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Coronavirus in St. Petersburg – Polizei erhält grössere Vollmachten bei Quarantäne-Kontrollen

Von   /  25. April 2020  /  Keine Kommentare

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eva.- Die Petersburger Polizei kann in Zukunft bei Quarantäne-Verstössen härter vorgehen. Die Schulen beenden den Unterricht im laufenden Schuljahr frühzeitig. Hunderte Geschäfte, Restaurants und Salons wurden mit Strafen belegt, weil sie trotz Verbot ihre Türen geöffnet hatten. Die Petersburger Spitäler arbeiten am Limit.

Weiterhin herrscht eine schlechte Isolationsdisziplin in Petersburg unter den russischen Grossstädten. Schlechter sind nur noch Woronesch und die weissrussische Hauptstadt Minsk. Die Petersburger Stadtregierung hat der örtlichen Polizei dieselben Vollmachten gegeben wie in Moskau. Ab heute können die BeamtInnen Leute, die die gegen die Quarantäne-Vorschriften verstossen mit 4000 Rubel (im Wiederholungsfall 5000 Rubel) büssen. Für juristische Personen beträgt die Busse 300.000 bis 500.000 Rubel.

In Moskau und anderen russischen Städten war es in der vergangenen Woche mehrfach zu Festnahmen gekommen, bei denen der Polizei Willkür vorgeworfen wurde. Obschon auch hier bereits mehrere hundert Strafprotokolle ausgestellt wurden, war die Lage in St. Petersburg bisher vergleichsweise ruhig. Insbesondere Passanten, die die Absperrungen in  Parks und Spielplätzen missachten, müssen künftig mit Polizeikontrollen rechnen.

„Zwangsferien“ noch bis Mitte Mai?

Die Petersburger Schulen beenden das laufende Schuljahr frühzeitig. Die Abschlussklassen müssen sich per Online auf das Abschluss-Examen (EGE) vorbereiten. Präsident Putin verschob die diesjährige Siegesfeier auf den September. Über die Verlängerung der Quarantäne in Russland wird der Kreml in der nächsten Woche entscheiden. Schon jetzt gilt es als wahrscheinlich, dass die momentanen „Zwangsferien“ noch bis Mitte Mai verlängert werden.

Die Entscheidung gilt als heikel, weil die russische Wirtschaft grosse Verluste erleidet und von vielen die Ausrufung des Ausnahmezustandes und direkte Unterstützungszahlungen für die Bevölkerung verlangt werden. In einer Sitzung hat Präsident Putin über Massnahmen zur Erhaltung der Autoindustrie beraten. Für die insgesamt zwölf Autohersteller werden möglicherweise die Einschränkungen gelockert, damit der Betrieb wieder aufgenommen werden kann.

Stichproben gegen Quarantäne-Brecher

Laut der Leitung der russischen Zentralbank wird die Pandemie zu einer Senkung des russischen Bruttosozialprodukts um vier bis sechs Prozent führen. Die russische Zentralbank hat heute den Leitzins um ein halbes Prozent auf 5,5 Prozent gesenkt.

Die Petersburger Behörden haben die Suche nach Quarantäne-Brechern fortgesetzt und allein in der vergangenen Woche 250 Strafprotokolle ausgestellt. Unter den Gebüssten waren in erster Linie Coiffeursalons, Spielzeuggeschäfte, Geschäfte für Bastelarbeiten, elektronische Zigaretten und Papeterien. Im Kaliningrader Gebiet werden wegen der niedrigen Anzahl Infizierter die Massnahmen gelockert – ab dem 29. April dürfen die Geschäfte wieder öffnen, ab dem 4. Mai folgen die Coiffeur- und Kosmetiksalons.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO nahm neun russische Impfstoffe gegen das Covid-19-Virus auf ihre Liste, darunter ein Präparat, das in Petersburg entwickelt wurde. Die erste Anwendung eines Impfstoffs wird aber nicht vor Ende Jahr erwartet.

In Russland wurden am 24. April offiziell 68622 Virus-Erkrankte verzeichnet,  5568 wurden geheilt, 656 Personen sind gestorben. In Moskau sind 36897 Menschen erkrankt, 2735 geheilt und 366 Personen gestorben. Petersburg hat bisher 2711 Virus-Kranke und 20 Todesfälle registriert. Die Spitäler in der Stadt kommen an ihre Grenzen. Vor dem Pokrowski-Krankenhaus, das wegen Infektionen beim Personal für zwei Wochen isoliert werden musste, stauten sich zeitweise die Abulanzen mit Covid-19-Patienten.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

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www.online812.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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