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Das Petersburger Brotmuseum wird „ausgehungert“

Von   /  8. Oktober 2013  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- Das Brotmuseum, wo unter anderem die berüchtigte Brotration ausgestellt wird, die während der Leningrader Hungerblockade von 1941-44 ausgegeben wurde, wird blockiert. Seit Ende September ist das beliebte staatliche Museum wegen eines Konflikts mit dem privaten Mitinhaber ohne Strom – Führungen werden vorerst mit Taschenlampen gemacht (siehe Fotogalerie).


An der Adresse Ligowski-Prospekt 73 befand sich von 1979 bis 1988 ein Brotkombinat. Dann wurde die Liegenschaft teilprivatisiert – ein Zehntel der Räume (730 Quadratmeter) wurde dem staatlichen Brotmuseum zur Verfügung gestellt. Der Rest wurde an einen privaten Investor verkauft, der im Gebäude das Business-Zentrum „Ligowka einrichtete.

Das Delikate an diesem Handel war, dass dem Business-Zentrum die gesamte Infrastruktur mitsamt der Strom- und Wasserversorgung überschrieben wurde und damit das Museum in ein Abhängigkeitsverhältnis geriet. Wie Fontanka.ru schreibt, hing der gemeinsame Haussegen von Anfang an schief.

Museum wird als Ballast verstanden

Die „Ligowka“-Direktion gab der Museumsleitung bei jeder Gelegenheit zu verstehen, dass man die staatliche Institution als Ballast verstand. Vor vier Jahren, als die Stadt dem Museum ein anderes Gebäude an der ul. Michailowa 2A im ehemaligen Haus des Kaufmanns Pastuchow zuwies, schien man den Konflitk gelöst zu haben.

Doch im Gegenteil schien die Leitung des Business-Komplexes dies als Zeichen zum Übergang zum offenen Konflikt zu verstehen. Sein Direktor Wjatscheslaw Sokolow begann von der Stadt nicht nur den Umzug des Museums, sondern eine Garantie zu fordern, dass die freiwerdenden Räume ihm zugeschlagen würden.

Business-Zentrum will zusätzliche Einnahmen

Die Erklärungen der Stadt, nach denen die Liegenschaft öffentlich zum Verkauf ausgeschrieben werden müssten, wurden ignoriert. Dabei geht es um viel Geld – rund sieben Millionen Rubel, die das „Ligowka“-Zentrum jährlich zusätzlich an Miete einnehmen will.

Dieses Jahr erhielt das Museum die Retourkutsche – das Zentrum schloss den Vertrag mit dem Museum über die Wasser- und Energie-Versorgung statt für das ganze Jahr nur bis zum 30. September ab. Nach dem Ablauf dieser Frist bat die Museumsdirektion um eine Verlängerung – stattdessen gingen die Lichter aus, und das Business-Zentrum reichte eine Klage wegen angeblicher Schulden des Museums über 2,9 Millionen Rubel ein.

Museum: Versuch einer gewaltsamen Übernahme

Die Museumsdirektorin Marina Jakowlewa entgegnet, alle Rechnungen seien pünktlich bezahlt worden und bezeichnet diesen Schritt als Versuch einer gewaltsamen Übernahme der Liegenschaft. Aber obwohl damit die Museumsarbeit erheblich erschwert wurde, gibt man nicht auf und führt die Besucher vorerst mit Taschenlampen durch das Museum.

Das junge Museum ist mit viel Liebe eingerichtet und zeigt die gesamte russische Brotkultur vom Holz-Backofen bis zur industriellen Grossbäckerei. Insbesondere bei Schulklassen ist das Museum sehr beliebt und hat immer ein volles Haus. Leider werden die Räume an der neuen Adresse noch renoviert, darum ist ein Umzug momentan unmöglich.

Mittlerweile hat sich das städtische Kulturkomitee eingeschaltet, doch wurden bisher sämtliche Verhandlungsversuche durch die Vertreter des Business-Zentrums ignoriert. Darum versucht man nun für die Übergangsfrist einen direkten Vertrag mit dem Stromversorger Lenenergo abzuschliessen, um unabhängig zu sein. (eva)

Bilder: Eugen von Arb/ SPB-Herold

Brotmuseum, Ligowski Prospekt 73, täglich 10-17 Uhr, Tel. 764-11-10. www.museum.ru/m165

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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