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Brieffreunde sterben einsam – ein Agententhriller von Bernd Küpperbusch

Von   /  5. Juni 2017  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Mit seinem ersten Roman „Tödliche Brieffreundschaft“ scheint der Chemnitzer Autor Bernd Küpperbusch einen unerwarteten Bestseller zu landen. Die spannende Geschichte um ein geheimes Energie-Projekt der Nazis im besetzten Norwegen, für das sich Geheimdienste in Ost und West interessieren, zieht eine lange und verworrene Spur von Tinte und Blut von Chemnitz bis nach Spitzbergen. Nun will der Schriftsteller das Projekt verfilmen und das Drehbuch noch mit einer russischen Note würzen.

Wie die meisten Krimis, beginnt auch diese Geschichte völlig harmlos: Jürgen Kimmel, aufgewachsen in der DDR, will nach der Wende seine norwegische Brieffreundin kennenlernen, mit der er als Jugendlicher in den Sechzigerjahren korrespondierte. Doch auf seiner Reise in den Norden stellt sich heraus, dass der naive Briefwechsel in Wirklichkeit zur Nachrichtenübermittlung des DDR-Geheimdienstes genutzt wurde.

Hier setzt ein mörderischer Wettlauf um ein supergeheimes Forschungsprojekt ein, das von den Nazis im okkupierten Norwegen betrieben wurde und dessen Ergebnisse sich noch ein halbes Jahrhundert später als hochaktuell erwiesen. Neben den Vertretern eines norwegischen Energiekonzerns, läuft dem Helden auch ein Ex-Stasi-Mann über den Weg, der während des Kriegs als Wachmann in Norwegen stationiert war und von der Wichtigkeit des Projekts weiss.

Geheimes Projekt der AEG zu Kriegszeiten

Die Pläne hinter denen alle her sind, bergen bahnbrechende Erkenntnisse auf dem Gebiet der Energiespeicherung. Schon damals spielte die Elektroenergie in vielen Bereichen eine wichtige Rolle – zum Beispiel bei den U-Booten, deren Batterien nur für wenige Stunden Tauchfahrt ausreichten, wodurch sie extrem verletzbar waren. Um die Tauchzeiten zu verlängern, mussten bessere Akkus her. Doch die Nazi-Strategen und -Forscher dachten auch über die Energieversorgung in den besetzten und oft völlig zerstörten Gebiete nach, die sie mittels riesiger schiffbarer Speicher mit Strom versorgen wollten.

Und hier setzt die eigene Geschichte des Autors Bernd Küpperbusch ein, der von seinem Grossonkel im Westen Unterlagen erbte, die während dessen Arbeit bei der AEG an geheimen Forschungsaufgaben entstanden. Sie bilden den wahren Kern der Geschichte, während alles andere reine Fiktion ist. Um ein Haar wäre dieser „Haufen Papier“ nach dem Tod des Grossonkels weggeworfen worden. Doch als Ingenieur erkannte Küpperbusch den Gehalt der Unterlagen, die er nun von Wissenschaftlern untersuchen lässt.

Einladung an die Moskauer Buchmesse

Zwar hat Küpperbusch bereits früher Reiseberichte geschrieben – als Ausgleich zu seinem technischen Beruf, doch dieser Krimi war sein erstes Buch. Er schrieb es nach drei Jahren Recherche innerhalb von nur sieben Monaten. Zwar musste es danach noch lektoriert und mit der obligaten Liebesgeschichte versehen werden, doch hatte er innerhalb kürzester Zeit, wonach andere manchmal Jahrzehnte suchen – einen Verlag. Und die erste Auflage war innert kürzester Zeit ausverkauft.

Daraufhin wurde Küpperbusch an die Moskauer Buchmesse eingeladen, und gleich mehrere Verlage interessierten sich für eine russische Übersetzung, was eigentlich nicht erstaunt, weil das Thema Energiespeicherung im Zeitalter von Windenergie und Elektromobile noch viel aktueller ist als früher. Ausserdem ist die russische Leserschaft besonders auf Geschichten wie diese sensibilisiert. Zum einen natürlich weil sich dank der Geheimniskrämerei der eigenen Geheimdienste noch heute um vieles in der russischen Geschichte Legenden ranken. Zum anderen, weil die Deutschen während des Krieges tatsächlich seltsame Experimente im hohen Norden betrieben, die bis heute zu reden geben.

Ufo-Tests der Nazis im hohen Norden

So wurden im russisch-norwegischen Grenzgebiet Testanlagen gefunden, die auf eine Erforschung von Ufos hinweisen. Wie ernsthaft und fundiert die Ergebnisse waren, ist bis heute unklar – auf jeden Fall füllen die russischen Ufo-Bücher ganze Regale. Küpperbusch zeigt sich diesen Ufo-Geschichten gegenüber eher skeptisch – „Ich bin ein Mensch, der sagt: eins und eins sind zwei.“ Auf jeden Fall möchte er weitere Nachforschungen in der Gegend von Murmansk anstellen.

Dieser russische „Akzent“ könnte interessant werden, wenn im kommenden Jahr die Verfilmung des Romans startet. Küpperbusch möchte dafür seinen Hallenser Freund und seit Schimansky besten Tatort-Kommissar Peter Sodann in der Rolle des Stasi-Manns sehen.

Von seiner ersten Russland-Reise ist Bernd Küpperbusch begeistert und sieht viele der Vorstellungen über die Russen, die während der „Zwangsfreundschaft“ zu DDR-Zeiten entstanden, positiv widerlegt. „Alle meine Erwartungen wurden übertroffen“, meint er glücklich. Er sei gegen die Verbissenheit und die Boykotte der westlichen Politik gegenüber Russland, meint er, und es würde ihn mit diebischer Freude erfüllen, wenn er mit seinem Projekt ein kleines Loch in diese Mauer zwischen Ost und West bohren könnte.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

Bernd Küpperbusch: Tödliche Brieffreundschaft. Kellner-Verlag, Bremen. 262 Seiten. 9,90 €.

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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