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Chaotische Petersburger Oppositionsdemo an Putins Geburtstag

Von   /  8. Oktober 2017  /  Keine Kommentare

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eva.- Am 7. Oktober, dem 65. Geburtstag von Präsident Putin, fanden in mehreren russischen Städten Demonstrationen gegen Putin und Korruption statt. In Petersburg kam die Kundgebung nur verzögert zustande. Erstens weil die Polizei morgens Vertreter von Nawalnys „Fonds gegen Korruption“ und der Organisation „Offenes Russland“ festnahm, zweitens weil das Marsfeld wegen „Instandsetzungsarbeiten“ abgesperrt worden war.

Trotz allem versammelten sich gegen Abend über tausend Personen um die ewige Flamme in der Mitte des Marsfelds, und trotz des ausdrücklichen Demo-Verbots der Stadtregierung, griff die Polizei nicht ein und liess die TeilnehmerInnen nach rund einer halben Stunde abziehen. Dabei wurde den Oppositionellen verschiedentlich empfohlen, sie sollten sich im nahe gelegenen Kino „Rodina“ kostenlos den Film „Krim“ anschauen, der die Okkupation der Halbinsel durch Russland von 2014 verherrlicht.

Demonstranten drangen bis zur „Galeria“ vor

Doch die offensichtlich unkoordinierte Menge hatte ganz andere Pläne und zog in verschiedenen Gruppen in Richtung Newski-Prospekt und Ploschad Vostania. Auf dem Ligowski Prospekt stiessen sie auf eine Kette von Omon-Sonderpolizei, und es kam zu den ersten Festnahmen. Eine Gruppe kam bis zum Einkaufszentrum „Galeria“ neben dem Moskauer Bahnhof und wurde mit Mühe durch die Polizei vom Eintritt abgehalten.

Insgesamt wurden rund hundert Personen vorübergehend festgenommen, darunter der bekannte Oppositionelle Ildar Dadin. Kurz nach der Kundgebung beschuldigte die Polizei die Demonstranten, am Tod einer Patientin schuld zu sein, weil die Ambulanz angeblich wegen der Protestaktion zu spät eintraf. Dies wurde aber von Augenzeugen widerlegt, die bestätigten, dass die Strassen zum genannten Zeitpunkt passierbar waren.

Polizei verhindert Zeltlager auf Schlossplatz

In Richtung Schlossplatz versperrten Polizei und quergestellte Lastwagen den Demonstranten den Weg. Auf Transparenten mit Putin-Porträts verbreitete die „Nationale Befreiungsbewegung“ (NOD) patriotische Losungen. Geschützt durch diese „Lastwagen-Burg“ fand vor dem Winterpalast ein Biker-Treffen der Putin-freundlichen „Nachtwölfe“ statt, deren Anführer Alexander Saldostanow („Chirurg“) Putin zum Geburtstag gratulierte.

Trotz allem versuchte hinterher eine Gruppe Oppositioneller ein Zeltlager auf dem Schlossplatz einzurichten. Sie wurden festgenommen und zu Haft- und Geldstrafen verurteilt, da ein Grossteil bereits früher an ungenehmigten Protestaktionen teilgenommen hatte.

Nawalny erhielt schlechte Noten

Der Oppositionelle Alexei Nawalny, der 2018 an den Präsidentschaftswahlen teilnehmen will und sich an der Petersburger Demonstration mit seinen Anhängern treffen wollte, war wenige Tage davor festgenommen und zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Dennoch zeigte er sich zufrieden mit dem Resultat der Demos – hingegen erhielten er und sein Stab wegen der mangelnden Organisation schlechte Noten von den Kundgebungsteilnehmern. Bereits am 26. März und am 12. Juni hatten grosse Antikorruptionskundgebungen stattgefunden.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

www.newsru.com

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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