Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Deutsch-Russischer Salon: Zwei Querdenker treffen sich

Von   /  10. Januar 2018  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

eva.- Am Deutsch-Russischen trafen zwei Persönlichkeiten aufeinander, welche die die langsame Aussöhnung, Annäherung und Öffnung zwischen Deutschland und der Sowjetunion aktiv miterlebten: der russische Literaturwissenschaftler und Schriftsteller Ewgeni Wodolaskin und der Politiker Lukas Beckmann.

Unter der Moderation von Marina Kogut riefen die beiden die Jahre in Erinnerung als Ost und West noch durch scheinbar undurchdringliche Grenzen und Vorurteile des Kalten Kriegs von einander abgeschottet waren und trotzdem durch kleine Risse hindurch miteinander kommunizierten.

In München eine zweite Heimat gefunden

Lukas Beckmann, ein Freund von Heinrich Böll und Mitbegründer der Helsinki-Menschenrechtsgruppe kam 1986 zum ersten Mal nach Moskau. Er beschrieb die Kälte der offiziellen Gastgeber und die Wärme und Herzlichkeit der Dissidenten, mit denen man sich „wie alte Freunde“ verstand. Er schilderte auch die Situation während der „Gründerjahre“ der „Grünen“, der Heinrich Böll-Stiftung und der Lew-Kopelew-Stiftung.

Ewgeni Wodolaskin „durchbrach“ die Mauer zusammen mit seiner Frau dank ausgezeichneter Deutschkenntnisse, die ihnen zu Stipendien in Deutschland verhalfen. Die beiden konnten mehrere Jahre in Deutschland leben, wodurch ihnen München zur zweiten Heimat wurde.

Russland war Synonym für Angst

Mit dem Tauwetter konnte auch die Aussöhnung zwischen Russland und Deutschland beginnen, die sich im Weltkrieg aufs bitterste bekämpft hatten. Lukas Beckmann erzählte, wie er an einem Familienfest die Männer von ihren Kriegserlebnissen erzählten. Damals sei Russland kein geografischer Begriff gewesen, sondern ein Synonym für Angst, meint er. Zum ersten Mal habe er dort vernommen, wie jemand von der guten Behandlung der Kriegsgefangenen erzählte.

Aber trotz mehr als zwanzig Jahren ohne Berliner Mauer und Sowjetunion sitzen viele Vorurteile immer noch tief – was die momentane politische Krise beweist. In diesem Zusammenhang kamen die beiden Persönlichkeiten auf die Medien und ihr Russland-Bild zu sprechen.

Worte werden zu Kugeln

Zu 90 Prozent bestünden die Nachrichten heute aus Meldungen über Putin und den Syrien-Krieg, kritisierten sie. Die Ebene, auf der sich die Lew-Kopelew-Gespräche abgespielt hätten, fehle vollkommen. Das Internet biete zwar sehr viele Möglichkeiten, berge aber auch viele Gefahren. So würden „Worte zu Kugeln“, warnten sie. Gleichzeitig riefen sie zu neuer politischer Aktivität auf – man dürfe den Politikern nicht alles überlassen, die Menschen müssten hier und jetzt selbst entscheiden.

Bilder: Eugen von Arb/ SPB-Herold

Weitere Artikel zu diesem Artikel:

Deutsch-Russischer Salon: Deutschland und Russland: Zwischen Realität und Mythos

Deutsch-Russischer Salon: Ein Geschichtsbuch und mindestens zwei Meinungen

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Festival des deutschen Films 2018 im Kino „Rodina“

mehr…