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„Die alte Schlangenhaut“ in der „Türengalerie“

Von   /  11. Februar 2013  /  Keine Kommentare

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Wandkritzeleien unbekannter AutorInnen, fotografiert und zu einer Installation zusammengestellt von Eugen von Arb, sind bis am 3. März in der „Türengalerie“ im Kulturzentrum „Puschkinskaja-10“ zu sehen.

eva.- Die „Puschkinskaja-10“ wimmelt es vor Kunst und an Wochenenden auch vor Leuten. Dann kommt es in den Galerien und Ateliers, aber auch in den Gängen und Treppenhäusern zu zahlreichen Treffen und Gesprächsrunden, die manchmal bis in die Nacht hinein dauern.

Die Antworten und Fragen auf das Gesehene und Gesprochene landet sehr oft in Form von Sprüchen, Losungen, Gedichten und Zeichnungen an den Wänden des Kulturzentrums. Was in anderen Ländern längst als Vandalismus eingestuft würde, wird hier einfach stehen gelassen, und mit der Zeit sind die Wände mit einem feinen „Netz“ aus Worten und Bildern überzogen.

Festgehalten vor dem Neuanstrich

Erst wenn die Wände nach ein paar Jahren wieder neu gestrichen werden, hat die Toleranz ein Ende. 2011 war es wieder mal soweit, und als die Maler im obersten Stock schon mit Überstreichen begonnen hatten, gelang es noch hastig, einige der Wandsujets mit der Kamera festzuhalten.

Das Spektrum an Kritzeleien ist gross – mal sind es einfach Grüsse, wie „Hallo ihr Idioten – Liebe Grüsse von Gleb“, die ein Besoffener hinterlassen haben könnte. Dann wieder ein Geistesblitz – etwa: „Ich hatte einen Traum. Das Datum meines Todes.“ Oder: „Gebt einem Einsamen eine Laterne!“.

Poesie und Volksweisheiten auf einer Ebene

Wieder andere KritzlerInnen erweisen sich als richtige Poeten: „Und spazieren… Und mit dem Mund die Schneeflocken einfangen…. Und den Wind im Gesicht!!! Nimm das Glück! Und teile es mit anderen!“ Gleich daneben sind plötzlich banale Volksweisheiten zu lesen – Hackfleisch lässt sich nicht durch den Fleischwolf zurückdrehen und Fleischklösse lassen sich auch nicht wieder zu Fleisch machen.“

Die Bilder reichen von Strichmännchen hin zu Porträts. Ein Liebespaar entflieht zu zweit auf einem Pferd. Ein kaputter Klingelknopf wird mit ein paar Strichen als „Startknopf für gute Laune umfunktioniert. Ein senkrechte und waagrechte Linien bilden eine Ziegelmauer – darunter steht „Break the wall!“

Humor, Geist und Poesie brechen die „Wand“ der Monotonie

Tatsächlich wird die ewig weisse Wand durch die Kritzeleien gebrochen, Humor, Geist und Phantasie besiegen die Monotonie der Ordnung. Nun ist sie wieder weiss, nur ein Teil der abgestreiften „Schlangenhaut“ ist noch übrig – sie glänzt und funkelt und trägt die Zeichen ihrer Geschichte.

Bis 3. März in der “Türengalerie“ im Kulturzentrum “Puschkinskaja-10″. Kulturzentrum Puschkinskaja 10, Eingang vom Ligowsky-Prospekt 53. www.p-10.ru

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Kunst durchs Guckloch – Petersburg hat eine “Türengalerie”

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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