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Deutsche Woche: deutsch-russisches Business – Reiz und Tücken des Auslandes

Von   /  18. April 2012  /  Keine Kommentare

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Von Anna Smoljarowa

Der Bankettsaal im deutschen Restaurant „Paulaner“ ist voller Leute jeden Alters: Sie möchten von Unternehmer hören, wie sie ihre Geschäfte in Ausland führen. Zum Beispiel Anna-Christin Albers, bekannte Inhaberin der Bars „Datscha“, „Djuni“ und „Sotschi“ – sie erzählt, wie es ihr gelang, den Geist von deutschen Bars auf Sankt-Petersburg zu übertragen. Konstantin Nikulin, früher ein Abteilungsleiter bei Gazprom, erinnert sich an den ganzen Weg von einer kleiner Programmisten-Firma zu einer der führenden Plattformen für Online-Games „Intenium“.

Beide Referenten sprechen von Beharrlichkeit, Ausdauer und Hartnäckigkeit. „Ihr sollt eurer Idee Glauben schenken“, sagt Anna-Christin Albers. Wichtig sind auch die Partner: „Es ist sehr wichtig, zuverlässigen Menschen zu finden“, rät sie. Konstantin Nikulin erklärt, dass das Bedürfnis nach russischsprachigen Vermittlern zurückgegangen ist, weil sie oft gewissenlos seien. Olga Gontscharewskaja, 30-jaerige Teilnehmerin und Besitzerin der russischen Firma „LetoEstate“ kommentiert: „Ich habe schon gehört, dass es sich nicht  lohnt, mit russischer Diaspora zusammen zu arbeiten – es müssen bewährte Menschen sein“. Sie möchte ihr Geschäft auch auf dem deutschen Immobilienmarkt etablieren, weil dort einzigartige Immobilientypen in Deutschland existierten, wie zum Beispiel Mietshäuser.

Gute Sprachkenntnisse obligatorisch

Anna-Christin Albers und Konstantin Nikulin sind einverstanden, dass Englisch-Kenntnisse nicht genug sind: Man muss auch Deutsch bzw. Russisch sprechen. „Ohne Sprache ist es unmöglich, die Leute in dem Land, man arbeiten möchten, zu spüren“, sagt  Anna-Christin Albers. Das versteht auch Olga Gontscharewskaja, die noch kein Deutsch kann und Schwierigkeiten hat, einen Partner in Deutschland zu finden. Sie ist hartnäckig und plant bis in einem Jahr Sprachkurse zu besuchen in Deutschland zu starten.

Es gibt auch Besonderheiten in der Mentalität, die für manchmal störend, manchmal förderlich für das Geschäft sind. „Deutsche überlegen sich alles sehr gründlich und schätzen ziemlich lang“, bemerkt Konstantin Nikulin. Das heißt, dass man solche Gewohnheiten bei der Planierung berücksichtigen muss. Aber „die Zuverlässigkeit und Gewissenhaftigkeit bilden eine sehr gute Mischung mit solchen russischen Zügen wie Kreativität, Spontaneität und manchmal Mut“, unterstreicht Konstantin Nikulin.

Vorurteile behindern das Geschäft

Anderseits befürchtet Olga Gontscharewskaja den Einfluss negativer Vorurteile der Deutschen gegenüber den Russen. Auf die Frage nach einem konkreten Beispiel antwortet die Hamburger Studentin Julia Wehmeier, Deutsche verstünden oft nicht, wo die russische Grenze zwischen einer vorläufigen Vereinbarung und einer festen Absprache lägen.

Interessanterweise wirft Konstantin Nikulin den Deutschen die gleiche Sache vor: Oft scheinen sich die Partner näher zu kommen, aber man kann sich doch auf nichts Verbindliches einigen. „Wenn man wirklich will, kann Bürokratie nicht stören“, finden beide Referenten. „Die Deutsche Bürokratie ist ein Mythos: die Beamten haben mir nie Knüppel zwischen die Beine geworfen“, sagt Konstantin Nikulin. Auf die Frage, ob ihr der Status als Ausländerin geholfen habe, meinte Anna-Christin Albers, die russischen Beamten hätten ihr gegenüber vielleicht beweisen wollen, dass man auch in Russland seinen Weg gehen kann. Sie seien wirklich entgegenkommend gewesen.

Bild: PD

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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