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Coronavirus in St. Petersburg: Alles bereit zur Siegesfeier

Von   /  26. Mai 2020  /  Keine Kommentare

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eva.- Präsident Putin hält die Spitze der Covid-Epidemie in Russland für durchlaufen und gab den Befehl zur Siegesparade Ende Juni. Die Petersburger Stadtregierung sieht noch keinen Grund für eine baldige Lockerung und lehnt ein deutsches Hilfsangebot ab. Die Krankenhäuser der Stadt sind am Anschlag, trotz langsam zurückgehender Krankenzahlen. Im Juni werden die innerrussischen Reisebeschränkungen schrittweise aufgehoben.

Der russische Präsident ist in den Kreml zurückgekehrt und hat erklärt, dass der Höhepunkt der Covid-Ansteckungen durchschritten sei. Zugleich gab er den Zeitpunkt für die verschobene Parade zum 75. Siegestag bekannt, die am 24. Juni in Moskau und anderen russischen Städten stattfinden wird. Die Siegesparade zum Kriegsende 1945 wird unter strengen sanitären Sicherheitsvorkehrungen durchgeführt. Der Marsch des „Unsterblichen Regiments“, bestehend aus Nachkommen der Kriegsteilnehmer und -Opfer mit deren Fotografien, wird am 26. Juli parallel mit dem „Tag der Flotte“ über die Bühne gehen.

Die Petersburger Covid-Krankenhäuser sind laut Fontanka.ru überlastet. Vielerorts werden zusätzliche Krankenbetten in Ordinationszimmern und Operationssälen aufgestellt, um die Kapazität zu vergrössern. Dem Widerspricht die staatliche Kontrollbehörde Rospotrebnadsor. Laut offizieller Statistik sind 11 Prozent der mehr als 9000 Betten frei. Dies gilt aber in erster Linie für Notspital auf dem Lenexpo-Gelände, wo jedoch nur leichte Covid-Fälle untergebracht werden.

Hilfsangebot aus Hamburg abgelehnt

Trotz allem lehnte die Stadtregierung ein Angebot für humanitäre Hilfe der Partnerstadt Hamburg ab, wie der Radiosender „Echo Moskwy“ meldete. Als Grund wurde angegeben, dass die Hilfe möglicherweise dazu benutzt werden könnte, um das gute Verhältnis der beiden Städte zu diskreditieren. Der Entscheid sorgte für Erstaunen, weil kurz zuvor ein ähnliches Angebot aus China angenommen worden war.

Der Petersburger Gouverneur Alexander Beglow liess am 25. Mai bekanntgeben, dass er keinen Anlass zu einer Lockerung der Isolationsmassnahmen sehe. Letzte Woche habe die Zahl von Covid-Kranken nur um sieben Prozent abgenommen, was nicht ausreichend sei, um die Distanzierungsmassnahmen zurückzuschrauben. Für eine Lockerung müssten rund 50 Prozent der Betten unbelegt sein.

„Jabloko“-Partei organisiert Misstrauensvotum

Die Petersburger Totenstatistik hatte am Wochenende eine sprunghafte Zunahme von Coronavius-Opfern verzeichnet. Die Gesundheitsbehörden erklärten dies jedoch mit der verspäteten Diagnostizierung der Verstorbenen. Fünf Menschen waren schon im April gestorben, doch erst jetzt wurde ihre Todesursache bestätigt. Die zuständige Ärztekommission hat ihre Arbeit nun verstärkt, um solche Verzögerungen zu vermeiden.

Die oppositionelle “Jabloko”-Partei im Petersburger Stadtparlament hat unter der Leitung ihres Abgeordneten Boris Wischnewski ein Misstrauensvotum gegenüber dem Gouverneur Alexander Beglow angekündigt. Begründet wird es damit, dass Beglow unfähig sei, die Epidemie zu bewältigen und die Stadtbevölkerung zu schützen. Unterstützt wird es von Maxim Reznik, der verkündete, Beglow passe nicht zu St. Petersburg. Der Erfolg des Vorstosses ist jedoch unter den Oppositionellen umstritten und sein Erfolg daher zweifelhaft.

Reiseverbot für Kinder

Am 25. Mai hat die Stadtregierung eine Reiseverbot in andere Regionen für Kinder und Jugendliche aus Petersburg  erlassen, dass bis zum 30. Juni gilt. Bis dann werden auch die Ferienlager im Stadtgebiet geschlossen sein. Sollte sich die Lage verbessern, so wäre eine frühzeitige Lockerung ab dem 15. Juni möglich.

Dennoch bereitet man sich in 23 russischen Regionen auf eine teilweise Öffnung für Touristen ab dem 1. Juni vor. In erster Linie werden Sanatorien mit medizinischer Lizenz wieder ihren Betrieb aufnehmen dürfen. Danach sollten stufenweise auch Hotels, Strände und Kreuzfahrten zugänglich werden. Auf jeden Fall soll aber von den Gästen ein negativer Covid-Test vorgelegt werden.

Hotelgewerbe mit schweren Verlusten

Die russischen Fluggesellschaften wie Aeroflot und “Pobeda” bereiten derweil ihre Flotte zum Start in die kurze diesjährige Saison im Juni vor. Mit hunderten von Flügen sollen die UrlauberInnen in die Kurorte am schwarzen Meer und auf der Krim gebracht werden. Damit wird nach und nach der innerrussische Flugverkehr angekurbelt, bevor auch die internationalen Verbindungen wieder aufgenommen werden.

Das russische Hotelgewerbe musste in den vergangenen Monaten schwere Verluste hinnehmen. Gemäss Fontanka.ru sanken die Belegungszahlen bis um 65 Prozent und die Übernachtungspreise um durchschnittlich 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

In Russland wurden am 26. Mai 2020 offiziell 362000 Virus-Erkrankte verzeichnet, 131000 wurden geheilt, 3807 Personen sind gestorben. In Moskau sind 169000 Menschen erkrankt, 61619 geheilt und 2110 Personen gestorben. Petersburg hat bisher 14076 Virus-Kranke, 3744 Geheilte und 150 Todesfälle registriert.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold/Archiv

www.fontanka.ru

www.kommersant.ru

www.online812.ru

www.echo.msk.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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