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Das Pressemuseum zeigt den propagandistischen „Krieg hinter der Front“ von 1914

Von   /  28. August 2009  /  Keine Kommentare

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eva.- Das kleine Pressemuseum an der Moika zeigt in einer Ausstellung den Propaganda-Krieg, den all jene erlebten, die im August 1914 nicht an die Front fuhren. Weil sich damals niemand unabhängig per Internet, Radio oder Fernsehen über das Geschehen an der Front informieren konnte, war man auf die zensierte und patriotisch gestimmte Presse angewiesen.

Eine wichtige Rolle übernahmen auch Plakate, Postkarten und Fotografien, von denen eine grosse Auswahl in der Ausstellung zusammen getragen wurde. Sie zeichneten grösstenteils ein illusionistisches Bild des Kriegs – heroische Szenen, in denen die edlen eigenen Soldaten den barbarischen Gegner besiegen. Oft nahmen Zeichnungen und Grafiken den Charakter von Karrikaturen an, mit denen der Gegner lächerlich gemacht werden sollte. So stellte man beispielsweise die Osmanen, die mit den Mittelmächten verbündet waren, als hakennasige, Fez-tragende Wilde dar, die sich feige in die Flucht schlagen lassen.
Kriegslazarette, Liebesgaben für die Front

Interessanterweise befinden sich unter den Plakaten auch zwei Erzeugnisse Malewitschs, und auch der bekannte Petersburger Fotograf Bully ist mit seinen Bildern vertreten. Er unterstützte die Heimatfront mit Fotografien mit aus Kriegslazaretten, von denen sich eines direkt im Winterpalast befand. Ausserdem hielt er patriotische Aktionen fest, beispielsweise den Abmarsch Kriegsfreiwilliger und die Sammlung von Liebesgaben für die Front.

Der Ausstellungsbesucher taucht in jene naiv-patriotische Aufbruchsstimmung des ersten Kriegsjahrs ein, die in allen Kriegsnationen herrschte und bald dem militärischen, politschen und wirtschaftlichen Zusammenbruch und der Revolution Platz machte. Das Pressemuseum führt als Filiale des historischen Museums St. Petersburgs und ein eher bescheidenes Dasein. In der Wohnung nahe der Eremitage sind jene Räumlichkeiten zu besichtigen, in denen vor der Oktoberrevolution der „Landwirtschaftsbote“ gesetzt und gedruckt wurde und wo Lenin die erste Ausgabe der „Prawda“ lancierte.

Die Ausstellung ist bis am 20. November zu sehen. Moika 32, Öffnungszeiten 11 – 18 Uhr, Dienstags bis 17 Uhr, Mittwoch geschlossen. Eintritt: 50 – 80 Rubel. Telefon: 312-09-77.

Bild: Rassismus im Propagandakrieg – ein Osmane wird von einem russischen Kavaleristen verjagt. (Wikimedia Commons)

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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