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Das Alexander Newski Kloster wird 300 Jahre alt

Von   /  4. Februar 2010  /  Keine Kommentare

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mm – Um seine neue Hauptstadt aus dem (Sumpf) Boden zu stampfen, dem Volk und dem Adel empfindliche strenge Auflagen zu machen und sich gleichzeitig gegen Klerus und die reichen Moskauer Kaufleuten durchzusetzen  benötigt auch  ein absolutistischer „Selbstherrscher“ wie Zar Peter der Grosse mehr als den  Herrschaftsanspruch über Land und Leute. Ohne den Glauben an den göttlichen Segen für das umstrittene Vorhaben an der Newa , kam  auch der  Kraftmensch Peter nicht aus.  Mit dem Bau des Alexander Newski Kloster konnte er gleich mehrere seiner Ziele erreichen.


Ein Kloster als PR Aktion?

Auch so könnte aus Heutiger Sicht die Motivation für den Bau des Alexander Newski begründet werden.
Mit Sicherheit hat Peter der Grosse Verbündete für die  Verlagerung der Hauptstadt an die Newa gesucht. Die kolportierten Geschichten über den historische Sieg von Alexander Newski über die Schweden an der Newa im Jahr 1240 war ein dafür eine Steilvorlage.
Damit auch keiner vergisst warum mann im ungemütlichen und sumpfigen Newadelta weilt, hat Zar Peter noch inmitten “ der Baustelle der neuen Hauptstadt“  befohlen das Kloster zur „Heiligen Dreifaltikeit und des Heiligen Alexander Newski“ zu bauen .

Mit der Stiftung des Klosters konnte er den Klerus fest ins Projekt „neue Hauptstadt“ einbinden und für die geistliche Grundversorgung der Bürger in der neuen Stadt sorgen.
Ein weiterer Effekt – durch die Wahl des Ortes hatte die Stadt plötzlich fast 600 Jahre russische „Vorgeschichte“.
Für die übrigen allfälligen Zauderer und Kritiker erinnerte das Kloster den Nachweis das dieses von den Schweden gerade wieder befreite Territorium Heiliger Russischer Boden ist und das die ständigen Kriege gegen die Schweden wohlbegründet sind.

Das Kloster widmete sich seiner zentralen Aufgabe der Seelsorge und dem Lob der Monarchie dann noch über 200 Jahre. Es wurde rasch das geistliche Zentrum der neuen Hauptstadt. Priester welche im Kloster ausgebildet  wurden, waren kirchliche Elite.  1797  wurde es vom Zar Paul dem Ersten als fünftes Kloster in Russland zur  „Lawra“ erhoben. Ein Ehrentitel* den in Russland Heute nur noch das Kloster der Dreifaltigkeit und des Heiligen Sergius in Sergijew Possad trägt.

Atheisten gegen Gläubige

1918, kurz nach der Revolution. Offiziel war das Kloster aufgelöst, aber der geistliche Betrieb wurde noch bis 1932 aufrechterhalten.  Eine von der später berühmten Kommunistin Alexandra Kollontai angeführte Truppe wollte kurz nach der Revolution ins Kloster eindringen und das Kirchengold versilber. Die Truppe wurde jedoch von anwesenden Gläubigen trotz Schüssen in die Menge aufgehalten.  Im Anschluss demostrieterte die Kirche in Petrograd nochmals Stärke.  Einer Prozession auf dem Newskiprospekt sollen sich über hundertausende Gläubige angeschlossen haben. Zu diesem Zeitpunkt immerhin mehr Menschen als der ganze Kommunismus per Parteibuch in seinen Reihen hatte.

Im Jahre 1922 war dann eine weitere „Kampagne zur Enteignung von kirchlichem Eigentum zu Gunsten der Hungernden“ erfolgreicher.   Die Reliquien Alexander Newskis wurden dem Staatlichen Museums der Geschichte der Religion und Atheismus übertragen und erst im Jahr 1989 der Dreifaltigkeits Kirche am Ismailowski Prospekt übergeben.

In der Nacht des 18. Februar 1932 wurden dann alle Mönche und Nonnen verhaftet und das Klosterleben hörte auf.

Museum und Friedhöfe

Die beiden Friedhöfe, der des Heiligen Lazarus und der „Tichwinskier“, wurden von den Kommunisten mit den Grabmählern der berühmten und noch sozialistisch verträglichen Kulturträger der Stadt bestückt.

Die Grabmähler wurden dazu von Friedhöfen in der ganzen Stadt zusammengetragen und dort in einer Art „Best-of“ Ausstellung wiederaufgestellt. Zusammen mit vielen abgebauten Denkmälern in einem Angrenzenden Wirtschaftsgebäude wurden aus dem Grabmahl und Skulpturenpark dann das Heutige  Skulputerenmuseum.

So stehen nun die Grabmähler der Heroren der Russischen Kultur wie in einem Who-is-Who  munter nebeneinander.
u.A. der Schweizer Mathematiker Leonhard Euler, Michail Lomonossow, einer der grossen Architekten Petersburgs, Carlo Rossi, Fjodor Dostojewski, Michail Glinka, Mussorgski, Rimski-Korsakow und last-not-least Pjotr Iljitsch Tschaikowski.

Zum 300.  Jubiläum sollen die Newski Reliquien wieder ins Kloster kommen

Seit 1996 wurde die klösterliche Gemeinschaft im Kloster wiederbelebt und neben Gemeindzentrum und Gottesdiensten werden auch wieder Prister im Kloster ausgebildet.

Zum Jubiläumsjahr 2010 plant die Stadtregierung eine Reihe von Veranstaltungen die auf der Webseite des Klosters eingesehen werden können und des Museums eingesehen werden können.

Als ein Höhepunkt wird geplant, die Reliqien vom Heiligen Alexander Newski wieder in das Kloster zu überführen.

Webseiten:
Alexander Newski Kloster (rus)
Skulpturenmuseum – staatliches Museum für urbane Skulpturen (via Translator)

Photo: Wikimedia Commons

* Die anderen 3  „Lawra“ sind in der heutigen Ukraine.

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