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Der eigenen russlanddeutschen Sprache auf der Spur – SprachlehrerInnen aus dem GUS-Raum trafen sich in Petersburg

Von   /  12. Dezember 2009  /  Keine Kommentare

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Rund siebzig Lehrerinnen und Lehrer aus Begegnungszentren in Russland und seinen Nachbarländern nahmen am erstmals durchgeführten Forum im Deutsch-Russischen Begegnungszentrum teil. Gemäss dem Motto „Nationale Identität durch sprachliche Identität“ wurde den volkskundlichen Themen der Russlanddeutschen besonders viel Platz eingeräumt.


Von Eugen von Arb

Im zweiten Stock des Deutsch-Russischen Begegnungszentrums geht es fidel zu und her – Nadeschda Schischkina aus Astrachan führt Schwänke und Sprichwörter in allen möglichen deutschen Dialekten vor. Den Teilnehmern des Kurses „Deutsche Dialekte im Rahmen der Jugendspracharbeit“ wird die Vielfalt und die Geschichte der Sprache im russlanddeutschen Kulturraum vorgeführt. Es wird viel gelacht und geschmunzelt – besonders als Schischkina ein deftiges bayrisches Hochzeitslied vorsingt.

Deutsche Dialekte entwickelten sich in Russland weiter

Wie die Dialekte aus anderen deutschsprachigen Regionen kam auch das Bayrisch nach Russland, nachdem Katharina die Grosse im 17. Jahrhundert begonnen hatte, die Ansiedlung Deutscher im Zarenreich im grossen Massstab zu fördern. Weit weg von der Heimat entwickelten sich die deutschen Dialekte auf ihre Weise weiter.

Durch Krieg, Repression und Auswanderung gingen viele russlanddeutsche Traditionen verloren und werden erst heute wieder entdeckt. Zwar ist Hochdeutsch heute in Russland dank deutscher Förderung und dem Engagement vieler ehrenamtlicher Lehrerinnen und Lehrer wieder eine sehr beliebte Sprache geworden – aber die eigene russlanddeutsche Sprachkultur wurde dabei wenig beachtet.

Spracharbeit seit 15 Jahren

„Wir betreiben seit 15 Jahren Spracharbeit, aber die ethnokulturelle Komponente wurde bisher vernachlässigt“, meint Arina Nemkowa, Leiterin des Petersburger Begegnungszentrums. Dialekte liessen sich kaum bewahren, weil sie nur noch in wenigen russlanddeutschen Familien gepflegt würden, gesteht sie ein. „Aber mit Hilfe von Spielen kann die sprachliche Identität hervorgehoben werden.“

Das Echo auf die vielseitige Forumswoche mit Workshops, Diskussionsrunden und Theateraufführungen ist durchwegs positiv. Aus ganz Russland, der Ukraine, Kasachstan, Usbekistan und Kirgistan sind die Gäste angereist – die Kosten wurden geteilt: Kosten für Unterkunft und Verpflegung übernahm das Petersburger Zentrum, die Reise bezahlten die Teilnehmer.

„Multiplikatoren“ geben das Wissen in der Heimat weiter

Als so genannte „Multiplikatoren“ werden sie das hier vermittelte Wissen an Seminaren mit eigens dazu entwickelten Lehrmitteln in ihrer Heimat weitergeben. Was aufällt: Nur ein einziger Mann ist mitgekommen. „Da die Arbeit in den Begegnungszentren meist ehrenamtlich ist, sind nur wenig Männer bereit sich zu engagieren – sie wollen dann gleich eine leitende Stellung“, erklärt Nemkowa.

Besonders gut an dem Forum gefällt Natalia Rubkowa aus Syktyvkar an dem Forum, dass sehr viel praktische Dinge vermittelt werden. „Ich habe verstanden, dass es in dieser Frage keine richtigen Antworten gibt – wir können nur vermitteln, was die Leute damit machen, ist ihre Sache.“

Workshop-Teilnehmer sind aktiv und motiviert

Auch Tatiana Jurina aus Solikamsk bei Perm erhält hier neue Impulse. „Zuvor fand ein Kongress zum Thema der russlanddeutschen Sprachidentität in Moskau statt – was man dort als Strategie behandelt hat, wird hier praktisch umgesetzt und vertieft“ schildert sie. Workshops als Unterrichtsform gefallen ihr sehr – „Das Spiel ist sehr wichtig, weil die Kursbesucher motiviert sind und aktiv daran teilnehmen.“

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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