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Nach 15 Jahren hat das Begegnungszentrum neue Ziele: Finanzielle Unabhängigkeit und eine Sprachschule

Von   /  13. Dezember 2008  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Dieses Jahr feierte das Deutsch-russische Begegnungszentrum an der Petrikirche seinen 15. Geburtstag und blickt zurück – viel hat sich verändert, einiges ist gleich geblieben. Das Zentrum will seine bisherige Position als Dachorganisation für Nordwestrussland und sprachdidaktisches Zentrum beibehalten, wirtschaftlich aber noch unabhängiger von staatlichen Geldern werden.
Die Geschichte des Deutsch-russischen Begegnungszentrums ist spannend und eng verbunden mit der Petrikirche, die in der Geschichte der Petersburger Russlanddeutschen eine zentrale Rolle spielt. Die Idee, ein solches Zentrum zu gründen, entstand 1991 gleichzeitig mit dem Rückbau der Kirche, die in der Sowjetzeit als Schwimmbad gedient hatte. Die Zusammanarbeit mit der Dittchenbühne, einer Laien-Theatergruppe aus Elmshorn, spielt ab 1993 eine wichtige Rolle im Leben des Zentrums – eine Theatergruppe, ein Chor und ein Klub der deutschen Sprache werden gegründet.

Aufbau eines weitverzweigten Netzwerks

Kaum hatte sich das Zentrum ein wenig etabliert, ging es nach aussen – ab 1996 beginnt die Suche nach der verschütteten Geschichte der Russlanddeutschen in der Region Nordwestrussland. Zehn Städte werden besucht und nach Angehörigen der deutschen Minderheiten gesucht. Ein Jahr später sind bereits 11 der heute bestehenden 14 Zentren gegründet („Zahlen und Fakten siehe unten“). Im Jahr 2000 nutzen bereits 1500 Stammbesucher die Angebote des Zentrum in den Bereichen Sprache, Kultur, Austausch und Jugendarbeit. 2003 wagt das Zentrum mit kommerziellen Veranstaltungen erste Schritte in die finanzielle Unabhängigkeit und 2004 wird es zu einem der so genannten „Knotenpunkte“ des weit verzweigten Bildungs- und Informationsnetzwerkes

Gleiche Aufgaben mit neuen Akzenten

„Wir waren damals eine kleine lokale Gesellschaft, und heute sind wir ein Zentrum für Sprache und Kultur, das in Russland eine wichtige Rolle spielt“, umreisst Arina Nemkowa, die Leiterin des Zentrums die Entwicklung. „Die Aufgaben des Zentrums sind dieselben geblieben – Jugendarbeit, Spracharbeit, Kulturangebote, sowie soziale Hilfen. Nur die Akzente haben sich verschoben.“

Zu den traditionellen Veranstaltungen sind neue hinzu gekommen – zum Beispiel Kurse zum Thema Gesundheit oder Psychologie. Ausserdem konzentriert man sich heute nicht mehr nur auf Deutschland, sondern auf den gesamten deutschsprachigen Raum, so werden den Stammbesuchern auch Regionen wie die Deutschschweiz, das Fürstentum Lichtenstein oder die deutschsprachigen Regionen in Luxemburg und Belgien näher gebracht werden.

Austausch wurde stark intensiviert

Der Bereich Jugendaustausch konnte in den letzten Jahren stark intensiviert werden – nicht zuletzt dank der guten Beziehungen zur Partnerstadt Hamburg. Mit dem neuen Partnerschaftsabkommen, das im vergangenen Jahr unterzeichnet wurde, ist die Zahl der Austauschschüler und -Studenten praktisch verdoppelt worden. Auch das Verhältnis zu den übrigen russischen und deutschen Partnerorganisationen und Regierungsstellen sind laut Nemkowa sehr wohlwollend. Trotzdem möchte das Zentrum in Zukunft mehr finanzielle Selbstständigkeit erlangen: „Für eine nachhaltige Entwicklung ist es nicht gut, von staatlicher Unterstützung abhängig zu sein“, meint die Direktorin.

Erste Schritte in die Unabhängigkeit

Erste Schritte in diese Richtung sind getan, so hat das Zentrum ein Spiel zur Landeskunde und das Deutsch-Lehrbuch „Federleicht“ erarbeitet, die beide mit Erfolg verkauft werden. „Die Einnahmen werden umgehend in die Entwicklung unseres Netzwerks investiert“, erklärt die Direktorin. Eine andere Einnahmequelle sind die Deutsch-Sprachkurse – ein Gebiet, auf dem sich in den vergangenen Jahren viel verändert hat. Von den kostenlosen Sprachkursen, die das Zentrum für Russlanddeutsche organisiert hat, werden heute nur noch zehn Prozent geführt – eine Folge der Auswanderung nach Deutschland. „1999 gab es am Anmeldungstag noch Warteschlangen bis an den Newski-Prospekt, heute haben wir jeweils noch 100 bis 120 Interessenten“, schildert Nemkowa die Situation.

Fehlende Lizenz und Schulräume

Die Gesamtzahl der Sprachkurse wurde zwar beibehalten und konnten auf kommerzieller Basis weiter geführt werden. Doch besitzt das Zentrum bisher nur eine Lizenz, um im Basisbereich (bis Niveau A2) zu unterrichten. „Unser Ziel ist es, eine Sprachschule zu werden, aber dafür müssen wir sehr strenge Normen erfüllen“, erklärt Nemkowa. Ein weiteres Problem stellen die nötigen Räumlichkeiten für den Schulbetrieb dar – „Wir versuchen bereits seit vier Jahren eine Lösung zu finden, bisher vergeblich.“

Das Begegnungszentrum in Zahlen und Fakten

Das Deutsch-russische Begegnungszentrum St. Petersburg (DRB) ist eine von 420 Begegnungsstätten in Russland und den GUS-Staaten. Es bildet ausserdem die Dachorganisation für 14 Zweigstellen in Nordwestrussland und betreut als sprachdidaktisches Zentrum 149 sogenannte „Multiplikatoren“ in Russland, Kasachstan, Usbekistan, Kirgisien und in der Ukraine. Per Volkszählung 2002 leben in Nordwestrussland 13.000 Russlanddeutsche, davon 4000 in St. Petersburg und 2000 im Leningrader Gebiet. Die Schwerpunkte in der Arbeit des Zentrums sind Jugendarbeit, Spracharbeit, Kulturangebote, sowie soziale Hilfen. Das Petersburger Begegnungszentrum bietet ein Programm für 5500 Russlanddeutsche, ihre Familien und alle, die Interesse an deutscher Kultur haben ab drei bis 95 Jahren.

Die 14 Zweigstellen des Deutsch-russischen Begegnungszentrums in Nordwestrussland:

Bolschaja Wischera, Wolchow, Wolosowo, Wyborb, Wytschegozk, Selenogorsk, Gatschina, Kingisepp, Kirischi, Kolpino, Koltuschi, Kotlas, Luga, Malaja Wischera, Murmansk, Newskaja Dubrowka, Nowgorod Welikij, Pesotschnaja, Priosersk, Petrosawodsk, Pskow, Puschkin, Rosljakow, Sestrorezk, Sewerodwinsk, Sankt- Petersburg, Sosnowij Bor, Strelna, Tosno.

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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