kosten von 229 Millionen Rubel (rund 5,7 Millionen Euro) um das sechsfache überhöht gewesen sein. Da für den Auftrag eine offizielle Ausschreibung durchgeführt wurde, suchen Transportpolizei und Inlandgeheimdienst nun nach Beteiligten bei der Zulieferfirma „Transportnaja Kompanja“, die den Zuschlag erhielt, sowie in den Direktionen des Moskauer und Finnländischen Bahnhofs sowie des Bahnhofs Wyborg.

Der grösste Happen ging nach Südrussland

Die russische Bahn schrieb 2011-2012 einen Auftrag in der Gesamthöhe von einer Milliarde Rubel (rund 25 Millionen Euro) aus, der in vier Tranchen realisiert wurde. Der grösste Happen ging nach Südrussland, wo die aufwändigste Technik zur Aufspürung von Sprengstoff und Waffen zum Preis von 544 Millionen Rubel installiert wurde.

Zwar wurden die Aufträge an verschiedene Firmen vergeben, doch zeichnet sich ein ähnliches Unterschlagungs-Schema in mehreren Regionen ab. Dies lässt darauf schliessen, dass die Preise von einem Monopolisten kontrolliert wurden. Bestätigt wurde dieser Verdacht durch den Fund von noch verschlossenen Offertenkuverts, die beim Wettbewerb offenbar im vornherein nicht berücksichtigt wurden. Auch auf der Auftraggeberseite muss es eine zentrale Schaltstelle gegeben haben, die in Moskau vermutet wird. In den Büros sämtlicher beteiligter Firmen sind mittlerweile Hausdurchsuchungen im Gang.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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