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Chodorkowski-Verteidiger Juri Schmidt gestorben

Von   /  15. Januar 2013  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

In der Nacht auf den 12. Januar starb der Petersburger Advokat und Menschenrechtsaktivist Juri Schmidt mit 76 Jahren an Krebs. Er wurde vor allem als Verteidiger des Ex-Yukos-Chefs Michail Chodorkowski international bekannt, erhielt aber auch für sein gesellschaftliches Engagement hohe Auszeichnungen.


Der 1937 geborene Schmidt schloss 1960 sein Rechtsstudium an der Leningrader Universität ab und sammelte in vielen Strafrechtsprozessen Erfahrung als Rechtsanwalt. Er stand der Dissidentenszene nahe und war unter anderem mit dem Dichter Jossip Brodsky befreundet.

Ausserdem beteiligte er sich an der Herausgabe illegaler Bücher und Zeitschriften (Samisdat). Aufgrund falscher Beschuldigungen wurde er 1986 aus dem Advokatenkollegium ausgeschlossen, ein Jahr später jedoch rehabilitiert.

Ein Advokat für heikle Fälle

Ende der Achtzigerjahre und anfang Neunzigerjahre setzte er sich in einer Reihe schwieriger Gerichtsfälle ein. Unter anderem verteidigte er den usbekischen Journalisten und Menschenrechtler Abdumannob Pulatow, der wegen Beleidigung des Präsidenten der Ex-Sowjetrepublik Islam Karimow angeklagt war.

Nach der Ermordung der Petersburger Stadtpolitikerin Galina Starowoitowa 1998 übernahm er die juristische Vertretung von deren Familie während des Verfahrens. 1999 gelang es dank seiner Verteidigung für den wegen Spionage verurteilten Ex-Marineoffizier und Umweltaktivisten Alexander Nikitin, der über die Entsorgung von Atommüll berichtet hatte, einen Freispruch zu erlangen.

Durch Chodorkowski-Prozess ins Rampenlicht

2003 geriet Schmidt als Verteidiger des einst reichsten russischen Oligarchen und Chef des Yukos-Konzerns Michail Chodorkowski und seines Geschäftspartners Platon Lebedew von Menatep ins internationale Rampenlicht. Beide wurden in umstrittenen international kritisierten Prozessen zu langen Haftstrafen verurteilt. Auch im zweiten Chodorkowski-Prozess von 2009 gelang es Schmidt nicht, seinen Mandanten freizubekommen.

Neben seinen Aufgaben als Jurist setzte er sich für die Menschenrechte in Russland ein und war Mitbegründer der Organisation „Bürgerkontrolle“ (Graschdanski Kontroll). Er organisierte Vorträge und Kongresse und publizierte zahlreiche Artikel. Auch für weniger prominente Veranstaltungen nahm er sich Zeit – zum Beispiel trat er 2005 an einer Protestveranstaltung der „Ohne-Putin-Gehenden“ unter der Leitung des Studenten Michail Obosow in Petersburg auf (siehe Bild).

International ausgezeichnet

Im selben Jahr wurde von der russischen Anwaltsvereinigung der Antrag auf Ausschluss Schmidts gestellt, der jedoch von einer Fachkommission der Petersburger Anwaltskammer zurückgewiesen wurde. Schmidts Engagement und sein Mut wurden im In- und Ausland anerkannt.

Schmidt erhielt zahlreiche Auszeichnungen, so von der Menschenrechtsorganisation Human Right Watch und von der internationalen Menschenrechtsliga. Er erhielt die höchste russische Auszeichnung für Juristen „Femida“ und ist Träger des deutschen Bundesverdienstkreuzes.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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