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Corona-Virus in St. Petersburg – Zahlreiche Ansteckungen bei Pflegepersonal

Von   /  18. April 2020  /  Keine Kommentare

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eva.- Das russisch-orthodoxe Osterfest wird weitgehend vor den Fernsehbildschirmen stattfinden. Die Vororte Petersburgs und die Republik Karelien richten Kontrollposten ein. Die Ansteckungskurve in Petersburg könnte erst im Juni abflachen.

Präsident Putin hat per Online mehrere Infektionskliniken in mehreren russischen Städten eröffnet. Erß wird nicht am Ostergottesdienst in der Erlöser-Kathedrale teilnehmen. Die russisch-orthodoxe Kirche hat die Gläubigen dazu aufgerufen, an Ostern zuhause zu beten. Gläubige, die ihre Ostereier und Kulitschi zur Segnung gebracht haben, mussten die Prozedur hinter Absperrungen abwarten. Die anhaltende Quarantäne hat zu einem starken Rückgang der Spendengelder in den Kirchen geführt, obwohl viele Kirchgänger ihre Spenden auf Bankkarten der Kirchgemeinde überweisen.

In Moskau herrscht seit zwei Tagen eine strenge Quarantäne mit elektronischen Passierscheinen. An den Grenzen mehrerer Petersburger Vororte im Leningrader Gebiet sowie an den Zufahrtsstrassen in die Karelische Republik wurden Kontrollposten eingerichtet, um die Mobilität einzuschränken. Die russische Bahn hat Änderungen im Fahrplan von Zügen in die Regionen angekündet.

Isolationswert im roten Bereich

In Petersburg hat sich der Isolationsindex zum ersten Mal seit dem März wieder auf den „roten“ Wert von 2,4 gesenkt, der bedeutet, das „sehr viele Personen“ in der Stadt unterwegs sind. Petersburg liegt damit auf dem fünften Platz der russischen Millionenstädte. Die Überwachung von Parks und Plätzen wird in Petersburg verstärkt, allein am 17. April wurden 30 Strafprotokolle ausgestellt. Bevor sie Passanten festhält, versucht die Polizei jedoch, sie zur Umkehr zu überreden. Wenn die Isolationsdisziplin in der Petersburger Bevölkerung nicht bessert, wird die Abflachung der Virusansteckungen erst im Juni eintreten.

Bei rund hundert Personen im medizinischen Personal verschiedener Petersburger Krankenhäuser wurde das Corona-Virus festgestellt. Im Pokrowski-Krankenhaus, wo sich das Personal vor einigen Tagen per Video über den Mangel an Schutzmaterial beklagte, forderte man die Stadtregierung dazu auf, die „Vogel-Strauss-Politik“ aufzugeben und Ärzte und PflegerInnen ausreichend zu schützen. Auch in der „Nordwerft“ (Severnaja Werf), die trotz der Quarantäne weiterarbeitet, wird nach der Entdeckung von vier infizierten Angestellten das Personal untersucht.

Grossteil von Kreditstundungen werden abgelehnt

Die Chefin der russischen Zentralbank Elvira Nabiulina gab bekannt, dass bis jetzt landesweit mehr als 585.000 Anträge auf Kreditstundung oder Schuldenumstrukturierung eingegangen sind, von denen bereits 450.000 bearbeitet und rund 250.000 (68 Prozent) abgelehnt worden sind. Die Unterstützung der Bevölkerung durch zusätzliche Direktzahlungen lehnte Nabiulina ab. Diese waren von verschiedenen Politikern gefordert worden, um die Zahlungsfähigkeit der Bevölkerung trotz fehlender Einkommen zu erhalten.

Laut dem russischen Industrieminister Denis Manturow beginnen russische Unternehmen ab nächster Woche mit der Herstellung von Beatmungsgeräte zur Behandlung von Corona-Virus-Patienten. Innerhalb der kommenden drei Monate soll Kliniken in Russland insgesamt 5000 zusätzliche Geräte im Wert von 7,5 Milliarden Rubel erhalten.

Denkmäler für Ärzte geplant

Auf Initiative eines russischen Unternehmens wird ein internationaler Wettbewerb für die Schaffung von Denkmälern für die Ärzte ausgeschrieben, die gegen das Coronavirus gekämpft haben. Fünf Denkmäler sollen in verschiedenen europäischen Städten aufgestellt werden, Belgrad und Helsinki sollen bereits ihre Interesse angemeldet haben.

In Russland wurden am 18. April offiziell 36793 Virus-Erkrankte verzeichnet, 3057 wurden geheilt, 313 Personen sind gestorben. In Moskau sind 20754 Menschen erkrankt, 1679 geheilt und 148 Personen gestorben. Petersburg hat bisher 1646 Virus-Kranke und acht Todesfälle registriert.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

www.kommersant.ru

www.online812.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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