Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Coronavirus in St. Petersburg – Wann und wohin können die RussInnen wieder reisen?

Von   /  15. Mai 2020  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

eva.- Das „Plateau“ bei den Ansteckungszahlen scheint erreicht, und wer nach dem Lockdown noch Geld besitzt, schmiedet Reisepläne. Als erste werden jene Länder Touristen empfangen, die die Pandemie leicht überstanden haben. Gleichzeitig zeigt die Quarantäne düstere wirtschaftliche Folgen – eine hohe Zahl von Arbeitslosen und Bankrottfällen.

Die ersten Länder, die ihre Grenzen schon ab Juni oder Juli für russische TouristInnen öffnen werden, sind die Türkei, Griechenland, Bulgarien, Zypern und Tschechien. Zumindest bestehen dort bereits die ersten konkreten Pläne für eine Einreiseprozedur. So werden gewisse Länder einen höchstens drei Tage alten negativen Covid-19-Test verlangen, um überhaupt zum Gate gelassen zu werden. Andere werden die Einreisenden an der Grenze testen und sie im Fall einer Ansteckung für 14 Tage in eine Quarantäne-Unterkunft einweisen. Neben den Grenzbestimmungen muss der völlig brach liegende Flug- und Charterverkehr neu organisiert werden, damit die Touristen überhaupt an ihr sonniges Ziel kommen.

Zur Öffnung bereit sind vor allem die schwächer betroffenen Länder, die traditionell an russischen Touristen interessiert sind. Dazu gehören auch die Nachbarländer Estland und Finnland. Das finnische Visazentrum in St. Petersburg wird voraussichtlich anfang Juni wieder geöffnet, was meint, dass eine Grenzöffnung mit Vorsichtsmassnahmen am 15. Juni realistisch wäre. Mitte Juni wird von den meisten EU-Ländern als frühstmöglicher Öffnungszeitpunkt genannt. Inwiefern dies für die EU-Innengrenze gilt oder auch für Russland ist noch unklar. Einige werden bis im August warten, annähernd normale Reisebedingungen werden jedoch erst im Herbst erwartet, wie der französische Präsident François Macron gegenüber der Presse meinte. Sicher wird auch die Entwicklung der Epidemie in Russland für die jeweiligen Grenzöffnungen entscheidend sein.

Staatsanwaltschaft untersucht Lenexpo-Notspital

Im provisorischen Covid-Spital auf dem Lenexpo-Messegelände hat die Petersburger Staatsanwaltschaft eine Untersuchung der sanitären Bedingungen durchgeführt und dabei keine Verstösse festgestellt. Zuvor hatten sich viele Patienten über die schwierigen Lebensbedingungen in den Abteilungen und Isolationsboxen beschwert. Kritisiert worden war unter anderem die schlechte Luft, mangelndes Personal und die fehlende Trennung von PatientInnen mit bestätigter und unbestätigter Coronavirus-Infektion.

Wie ein Arzt aus dem Notspital gegenüber Fontanka.ru sagte, ist der grösste Teil der Anfangsschwierigkeiten nun überwunden. Er gestand ein, dass das Personal nach wie vor knapp sei, meinte aber dass man alle nötigen Aufgaben bewältige. Er betonte einmal mehr, dass sich an diesem Ort keine schweren Covid-Fälle befänden und dass unter den eingelieferten Patienten aus psychiatrischen Kliniken keine auffälligen Personen seien. Im Petersburger Vorort Puschkin ist das provisorische Infektions-Krankenhaus des Verteidigungsministeriums nach nur zwei Monaten Bauzeit fertiggestellt worden.

Auszahlung von Covid-Prämien kommt in Gang

Wie der Petersburger Gouverneur Alexander Beglow bekannt gegeben hat, sind Unterstützungsgelder in der Höhe von 487 Millionen Rubel an rund 20.000 Angehörige des medizinischen Personals in der Coronavirus-Behandlung ausgezahlt worden. Die von Präsident Putin versprochenen Prämien waren vielerorts nicht überwiesen worden, und in einigen Städten hatten Ärzte und Krankenpfleger schon mit Hungerstreiks gedroht.

Auch die Auszahlung der einmaligen Kinderprämie in der Höhe von 10.000 Rubel pro Kind kommt landesweit voran. Der Systemkritiker und Leiter des Fonds gegen Korruption Alexei Nawalny sieht darin eine teilweise Erfüllung seines Fünfpunkteprogramms, in dem er eine zweimalige Zahlung von 20.000 Rubel an alle RussInnen aus dem Not-Fonds der Regierung fordert.

Arbeitslosenzahl verdreifacht

Mittlerweile werden die traurigen wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns ersichtlich. So hat sich in Petersburg die offizielle Arbeitslosenzahl seit Anfang April auf 42.495 Personen verdreifacht, das sind 1,3 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung. Die Zahl wird weiter steigen, und man rechnet in den kommenden Monaten mit weiteren 5000 bis 6000 Entlassungen. Nicht darin erfasst sind sämtliche Arbeitslosen, die schwarz beschäftigt wurden.

Laut einer Studie der Stadtregierung haben 61 Prozent der befragten Unternehmen Stellenstreichungen um 13 bis 17 Prozent angekündigt. Landesweit sind mehr als ein Drittel aller Firmen vom Bankrott bedroht. Insgesamt wird das Risiko für einen Bankrott als doppelt so hoch angegeben wie im Krisenjahr 2014.

Immerhin haben die beiden „Mega“-Einkaufszentren am Petersburger Stadtrand wieder geöffnet, wenn auch beschränkt. Ausser den Supermärkten ist nur ein Teil der Geschäfte darin wieder offen, und an den Eingängen wird die Anzahl Person im Geschäft kontrolliert, um die vorgeschriebene Zahl von 50 Personen nicht zu überschreiten. Auch wurden 20 Sammeltaxi-Routen, die vorübergehend stillgelegt worden waren, wieder zugelassen. Die Schliesszeit der Metro um 22.00 ist jedoch weiterhin gültig.

Erfolge bei Behandlung mit Blutplasma

In Russland wurden am 15. Mai 2020 offiziell 263000 Virus-Erkrankte verzeichnet, 58226 wurden geheilt, 2418 Personen sind gestorben. In Moskau sind 135000 Menschen erkrankt, 24562 geheilt und 1358 Personen gestorben. Wie die offizielle Covid-Statistik zeigt, hat Russland das „Plateau“ der Ansteckungskurve erreicht.

Petersburg hat bisher 9486 Virus-Kranke, 2005 Geheilte und 74 Todesfälle registriert. In der Zwischenzeit wurden bei 20 schwerkranken Covid-Patienten eine Transfusion von Blut mit Antikörpern vorgenommen – in 8 Fällen besserte sich der Zustand deutlich. Wie sich aber herausgestellt hat, hat diese Behandlung bei Patienten in sehr kritischem Zustand kaum Erfolg.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

www.kommersant.ru

www.online812.ru

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Coronavirus in St. Petersburg – Beatmungsgeräte setzen Spital in Brand

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Russland nach dem Lockdown: „Der Staat setzt auf grosse Betriebe mit strategischer Bedeutung“

mehr…