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Deutsche Schule in St. Petersburg – jetzt oder nie!

Von   /  23. Januar 2009  /  Keine Kommentare

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Im deutschen Generalkonsulat wurde über die Gründung einer Deutschen Schule in St. Petersburg orientiert und diskutiert. Ein grosses Elternpublikum sowie Vertreter aus Wirtschaft und Bildung und der Generalkonsul kamen zur Überzeugung, dass eine solche Schule nicht nur erwünscht, sondern dringend nötig ist. Schon nächste Woche soll der Trägerverein gegründet werden – Mitmacher und Mitdenker sind höchst willkommen.

Von Eugen von Arb

Wer bisher mit seiner Familie aus einem deutschsprachigen Land nach Petersburg umsiedelte, stand nebst allen anderen landesspezifischen Anpassungsschwierigkeiten vor einem fast unlösbaren Problem: In welche Schule sollte er seine Kinder schicken? „Wenn ein deutsches Unternehmen Mitarbeiter für Petersburg suchte, so durften diese entweder keine Kinder haben, oder ihre Kinder mussten zu jung oder zu alt für den Schulbesuch sein“, erklärte Stephan Stein, Leiter der deutsch-russischen Aussenhandelskammer in Petersburg bei der Eröffnung der Veranstaltung. Deshalb, so meinte er, wäre der Aufbau einer Deutschen Schule in Petersburg reine Wirtschaftsförderung und müsse von deutschen Unternehmen unterstützt werden – auch wenn dieses Unterfangen weder billig noch einfach sein werde.

Marion Janoschka, die Mitinitiatorin des Projekts und selbst Mutter eines schulpflichtigen Kindes, konnte dieses Dilemma bestätigen. Es bestünde zwar eine ganze Reihe internationaler Schulen in Petersburg, aber von ihnen führe nur jene an der Herzen-Universität und der deutsche Zweig an der Peterschule deutschsprachigen Unterricht, erklärte sie. Von diesen beiden wiederum unterrichte keine nach deutschem Lehrplan mit Abitur, das ein anschliessendes Studium in Deutschland möglich mache – genau dies sei das Ziel der neuen Schule.

Deutscher Lehrplan mit russischen Akzenten

Die deutsch-russische Begegnungsschule, die nach den sehr optimistischen Prognosen ihrer Planer schon im kommenden Herbst ihre Klassenzimmer öffnen könnte, sollte langfristig einen Kindergarten sowie zwölf Schulklassen umfassen. Eine erste Umfrage hat ergeben, dass es bereits 69 potentielle Schulkinder für die neue Schule gibt. Da die meisten von ihnen im Vorschul- und Grundstufen-Alter sind, bietet es sich an, mit einem Kindergarten und den Schulklassen 1-6 anzufangen.

Obschon der Unterricht hauptsächlich nach deutschem Lehrplan erfolgen soll, wird auch das Russisch einen hohen Stellenwert haben und beispielsweise als Unterrichtssprache in musischen oder Sportfächern gelten. Ausserdem soll sich die Schule dem russischen Unterrichtssystem soweit annähern, dass die Schüler nach dem Abitur auch problemlos an eine russische Uni übertreten können. Selbstverständlich, betonte Janoschka, wären auch Kinder anderer Nationalitäten an der Schule willkommen.

„Joint Venture“ mit bestehender Schule unrealistisch

Hier tauchte die Frage auf, warum man nicht eine bestehende Schule, wie zum Beispiel die Peterschule, ausbauen wolle. Man habe diese Möglichkeit erwogen, meinte Janoschka, doch sei die Petrischule eine Privatschule, die nach ganz anderen Leitlinien arbeite. Um sie zu einer Deutschen Schule nach oben genanntem Muster zu machen, müsste sie erst gewissermassen „übernommen“ und dann völlig neu konzipiert werden, und das komme nicht in Frage.

Ein potentielles „Schulhaus“ im Zentrum wurde bereits gefunden – das Gebäude am Aptekarski Pereulok, unweit des Marsfelds verfügt über vier Etagen von je 150 Quadratmetern und wird momentan gesamtsaniert. An dieser Stelle begann die Diskussion über die Finanzierung. Wie am Beispiel anderer Begegnungsschulen ersichtlich ist, kann durchaus mit einer Starthilfe von rund 150.000 Euro vom deutschen Staat gerechnet werden. Das übrige Geld muss allerdings mit Hilfe von Sponsoren und in Form von Schulgeld eingebracht werden.

Betreuung durch ZfA, DAAD und Goethe-Institut

10.000 Euro pro Jahr und Kind könnte ein Schulgeld betragen, gab Janoschka an – ein happiger Betrag, der für einige betretene Gesichter im Publikum sorgte. Allerdings, so wurde von Wirtschaftsseite relativiert, könnte dieser Beitrag durch Sponsorengeldern deutlich gesenkt werden. Fast halb soviel, nämlich 6.000 Euro bezahlen die Eltern für ihre Kinder an der Moskauer Deutschen Schule – allerdings bezahlt die dortige Schule keine Miete.

Markus Mathyl, Leiter der des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in Petersburg, gab zu bedenken, dass auch viele russische Eltern bereit seien, ihre Kinder an eine solche Schule zu schicken, damit sie danach an öffentlichen deutschen Hochschulen studieren könnten. Diese Universitäten hätten ein enormes Interesse an der Gründung Deutscher Schulen in Russland und würden das Projekt nach Kräften unterstützen. Für die besten Absolventen der neuen Schule stünden Stipendien für ein Studium in Deutschland zur Verfügung.

Ohne Elternverein keine Unterstützung

Auch die Zentralstelle für das Auslandschulwesen (ZfA), deren Lehrer bereits an Petersburger Schulen unterrichten und das Goethe-Institut würde die neue Schule betreuen und für die Einhaltung des deutschen Schulstandards sorgen. Um diese Hilfe zu erhalten, verlangt der deutsche Staat allerdings die Gründung eines Elternvereins, wie er bei allen 120 deutschen Schulen auf der ganzen Welt besteht. Schon am kommenden Mittwoch (28. Januar, 19.00) soll der Trägerverein im Generalkonsulat aus der Taufe gehoben werden – freiwillige Mitdenker und Mitmacher sind willkommen.

Generalkonsul Peter Schaller machte den Anwesenden Mut – er habe schon bei der Gründung der Deutschen Schule in Peking mitgewirkt. Auch dieses Projekt habe bescheiden begonnen, und heute sei die Schule eine der führenden ihrer Art. Er rechne fest damit, dass die Gründung auch von russischer Seite begrüsst werde, und falls nötig sichere er seine volle Unterstützung auf höchster politisch-diplomatischer Ebene zu. Gleichzeitig warnte er auch von einem Rückzieher: Sollte dieses Projekt jetzt nicht angegangen werden, so müsste man damit rechnen, dass es auf Jahre hinaus in der Schublade verschwinde.

Gründungsversammlung: 28. Januar, 19.00 im Deutschen Generalkonsulat St. Petersburg.

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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