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Der blaue Riese „verschluckt“ 35 Milliarden – Polizei durchsucht Petersburger Postämter

Von   /  29. August 2013  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- Die Sonderpolizei für Wirtschaftsverbrechen nahm am 28. August in dutzenden Petersburger Postämtern, Firmen und Wohnungen Hausdurchsuchungen vor. Der russischen Post wird vorgeworfen, sich illegal als Bank betätigt zu haben und dabei 35 Milliarden Rubel am Staat vorbei geschmuggelt zu haben.

Im Zentrum der grossangelegten Polizeiaktion stand das überregionale Postamt auf der Petrograder Seite, von wo aus „Bestellungen“ von Bargeld über fiktive Rechnungsanweisungen an fiktive Firmen abgewickelt wurden. Getarnt als legale Postdienstleistungen wurden so Milliardenbeträge schwarz ein- und ausbezahlt.

Gefälscht von hinten bis vorne

Die Polizei blockierte auf einen Schlag die Geschäftstätigkeit von 40 Tarnfirmen und rund 400 Strohmännern, deren Banken-Netz über ganz Russland verteilt war. Sowohl ihre Identität wie auch ihre Dokumente stellten sich als gefälscht heraus – sogar der Notar, dessen Stempel die Dokumente tragen, existiert nicht.

Entsprechend den Transaktionen auf dem Papier musste auch das Bargeld verschoben werden. Wie die Finanzpolizei gegenüber Fontanka.ru erklärte, waren dazu „schwarze“ Inkasso-Unternehmen im Einsatz, welche die Geldsummen in der Höhe bis zu mehreren Millionen täglich zwischen den städtischen Postämtern transportierten. Allein bei einer der Inkasso-Firmen wurden Geldtransporte in der Höhe von insgesamt sechs Milliarden Rubel nachgewiesen.

Überfälle wurden wenn möglich verschwiegen

Dass hier grosse „Happen“ verschoben wurden, blieb natürlich auch der Unterwelt nicht verborgen, daher waren die inoffiziellen Geldtransporte auch immer wieder das Ziel von Raubüberfällen. Wie die Polizei feststellte, wurde die Polizei nur in äussersten Fällen eingeschaltet, zum Beispiel wenn es Tote oder Verletzte gab. Ansonsten hielt man sich sehr zurück, ja leugnete in einigen Fällen sogar die Vorfälle, um Fragen der Polizei nach der Herkunft des gestohlenen Geldes zu vermeiden. Bei einem der Überfälle kam zu Jahresbeginn der 39-jährige Angestellte eines Inkasso-Unternehmens ums Leben.

Wie die Polizei versicherte, sind in dieses Verbrechen keine einfachen Postangestellte verwickelt – vielmehr wurden die Finanzkanäle aus führenden Positionen kontrolliert. Neben anderen höheren Postbeamten wird sich auch Juri Afganow, der Post-Chef von Petersburg und dem Leningrader Gebiet der Polizei erklären müssen.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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