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Coronavirus in Petersburg – Siegesparade verschoben

Von   /  16. April 2020  /  Keine Kommentare

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eva.- In einem weiteren Fernsehauftritt gab Präsident Putin die Verschiebung der 75. Siegesparade bekannt, die traditionellerweise am 9. Mai stattfinden sollte. In Petersburg werden die Quarantäne-Bestimmungen stärker kontrolliert. Die Behörden entdeckten bei Stichkontrollen hunderte illegal arbeitender Kleinfirmen.

Die Entscheidung, die Siegesparade zu verschieben, war der Kremlführung schwer gefallen. Zum einen ist die Parade auf dem Roten Platz und in anderen russischen Städten immer eine Machtdemonstration von Staatsführung und Armee, zum anderen wäre das 75-Jahr-Jubiläum mit einem besonders pompösen Auftritt gefeiert worden. Unter anderem hatten Kriegsinvalidenverbände um die Verschiebung gebeten, um eine Weiterverbreitung des Coronavirus zu verhindern.

Dass dieses Risiko sehr hoch gewesen wäre, zeigt die Erkrankung des Kommandanten der Nachimow-Seekadettenanstalt in Petersburg, der mit hohem Fieber ins Krankenhaus gebracht wurde. Er war gerade dabei, sich auf die Siegesparade auf dem Roten Platz vorzubereiten. An den bevorstehenden Ostertagen ist jeglicher Kirchenbesuch untersagt. Die Gottesdienste an diesem hohen Fest der russisch-orthodoxen Kirche werden grösstenteils im Internet oder am Fernsehen übertragen.

Angestecktes Personal wegen fehlender Schutzausrüstung

Der Chefarzt des Petersburger Botkin-Spitals Denis Gusew kündete seinen KollegInnen an, man müsse sich auf das Schlimmste gefasst machen und auf zwei bis drei Monat harter Arbeit. Der Höhepunkt der Covid19-Epidemie wird in Russland im Mai – Juni erwartet.

Gusew gestand ein, dass sich in seiner Klinik unter anderem drei erkrankte Ärzte befinden. Wegen der mangelnden Schutzaurüstung und Tests werden immer wieder Ärzte und Pflegepersonal bei der Arbeit angesteckt, was zur Schliessung und Isolierung ganzer Spitäler führt.

Verschärfte Kontrollen in Parks

Nachdem in Moskau wegen der Krisenlage ein System mit elektronischen Passierscheinen eingeführt worden ist, hat man auch in Petersburg die Kontrollen verschärft. 50 Personen wurden bisher wegen Verstössen gegen die Quarantänebestimmungen festgenommen. Die meisten von ihnen betraten trotz des Verbots Parks oder Kinderspielplätze.

Während der letzten 20 Tage wurden bei Stichproben durch Petersburger Munizipalbehörden 555 illegal arbeitende Firmen ermittelt. Darunter waren Coiffeursalons, SPA-Komplexe, Computerklubs und Garagen, die trotz der Quarantäne-Bestimmungen ihre Kunden bedienten.

Warnung vor Einfrierung der Lebensmittelpreise

Oppositionelle Kritiker, darunter der Leiter des Fonds zur Korruptionsbekämpfung Alexei Nawalny, warnen die Regierung vor den wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns und fordern zusätzliche Direktzahlungen an die Bevölkerung und Unterstützung für kleinere und mittlere Unternehmen. Ausserdem warnen sie vor der Einfrierung der steigenden Lebensmittelpreise, um leere Regale und Geschäfte zu verhindern.

Sie kritisieren, dass der Kreml einerseits über Geldmangel klage und gleichzeitig Milliarden Rubel für sinnlose Strassenunterhaltsarbeiten ausgebe. Ausserdem wies Nawalny darauf hin, dass die Polizei bei Quarantäne-Kontrollen in mehreren russischen Städten völlig willkürlich gegen Passanten vorgehe.

In Russland wurden am 16. April offiziell 27939 Virus-Erkrankte verzeichnet, 2304 wurden geheilt, 232 Personen sind gestorben. In Moskau sind 16146 Menschen erkrankt, 1394 geheilt und 113 Personen gestorben. Petersburg hat bisher 1083 Virus-Kranke und sieben Todesfälle registriert.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

www.kommersant.ru

www.online812.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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