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Coronavirus: Frühlingswetter treibt Menschen aus den Wohnungen

Von   /  10. April 2020  /  Keine Kommentare

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eva.- Das sonnige Wetter und der Isolations-Koller treiben viele PetersburgerInnen und Petersburger aus den Wohnungen. Im Gegenzug verschärft die Stadt die Quarantänebestimmungen und macht sich auf das Schlimmste gefasst.

Hatte Petersburg vergangene Woche noch mit den russlandweit besten Isolationswerten geglänzt, verzeichnet es mittlerweile den schlechtesten Grad an Selbstdisziplin. Von Werten von fast 5 auf der Selbstisolations-Tabelle rutschte die Stadt am 10. April bis auf 2,7 und damit hinter die anderen Millionenstädte Moskau und Jekaterinburg. Schuld daran ist das weitgehend warme Wetter und auch die wachsende Unlust zuhause zu sitzen. Diese Entwicklung ist deutlich an der Menge von Passagieren im ÖV und an den zerrissenen Absperrbändern in Parks zu erkennen, wo die Menschen – wenn auch mit gebührendem Abstand – Luft und Sonne schnappen.

Viele Menschen begeben sich in die Stadt, um dringende Angelegenheiten wie Einzahlungen und Einkäufe zu tätigen oder sich um sich um ihre brachliegenden Geschäfte zu kümmern. Da Petersburg bezüglich Erkrankungen und Todesfälle immer noch vergleichsweise gut dasteht, wächst der Unmut in der Geschäftswelt an. Die Besitzer von Einkaufszentren und Restaurants verlangen von der Regierung eine Lockerung der Einschränkungen. Zwei Lokalbesitzer haben gar öffentlich gedroht, ihre Restaurants am 15. April trotz Verbot wieder zu öffnen, um einen Bankrott abzuwenden.

Radverleihfirmen boomen und helfen

Die Stadt hingegen hat die Quarantäne-Bestimmungen nochmals verschärft. Verboten sind jetzt auch Besuche auf den Friedhöfen. Ausserdem werden neu nicht nur Restaurantbesitzer wegen unerlaubten Betriebs, sondern auch die Gäste selbst zur Verantwortung gezogen. Einen positiven Aspekt hat die Mobilität und zwar jene auf zwei Rädern. So verzeichnen Radfahrverleihfirmen einen ungewöhnlich starken Zuwachs für die ersten Frühlingswochen. Wie Fontanka.ru schreibt, profitieren sie nicht nur von diesem Geschäft, sondern stellen ihre Räder auch gratis oder mit Rabatt für Velokuriere oder Volontäre zur Verfügung, die ältere Menschen mit Lebensmitteln versorgen.

Um die wirtschaftliche Not zu mindern, hat der Kreml das wirtschaftliche und soziale Hilfspaket noch einmal erweitert. Familien mit Kindern erhalten weiteres Geld. Ausserdem wurden zusätzliche Sonderprämien für Ärzte und Pflegepersonal bewilligt und die Bestimmungen für Personen und Firmen gelockert, die ihre Kredite und Hypotheken stunden wollen. Eine wichtige, wenn auch umstrittene Regelung ist die Aussetzung von Strafzinsen für die Wohnnebenkosten. Nach Meinung der Energieversorger wird dies zu vielen Zahlungsausfällen führen, weil viele Unternehmen und Hausverwaltungsfirmen die Möglichkeit nutzen werden, die Zahlungen auszusetzen. Schon jetzt betragen die gesamten Schulden in Petersburg 20 Milliarden Rubel.

Petersburg verdoppelt Betten-Reserve

Angesichts der Verschärfung der Lage in Moskau, macht sich auch Petersburg auf ein starkes Anwachsen von Covid-19-Krankheitsfälle gefasst. Wie der „Kommersant“ schreibt, wurde die Krankenbettreserve auf rund 5400 Betten verdoppelt. Die Anzahl von Beatmungsgeräten soll bis Ende Monat ebenfalls auf 261 verdoppelt werden, wobei insgesamt eine Reserve von 1800 Geräten mobilisiert werden kann. Unter den Kliniken, die auf Lungenkranke spezialisiert wurden, befinden sich das Botkin-Krankenhaus, das Filatow-Kinderspital, das Kriegsveteranen-Spital, das Pokrowskaja-Krankenhaus sowie die städtische Klinik Nr.2. Wegen infizierter Personen im Personal gingen vier Petersburger Kliniken vorübergehend in Quarantäne.

Noch immer gibt es Probleme bei der Versorgung mit Masken und Schutzausrüstungen. Zwar haben die staatlichen Stellen Masken und Schutzausrüstungen für die Kliniken bei einheimischen Herstellern bestellt, doch werden sie noch immer durch private Einkäufer und Schwarzhändler konkurrenziert. Auch für den Normalverbraucher sind Masken bisher nicht in Apotheken erhältlich.

In Russland wurden am 10. April 11918 Virus-Erkrankte verzeichnet, 795 wurden geheilt, 94 Personen sind gestorben. In Moskau sind 7822 Menschen erkrankt, 350 geheilt und 50 Personen gestorben. Petersburg hat bisher 408 Virus-Kranke und vier Todesfälle registriert.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

www.kommersant.ru

www.online812.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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