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Deutsche Woche 2011: “Stimmen der Freiheit” – Ausstellung und Diskussion über Dissidenten

Von   /  18. April 2011  /  Keine Kommentare

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eva.- Der Deutsch-Russische Austausch (DRA) und das Goethe-Institut organisierten gemeinsam eine Fotoausstellung zum Thema “Stimmen der Freiheit”. Sie zeigt Porträts von Menschen aus der Sowjetgeneration und deren Stellungnahme zum Thema Totalitarismus, Demokratie und Freiheit. Ausserdem wurde während der Eröffnung ein Film von DRA-Praktikanten gezeigt, in dem Menschen ihre Erinnerungen und Meinung zu diesen Themen erzählen.


Während der Diskussion wurde auch das Dissidententum in der DDR angesprochen – dazu wurde der Dokumentarfilm “Radfahrer” über die Beschattung des Fotografen Harald Hauswald durch den Staatssicherheitsdienst “Stasi” in den Achtzigerjahren gezeigt.

In der anschliessenden Diskussion setzte man sich zuerst mit der Frage auseinander, wer als “Dissident bezeichnet werden kann. In der Sowjetunion wussten die meisten Menschen, dass neben der sowjetischen “Wahrheit” noch eine andere inoffizielle existierte, die man sich durch Abhören ideologischer “Feindsender” wie etwa BBC oder “Stimme der Freiheit” verschaffen konnte. Doch geschah dies alles heimlich, nachts, im Dunkeln unter der Decke.

„Innere Emigration“ oder Dissidententum?

Die meisten Gesprächsteilnehmer bezeichneten dieses Verhalten als “innere Emigration”, der die Mehrheit der Bevölkerung angehörte. Von Dissidententum hingegen könne dabei keine Rede sein – zuviele “Anpasser” hätten sich nach der politischen Wende in den ehemals sozialistischen Staaten mit dieser Bezeichnung geschmückt.

In der Runde mit Tatiana Barandowa von der Hochschule für Wirtschaft (Moderatorin), Alexander Skobow von der Bewegung “Solidarität”, Andrei Kalich vom Zentrum für Demokratie und Menschenrechte, Maxim Gromow von der Partei “Anderes Russland” und Viktor Voronkow vom Zentrum für unabhängige soziologische Untersuchungen, war man sich einig, dass ein Dissident offen seine Opposition bekundet und sämtliche negative Folgen für sich und seine Angehörigen in Kauf nimmt.

Gibt es noch Dissidenten in Russland

Ausserdem wurde die Frage behandelt, ob es heute in Russland noch Dissidenten gibt. Viktor Voronkow gab zu bedenken gab, dass die Situation von heute nicht mit jener in der Sowjetunion zu vergleichen sei und man in Russland mehr oder weniger sagen und schreiben könne, was man wolle – daher gebe es auch keine Dissidenten im herkömmlichen Sinn mehr. Dem widersprach der deutsche Fotograf Harald Hauswald und nannte als aktuelles Beispiel eines Dissidenten den anwesenden Oppositionspolitiker Maxim Gromow.

Gromow war nach der spektakulären Besetzung des Gesundheitsministeriums aus Protest gegen die Streichung von Sozialleistung, bei der er ein Putin-Porträt aus dem Fenster warf, zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Gromow erzählte von seiner Haftzeit und von Misshandlungen und psychischer Folter in russischen Gefängnissen.

Misshandlungen im Gefängnis und in der Armee

Er zeigte sich schockiert über die Situation und merkte an, dass Gefangene während der Sowjetzeit keinen Schlägen ausgesetzt gewesen seien. Diese Aggression gegenüber Häftlingen brachte er mit der Misshandlung von Rekruten in der russischen Armee, der so genannten “Dedowtschina” in Verbindung. Auch dieses schreckliche Phänomen, dem jährlich hunderte von Soldaten zum Opfer fallen, habe in den vergangenen Jahren stark zugenommen.

www.deutsche-woche.de

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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