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“Chypre” – Mit neuen Ideen alte Theater-Werte wiederentdecken

Von   /  16. Dezember 2015  /  Keine Kommentare

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Mit “Chypre”, drei szenischen Novellen nach Arthur Schnitzler möchte Anna Atarschikowa mehr als an einen Klassiker erinnern. Sie lässt ihre Darsteller in die Zeit vor hundert Jahren schlüpfen, um zusammen mit dem Publikum die damaligen Werte und Darstellungsformen des Theaters wieder zu entdecken.

“Chypre” ist ein Parfüm und der Duft einer vergangenen Zeit, den die Leiterin des musikalisch-dramatischen Theaters „Artefakt“ Anna Atarschikova wieder beleben möchte. Das Projekt mit diesem Namen ist nach Motiven des Zyklus “Anatol” von Arthur Schnitzler, einem der bedeutendsten deutschsprachigen Dramatiker des 19.-20. Jh. angelegt.

Es besteht aus den drei Novellen, „Weihnachtseinkäufe“, „Abschiedssouper“ und „Anatols Hochzeitsmorgen“, die als Erzählung in der Erzählung, als Theaterstück im Film, als Blick aus der Gegenwart in die Vergangenheit dargestellt werden.

Stetiger Perspektivenwechsel

Die Hauptfiguren des Filmvorspiels sind unsere Zeitgenossen: ein Dramaturg, ein Schauspieler und ein Verkäufer, die sich in einer Parfümerie treffen. Der Dramaturg und der Schauspieler beobachten Kundinnen in der Atmosphäre des Salons. Der Übergang in die szenische Handlung erfolgt über ein Schattenspiel.

Das tönt spannend – und ungewöhnlich. Es sei heute nichts Ungewöhnliches mehr, auf Theaterbühnen auch Filmelemente einzusetzen, doch die Kombination in “Chypre” halte sie dennoch für absolut neu in St. Petersburg, meinte die Regisseurin Anna Atarschikowa während der Dreharbeiten in einem Coiffeursalon auf der Wassili-Insel.

Archetypen, Handlungen und Gedanken

Gerade die Technik wird ihrer Meinung nach im zeitgenössischen Theater überbewertet. Dadurch gingen oft  die wichtigsten Werte verloren, die sie wieder in den Vordergrund rücken wolle  – jene Dinge, die trotz der Zeit konstant geblieben seien: die Archetypen, die Handlungen und Gedanken der Menschen.

Dafür brauchte sie Darsteller, die sich für diese neue Form interessieren und machte sich auf die Suche in den verschiedenen Petersburger Theatern. Einer von ihnen ist Wladimir Krylow, Schauspieler am Theater Komissarschewskoi.  “Ich arbeite zum ersten Mal mit Anna Atarschikowa zusammen und wurde durch sie entdeckt”, erzählt er. “Ich weiss nicht, welche Bedeutung dieses Projekt für mich haben wird, aber ich glaube an das Schicksal.”

Schnitzlers Hauptthema: menschliche Beziehungen

Er stehe Arthur Schnitzler positiv gegenüber, meint er.  Seine Stücke seien gut konzipiert und verständlich und liessen gleichzeitig eine Vielzahl von Interpretationsmöglichkeiten zu. Schnitzlers Hauptthema seien menschliche Beziehungen und darum immer aktuell – Mann und Frau.

Die Frau wird durch Swetlana Michailowa verkörpert, die als Schauspielerin an verschiedenen Theatern auftritt.
Auch sie arbeitet zum ersten Mal mit Atarschikowa zusammen und wurde von ihr ausgewählt und zu einem Gespräch eingeladen. “Ich finde die Idee einer Synthese von Film und Theater sehr interessant, weil sich ein Gemisch ergibt aus verschiedenen Beziehungen, Ebenen, Leben, Epochen, Kulturen, Zufällen. Darin muss jeder seinen Helden spielen und diesen auch im Auge behalten. Das ist sehr geheimnisvoll, und es tauchen mehr Fragen als Antworten auf”, findet sie.

Ausdruck durch Gesten, Gefühle, Nuancen

Schnitzler gehe sehr tief – vieles werde nicht mit Worten, sondern mit Gesten, Gefühlen und Nuancen ausgedrückt. Es sei eine interessante Aufgabe, die österreichische Mentalität ins Russische zu “übersetzen”, so Michailowa
Doch neben Darstellern braucht es auch ein Publikum, das dem ungewöhnlichen Projekt offen gegenüber steht: “Das ideale Publikum kommt mit hinein in dieses Stück und seine Zeit”, beschreibt es Atarschikowa.

Sie hat bereits langjährige Erfahrung als Regisseurin und Darstellerin auf der Bühne und mit unkonventionellen Theater-Formaten. Seit 2008 tritt sie als Annette Adar mit ihren Programmen „So oder so ist das Leben – die Zwanziger sind jetzt!“, “Happy End” und “„Wer kennt nicht Marlene Dietrich“ auf die Cabaret-Bühne.
Mit Gesang und Text, auf Deutsch und Russisch zieht sie Parallelen zwischen der Gegenwart,  der Weimarer Republik, der Zwischenkriegszeit und  ihrem Showbusiness.

Chypre. Eine Produktion des musikalisch-dramatischen Theaters „Artefakt“. Mitwirkende: Anna Atarschikova (Idee und Regie); Darsteller: Svetlana Michailova, Grigorij Vichnovitsch, Witalij Kovalenko, Wladimir Krylov, Anton Moschetschkov.

21. Dezember 19.00
Kino im Hotel „Angleterre“, ul. Malaja Morskaja, 24. Tel. 8-906-226-43-57.

www.hotelangleterre.ru

3./5. Januar 19.00
“Lendok”-Studio. Krjukow-Kanal 12. Tel. 714-77-65.
www.lendoc.ru

22. Januar 19.00
Haus des Schauspielers. Newski 86.
Tel. 272-32-75.
www.stdrf.ru

Weitere Informationen unter:
www.annateatr.ru

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Annette Adar auf dem Petersburger Broadway

Petersbürgerin Annette Adar: „Aus grossen Schmerzen machen wir kleine Liedchen“

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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