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Das Antlitz der Frau vor langer Zeit – eine Postkartenausstellung im Skulpturenmuseum

Von   /  10. März 2011  /  2 Kommentare

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eva.- Das Städtische Skulpturenmuseum zeigt bis am 17. April einen Ausschnitt aus der Postkartensammlung des Petersburgers Ilya Jevstivejew (1901-1987). Der Ingenieur hatte während über vierzig Jahren eine riesige Sammlung mit Malerei, Grafik, Fotografien, Minuaturen, Bronze, Reklame und Postkarten aus dem 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert aufgebaut, für die ihm zur Sowjetzeit sogar ein zusätzliches Zimmer zugestanden wurde (siehe Fotogalerie).


Die Ausstellung welche dank der Familie des Sammlers zustande gekommen ist, zeigt über zweihundert Frauenporträts im Postkartenformat. Als Original oder als vergrösserte Reproduktion blicken die Schönheiten meist modisch zurecht gemacht auf die Zuschauer. Zum Frauentag bieten sie einen Spiegel der Gesellschaft des frühen zwanzigsten Jahrhunderts.

Frauen, Damen, Mädchen, Modelle im Outfit der verschiedensten Modehäuser jener Zeit blicken lachend, lächelnd, sehnend, schmachtend, flehend ins Publikum. An wen sind diese Blicke gerichtet? Wohl am ehesten an Männeraugen, die sich – einmal “eingefangen” – kaum mehr von den gemalten und fotografierten “Sirenen” abwenden können. Zumindest war das damals das Ziel als männliche Wunschträume noch nicht im Fernsehen und Internet schwebten.

Ist dieses „Weibs -Bild“ noch aktuell?

Vorbild, Beispiel, Konkurrenz und Antibeispiel konnten die Postkarten-Frauen zu jener Zeit für ihre Zeitgenossinnen sein – sind sie es heute noch? Die Antwort geben die Besucherinnen schweigend während sie durch die Ausstellung schreiten. Je nachdem wieviel sich in ihrer eigenen Haltung und dem Gebahren aus jener eleganten Zeit erhalten hat, stehen sie im Dialog oder auf Distanz mit den ausgestellten Frauen.

Zwischen den französischen, amerikanischen, polnischen und russischen Glückwunsch-Gesichtern stechen einige “Frauen aus dem Volk” heraus. Eine Kolchosbäuerin ist neben ein Topmodell gesetzt worden – die erstere verkörpert Ideologie, die andere einen Mode-Schrei. An anderer Stelle prangen stolze Afrikanerinnen in Volkstracht – die Schönheit der Verlockung und der Eleganz, die in der Ausstellung dominiert weicht jener von Tradition und Alltag einer fremden Kultur.

Ausstellungssaal des städtischen Skulpturenmuseums, Newski Prospekt 179/2. Eintritt 50-100 Rubel. Тel. 314-12-14.

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Frauenkunst im Skulpturenmuseum – Dialog statt Konfrontation

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

2 Kommentare

  1. Udo Bayer sagt:

    Die Fotos sind genial.

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