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Corona-Virus in St. Petersburg – bereit für die „Infektions-Spitze“

Von   /  21. April 2020  /  Keine Kommentare

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eva.- Die Stadt macht sich auf einen starken Anstieg von Covid-19-Kranken gefasst und richtet im Lenexpo-Messezentrum ein Feldspital ein. Im Kriegsmedizinischen Institut wurden dutzende von Studenten angesteckt. Die Angst vor dem Virus schafft Raum für Betrüger, das Kleingewerbe kämpft ums Überleben.

Die Petersburger Stadtregierung bereitet sich offenbar auf eine starke Zunahme von Corona-Virus-Kranken vor. Seit dem 18. April wird die Halle 7 des Lenexpo-Messegeländes auf der Wassili-Insel mit 544 Betten für Kranke mit leichteren Symptomen ausgerüstet. Wie der „Kommersant“ berichtet, hatte man bei den Behörden noch kurze Zeit davor jegliche Gerüchte über dieses Vorhaben zurückgewiesen.

Ausserdem sind mittlerweile rund 20 Kliniken und Erholungsheime für die Aufnahme von Covid-19-Kranken vorbereitet. Einige von ihnen haben jedoch mit Infektionen unter dem eigenen Personal zu kämpfen. Bei Repino wurde ein zusätzlicher „Observator“, ein Quartier für angesteckte Personen zur Beobachtung eröffnet.

Studenten der Kriegsmedizinischen Akademie angesteckt

In der Kriegsmedizinischen Akademie wurden 55 angesteckte Studenten gemeldet. Da die Akademie eine Nachrichtensperre verhängte und die Kommunikation ihrer Studierenden einschränkt, gelangte die Information erst sehr spät nach aussen. Erst nach den ersten Pressemeldungen gestand die Leitung der Hochschule die Infektionen ein, liess aber verlauten, dass niemand schwer erkrankt sei.

Die Petersburger sind immer noch sehr aktiv, was die weiterhin schlechten Isolationswerte beweisen. In vielen Parks werden die Absperrbänder weiterhin umgangen oder gar zerrissen, und die Leute spazieren mit ihren Kindern. Allein im April wurden 529 Strafprotokolle wegen verbotener Park- und Spielplatzbesuche ausgestellt. Nach einem „arbeitsfreien“ Monat haben viele Menschen ihre Arbeit verloren, die Reserven sich aufgebraucht und sie versuchen auf andere Weise ihr Geld zu verdienen.

Zahlreiche Geschäfte arbeiten trotz Verbot

In acht Stadtbezirken stiess die Polizei auf illegal betriebene Geschäfte, darunter Coiffeursalons, Schnellimbisse, Blumenhändler, Optikgeschäfte und Geschäfte mit Kosmetik und Sport-Nahrung. Die Inhaber eines Lederwarengeschäfts legten eine Schutzmaske in ihr Schaufenster, um sich als Geschäft für Schutzmaterial zu tarnen – wer eintrat, erfuhr dann allerdings, dass nur diese eine Maske vorhanden war.

Mit der Pandemie wächst auch die Zahl an Betrügereien, die mit den verunsicherten Bevölkerung getrieben werden. So gaben sich zum Beispiel zwei Studenten Arzt und Polizist aus und boten den Bewohnern an der Uliza Kompositorow eine Wohnungsdesinfektion für 3000 Rubel an. Doch ein misstrauischer Hausbewohner telefonierte der Polizei, die den Betrug entlarvte.

Wirtschaftlich bedroht sind nicht nur die Gastronomie und der Tourismus, sondern auch die Theater – insbesondere in St. Petersburg. Wie Fontanka.ru schreibt, erhalten die kulturellen Institutionen trotz hoher laufender Kosten und Ausfällen bei den Auftritten keinerlei Unterstützung von staatlicher Seite.

Unmut in der Bevölkerung wächst

In den Regionen wächst der Unmut über die streng reglementierte Isolation. In Wladikawkas, wo es nur sehr wenige Angesteckte gibt, kam es zu einer Demonstration mit rund 1500 TeilnehmerInnen, die jedoch von der Polizei aufgelöst wurde. In Rostow am Don protestierte die Bevölkerung virtuell, indem sie massenhaft Protestkommentare auf der Yandex-Strassenkarte hinterliess.

In Russland wurden am 20. April offiziell 47121 Virus-Erkrankte verzeichnet, 3446 wurden geheilt, 405 Personen sind gestorben. In Moskau sind 26350 Menschen erkrankt, 1838 geheilt und 204 Personen gestorben. Petersburg hat bisher 1846 Virus-Kranke und acht Todesfälle registriert.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

www.kommersant.ru

www.online812.ru

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Corona-Virus in St. Petersburg – Zahlreiche Ansteckungen bei Pflegepersonal

 

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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