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Der langsame Tod des Petersburger Baukonzerns „Intarsia“

Von   /  12. Mai 2017  /  Keine Kommentare

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eva.- Das staatliche russische Ermittlungskomitee (SKR) hat einen internationalen Haftbefehl für Viktor Smirnow, den Besitzer der 2016 bankrott erklärten Bau- und Renovationsfirma „Intarsia“ angefordert. Dem nach England geflüchteten Unternehmer wird die Unterschlagung hunderter Millionen Rubel vorgeworfen. Er hingegen hält das Verfahren für eine Racheakt seines früheren Kunden Andrei Jakunin und dessen Vaters.

Offiziell wird dem Flüchtigen Betrug in der Höhe von 700 Millionen Rubel (rund zehn Millionen Euro) vorgeworfen, die er beim Ausbau des „Hauses der Löwen“ am Wosnesenksi Prospekt beiseite geschafft haben soll. Klägerin ist die Firma „Tristar Investment Holding“, die im Auftrag der russischen Präsidialadministration den früheren Sitz der Familie Lobanow-Rostowski zu einem Fünfstern-Hotel umbauen liess.

Wie Viktor Smirnow in einem Interview der Internetzeitung Fontanka.ru zugab, war der Auftrag, den er 2009 übernahm, nachdem „Tristar“ den Vertrag mit der Firma Strabag gekündigt hatte, riskant. Allerdings bezeichnete er die neuerliche Vertragskündigung durch „Tristar“ drei Jahre später als missbräuchlich, da die ständigen Änderungen des Projekts die fristgerechte Ausführung unmöglich gemacht habe. Aus diesem Grund sieht er hinter den Ermittlungen gegen ihn einen Rachefeldzug des „Tristar“-Chefs Andrei Jakunin, dem Sohn des mächtigen Ex-Bahnchefs Wladimir Jakunin.

Gesamtes Wohneigentum beschlagnahmt

Smirnow gab sich bereit, dem Ermittlungskomitee online Frage und Antwort zu stehen, aber offenbar ist dieses bisher nicht an einer solchen Befragung interessiert. Wie Smirnows Anwaltskanzlei bestätigte, wurde auch die von Smirnow vorgelegte Liste mit Zeugen zur Befragung während des Verfahrens zurückgewiesen.

Ausserdem haben die Behörden bereits Smirnows gesamtes Wohneigentum in Russland beschlagnahmt. Nach Aussage des Beschuldigten wurden auch seine Verwandten unter Druck gesetzt, um gegen ihn auszusagen. Sein Stellvertreter Dmitri Sokolow sitzt derweilen unter Hausarrest.

Konkursmasse nach wie vor unbestimmt

Völlig unklar ist allerdings nach wie vor die Sachlage in den Klagen von rund 40 Kreditoren gegenüber der 2016 konkurs gegangenen Firma „Intarsia“. Sie fordern insgesamt drei Milliarden Rubel (knapp 50 Millionen Euro) ein. Der prominenteste Fall ist der Ausbau des Ostflügels des Generalstabsgebäudes zur „Neuen Eremitage“, bei dem „Intarsia“ Arbeiten im Wert von 70 Millionen Rubel (rund 1 Million Euro) nicht bezahlt, bzw. nicht ausgeführt haben soll.

Des weiteren steht das medizinische „Almasow“- Zentrum mit 140 Millionen Rubel (zwei Millionen Euro) Schadenssumme auf der Liste. Hier wird die Lage dadurch erschwehrt, dass die Konkursmasse von „Intarsia“ nach wie vor nicht genau beziffert wurde. Es wird geschätzt, dass bis zu 100 Millionen Dollar auf ausländische Konten abgeführt wurden.

Die Hälfte des „Renovationskuchens“

Zu ihrer Blütezeit übernahm „Intarsia“ etwa die Hälfte aller grosser Renovationsprojekte in St. Petersburg. Sie baute unter anderem den Konstantinspalast, das Senatsgebäude und den Ostflügel des Generalstabs aus. Das Unternehmen beschäftigte rund 1.500 Angestellte und verdiente jährlich bis zu zehn Milliarden Rubel (rund 160 Millionen Euro).

Bild: Viktor Smirnow (vorne rechts) besichtigt zusammen mit Eremitage-Direktor Michail Piotrowski die Bauarbeiten im Generalstabsgebäude. (Foto: Eugen von Arb/ SPB-Herold)

www.fontanka.ru

Eremitage bereitet sich auf Einzug in das Generalstabsgebäude vor

Ein Verdächtiger wegen Millionen-Unterschlagung bei Generalstabsrenovation gefasst

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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