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Brassais dunkle Fotowelt in Petersburgs Weissen Nächten

Von   /  15. Juni 2010  /  Keine Kommentare

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eva.- Im Rahmen des Frankreichjahrs in Russland zeigt das Staatliche Zentrum für Fotografie bis am 28. Juni eine Ausstellung mit der bekanntesten Fotoreihe des ungarischen Fotografen Brassai: „Nächtliches Paris“. Die Aufnahmen des Pariser Nachtlebens, die in den Dreissigerjahren eine Sensation waren und den Fotografen berühmt machten, beeindrucken noch heute durch ihre Unmittelbarkeit und ihren Charme.


Aus dem siebenbürgischen Brasov nach Paris

Der Name Brassai (1899-1984) ist heute ein Sinonym für französische Fotografie wie Robert Doisneau oder Henri Cartier-Bresson. Paris vereinnahmte den aus dem siebenbürgischen Brasov stammenden Künstler wie soviele andere Weltbürger und Emigranten der Zwischenkriegszeit.

Nach Studien in Ungarn und Deutschland kam er in den Zwanzigerjahren nach Paris und arbeitete als Zeichner und Journalist für diverse Zeitschriften. Bald freundete er sich dort mit anderen Künstlern an – unter ihnen Pablo Picasso, Man Ray und Henry Miller. Ermuntert durch seinen Landsmann André Kertész begann er zu fotografieren und veröffentlichte 1933 seine Aufnahmen des Pariser Nachtlebens, die ihn auf einen Schlag berühmt machten.

Die Weltstadt Paris erhält ein neues Gesicht

Ungewöhnlich waren die Motive, die der Weltstadt ein bis damals völlig unbekanntes Gesicht gaben. In seinem Revier auf dem Montparnasse und um die Pigalle fing er die Welt der Prosituierten, Künstler, Herumtreiber und Ganoven ein. Weitgehend unbemerkt gelang es ihm, Szenen in den Bistros und Spelunken festzuhalten und einen Blick hinter die glanzvolle Kulisse der Boulevards und Paläste der Hauptstadt zu werfen.

Mindestens ebenso sensationell waren seine Bilder auch in technischer Hinsicht. Zwar hatte die Fotoindustrie in diesen Jahren bereits gewaltige Fortschritte gemacht, doch reichten die „hochempfindlichen“ Filme von damals gerade mal für Bilder aus freier Hand bei normalem Tageslicht und auch Fotopapier mit flexiblem Kontrast war unbekannt. Brassai musste nicht nur Erfahrungen beim Fotografieren bei Kunstlicht sammeln, sondern auch alle Tricks beim „Pushen“ und „Herauskitzeln“ im Fotolabor anwenden, um kontrastreiche Bilder zu erhalten.

Spontaneität und Frische

Trotz seiner Arbeit am Rande des Machbaren sind Brassais von erstaunlicher technischer Qualität und strahlen gleichzeitig eine grosse Spontaneität und Frische aus. Brassai gelang es, selbst an Orte vorzudringen, wo äusserste Diskretion gefragt war – in die Bars, wo sich die leichten Mädchen mit den schweren Jungs trafen und das Bürgertum mit der Halbwelt flirtete.

Zwischen den spannenden „Strassenfotografien“ erscheinen immer wieder die ruhigen Stillleben der Pariser Nacht mit Strassenlaternen, Pissoirs, und Leuchtreklamen, die sich auf dem nassen Pflaster spiegeln. Von dampfendem Flussnebel eingehüllt, erhebt sich die Ile de la Cite aus der Seine.

ROSFOTO (Staatliches Zentrum für Photographie), ul. Bolschaja Morskaja 35. Eintritt: 100 Rubel. Tel.: 314-12-14. www.rosfoto.org

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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