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Buchtipp: „Auf Spurensuche durch die Zarenstädte“ – eine Spurensuche zur Sowjetzeit

Von   /  31. August 2010  /  1 Kommentar

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Von Roland Bathon

Ein erster Blick auf das neu erschienene Werk „Auf Spurensuche durch die Zarenstädte“ von Elisabeth Weinschrott im Regal der Buchhandlung täuscht. Denn es handelt sich hier nicht um einen Reiseführer Moskau – Nowgorod – Sankt Peterburg, wie man erst vermuten könnte, sondern um einen Reisebericht aus den letzten Jahren des kalten Krieges.

Was ebenfalls erst auf den zweiten Blick sichtbar wird (selbst der Klappentext erwähnt das nur im letzten Absatz) – die „Spurensuche“ ist der dritte Band einer Trilogie rund um die fünfwöchige UdSSR-Reise von vier (West-)Deutschen Anfang der 80er Jahre – vor Glasnost und Perestroika. Die beiden ersten Bände schilderten Reiseabschnitte hauptsächlich von nichtrussischen Teilen des Sowjetreichs, so dass sie der Aufmerksamkeit unserer Russland-Buchrezensenten entgingen. Dennoch ist der Band drei auch für sich lesenswert. Vor allem für Russlanderfahrene, die erst die nachsowjetische Föderation bereist oder dort gelebt haben.

Denn die Erlebnisse der vier Deutschen, unterwegs in zwei Privatautos, unterscheiden sich eklatant von den Erfahrungen, die man im neuen Russland sammelt. Alles war für Reisende streng reglementiert und vereinheitlicht. Die auf ein wenig Abenteuer abzielende Reisegesellschaft tat alles, um dem Intourist-Einheitsangebot der damaligen Zeit zu entfliehen, was jedoch nur schwer gelang. So endet ein Versuch, sich von Moskau „ungenehmigt“ zu entfernen, nach wenigen Kilometern an einer Polizeisperre. Heute von Touristen überfüllte Attraktionen genossen sie dafür weitgehend leer gefegt, wie den Nowgoroder Kreml. Die Grenzen zwischen der Ukraine und Russland existierte damals nur auf dem Papier, die Innenstadt von Sankt Petersburg (damals Leningrad) konnten sie in atemberaubender Geschwindigkeit mit ihren Fahrzeugen durchqueren – beim heutigen Verkehr undenkbar.

Dafür finden sich Eindrücke, die Russland damals ebenso hinterließ, wie noch heute oder auch zu weitaus früheren Zeiten. Etwa die unbeschreibliche Schönheit von Sankt Petersburg, Peterhofs Gärten oder die majestätische Aura des Kremls in Moskau. Interessant sind hier die über das Buch verteilten Bildaufnahmen, in denen sich ebenso Wandel und Kontinuität spiegeln. So hat sich das Erscheinungsbild des Newski Prospekts in Petersburg seit der damaligen Aufnahme so stark gewandelt, dass man kaum glauben kann, dass es sich hier um die gleiche Straße handelt.

Das Buch steckt auch für Kenner des neuen Russlands voller Überraschungen und ist darüber hinaus für zeitgeschichtlich Interessierte ein authentischer Leckerbissen. Die Erlebnisse werden ohne große Ausschmückungen geschildert und nur gelegentlich durch Zitate aus damaliger Reiseliteratur ergänzt. Neben dem Bericht an sich gibt es ein paar Übersichtskarten, ein zeitgenössisches Vor- und heutiges Nachwort. Wer sich für eine authentische Momentaufnahme des russischen Alltags in der späten Sowjetzeit interessiert, sollte bei der Spurensuche durch die Zarenstädte zugreifen.

Daten zum Buch: Elisabeth Weinschrott: Auf Spurensuche durch die Zarenstädte, Centaurus Verlag Freiburg 2010, ISBN 978 3862260010

www.russland.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. Reiner Wunsch sagt:

    Hierbei handelt es sich um einen sehr interessanten und unterhaltsamen Bericht über die Erfahrungen einer deutschen Reisegruppe bei einer Fahrt durch die Städte Moskau, Nowgorod und dem heutigen Sankt Petersburg. Sehr anschaulich werden viele der bekannten Touristenziele beschrieben.
    Nicht nur das, es werden auch die eigenen Erlebnisse und Empfindungen sehr lebhaft und teilweise auch amüsant beschrieben. Ich war begeistert von den Erlebnissen, Beschreibungen und unerwarteten Ereignissen. Ich habe alle drei Bände gelesen und kann diese nur empfehlen. Herrlich sind die Landschaftbeschreibungen, Kontakten mit der Bevölkerung und die Erfahrungen in den Intouristhotels sowie Campingplätzen. Auch nachdenkliche Vorkommnisse werden in den Bänden beschrieben u.a. die möglichen Konsquenzen für ein russisches Ehepaar aus Sankt Petersburg oder die doch sehr offensichtliche Beobachtung der Reisegruppe durch sowjetische Beamte. Die Bände beschreiben eine Reise die heute so sicher nicht mehr stattfinden würde. Um so wertvoller ist dieser Reisebericht. Resüme: ein interessanter, ereignisreicher und teilweise amüsanter Reisebericht mit einigen nachdenklichen Passagen. Man hätte gerne noch mehr über diese Reise erfahren. ich kann die Bände sehr empfehlen.

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