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Der ewige Dissident – Eduard Limonow ist tot

Von   /  20. März 2020  /  Keine Kommentare

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eva.- Eduard Limonow (1943-2020), Schriftsteller, Politiker und Berufsdissident ist 77-jährig in Moskau gestorben. Limonow war ein ebenso mutiger wie geschickt taktierender Polit-Aktivist und -Publizist, der seine Heimat mal verdammte, mal verherrlichte und sich von heute auf morgen mit der ganzen Welt verkrachen konnte.

Für wenige Menschen ist die Bezeichnung „schillernd“ so treffend wir für „Editschka“, wie er sich in seinem autobiografischen Bestseller nannte, der in Deutschland unter dem Titel „Fuck Off, Amerika“ erschien. Doch damals, als 1979 die erste Ausgabe in Frankreich erschien, war schon viel in seinem Leben passiert. Bereits hatte er seine ersten Kehrtwenden hinter sich.

Der in Charkow geborene Eduard Limonow war in Moskau vom Schneider zum Untergrund-Dichter avanciert und 1974 aus der Sowjetunion ausgewiesen worden. Doch auch die „Freiheit“ in den USA enttäuschte ihn, so dass er ab 1982 in Frankreich lebte und später dessen Staatsbürger wurde. Schon damals war er auf politischem Schleuderkurs und wechselte in seinen zahllosen Artikeln von politisch ganz Links, zur extremen Rechten.

Lautstark an allen politischen Fronten

1991 gab ihm Gorbatschow die sowjetische Staatsbürgerschaft zurück, doch wurde es nicht ruhiger um Limonow – im Gegenteil: Er gründete 1994 die Nationalbolschewistische Partei (NBP) und sprang auf das nationale und internationale Politkarussell auf. Er unterstützte den Putsch gegen Jelzin, nahm im Unabhängigkeitskrieg Georgiens für die separatistische Region Abchasien Partei und kämpfte aktiv im Jugoslawienkrieg auf Seite der Serben.

Seine Partei erwies sich als ebenso wankelmütig wie langlebig. Mit der Handgranate (im Volksmund „Limonka“) auf rotem Grund trat sie lautstark an allen politischen Fronten auf und wurde schliesslich 2005 als verfassungsfeindlich verboten. Sie war mal antikapitalistisch, mal antiamerikanisch und unterstützte den russischen Nationalismus und Grossmachtträume. Mehrfach geriet Limonow als ihr Leader ins Gefängnis, unter anderem wegen illegalem Waffenbesitz.

Turbulentes Privatleben

Doch trotz ihrer nationalistischen Ausprägung ging die NBP später immer stärker in Opposition gegen das Putin-Regime. Wegen der zunehmenden Versammlungsverbote gründete Limonow 2009 die „Strategie 31“, die mit Demonstrationen am jeweils 31. an die Verletzung des Paragraphen 31 in der russischen Verfassung erinnerte und in ganz Russland über Jahre konsequent durchgeführt wurde.

2010 löste die Bewegung „Anderes Russland“ die verbotene NBP ab, und Limonow wurde Vorsitzender der Bewegung. Ein neuer Wendepunkt brachte 2014 der Krim-Konflikt, der die Opposition wegen der Befürwortung des Krim-Anschlusses durch Limonow spaltete.

Ebenso bewegt wie sein politisches Engagement war Limonows Privatleben. Er war fünfmal verheiratet und wurde mit 63 Vater eines Sohns. Wie er selbst einmal sagte, würde an seinem Todestag nationale Trauer ausgerufen. Dies erfüllte sich nicht – aber vergessen wird der charismatische Politk-Chaot und Dichter auf keinen Fall.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

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  • Veröffentlicht: 2 Monaten vor auf 20. März 2020
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  • Zuletzt geändert: März 20, 2020 @ 2:45 pm
  • Rubrik: Aktuell, Politik

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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