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Das Künstleratelier im Pocketformat – Viktor Danilow im Skulpturenmuseum

Von   /  18. Oktober 2012  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Mit hunderten von Zeichnungen spiegelt das Städtische Skulpturenmuseum den Werdegang des Petersburger Künstlers Viktor Danilow (1946-2010). Aus Entwürfen und Kritzeleien, die in einem Buch zusammengefasst wurden, ist das bisher unbekannte Profil des Bildhauers aus der Künstlersiedlung Schuwalowo entstanden (Fotogalerie).


Man könnte es eine Retrospektive einer Welt hinter dem Vorhang nennen. Eine solche entsteht bei praktische allen KünstlerInnen in irgend einer Form mehr oder wenige bewusst. Projekte, Pläne, Zeichnungen entwirft jeder im Kopf oder auf dem Papier bevor er daran geht, das Endgültige zu erschaffen.

Nebst Ideen, die verwirklicht werden, enthält jeder Skizzenblock auch unrealistische Ideen und Träume – Ängste und Gefühle. Es ist eine intime Zone wie ein Tagebuch, die viele Künstler zu Lebzeiten nicht nach aussen dringen lassen. Zwei Jahre nach seinem Tod hat nun aber die Frau Viktor Danilows das Skizzenbuch für alle geöffnet – es ist voller positiver Energie, Witz, Humor und auch Geborgenheit.

„Willkommen in der guten Stube!“

Das Bild Danilows, das im Zentrum des zweiten Saals hängt, gibt die Grundstimmung an: „Willkommen in der guten Stube!“ So könnte sein Titel lauten. Es zeigt ein einfach gezimmertes Zimmer mit Bretterboden, Kamin und gedecktem Tisch. Bilder, Skulpturen und kunstvolle Möbel verwandeln das Wohnzimmer in das karge, aber gemütliche Atelier Danilows im Künstlerdorf Schuwalowo am nördlichen Stadtrand Petersburgs.

So wie das Gemälde symbolisch für sein Haus steht, so bilden die Miniaturen an den Museumswänden die Umgebung. Dazu gehören Menschen, Tiere und Natur einerseits, seine Traumwelt andererseits. Zum Boemien-Leben auf dem Lande gehören viele Hunde und Katzen, sie scheinen immer wieder von neuem um die Ecke zu kommen, springen, schleichen sich an, liegen herum und lassen das Leben vorbeiziehen. In vielem erinnert diese Beschaulichkeit an die Hinterhofszenen Petersburger „Mitki“-Maler.

Nackedei reitet auf Katze

Mal scheinen sich die Bildergeschichten zu vermischen, dann trennen sich ihre Helden wieder. Der Nackedei, der einem auf der einen Skizze keck entgegenblickt, reitet im nächsten auf einer Katze, dann ist die Mieze wieder allein am herumstreunen. Ein ganzes Künstlerleben, von den Siebziegerjahren bis ans Ende ist kreativ verschlüsselt, festgehalten.

„Je vous écris de la Côte d’Azur“ kritzelt er schwärmerisch neben eine Skizze – der Gruss kommt aus der Sowjetunion und ist er voller Träume. Dann wird ernsthaft und nüchtern Bilanz gezogen: „Ich habe gestern und heute morgen meine Bilder analysiert. Nicht ein einziges davon ist auf professionellem Niveau ausgeführt. Ich bin sehr froh, dass ich meine Misserfolge überdenken und rechtzeitig die nötigen Schlüsse daraus ziehen konnte.“

Im Ganzen glücklich und erfüllt

Die Ausstellung lässt Privatleben und Künstlerdasein in einanderfliessen und erlaubt dem Besucher, in die Seele Danilows zu schauen. Auf dem Rundgang durch die mit Tusche, Bleistift, Farbstift und Kreide gekritzelten Welt, begegnet man dem Künstler auf Du und Du, einmal heiter und selbstbewusst, einmal selbstkritisch und verunsichert – im Ganzen aber glücklich und erfüllt.

Davon erzählten auch fast alle seine Freunde, die an die Eröffnung kamen. Das schönste daran ist, dass sich jeder ein Stück von diesem Riesenglück „abschneiden und in Buchform nach Hause tragen kann. Der Katalog in Form eines grossen Skizzenblocks bewahrt durch sein lockeres Layout und das Fehlen jeglicher Bildunterschriften die ganze Lebendigkeit und Spontaneität der Künstlerhand.

Bis am 28. Oktober. Ausstellungssaal des städtischen Skulpturenmuseums, Newski Prospekt 179/2. Eintritt 50-100 Rubel. Тel. 314-12-14. www.gmgs.ru

 

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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