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Börsengebäude soll „geköpft“ werden

Von   /  19. August 2008  /  Keine Kommentare

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eva.- Das Gebäude der Petersburger Warenbörse auf der Wassili-Insel, das den Blick auf das Strelka-Ufer verschandelt, soll nun endgültig um zwei Etagen verkürzt werden – das beschloss der städtische Baurat an einer Sitzung. Laut „Kommersant“ wird die Börse nach der Verkürzung von 18 auf 16 Etagen um 13 Meter noch 54 Meter hoch sein und sich damit in die bisherige Skyline der Wassili-Insel einfügen.

Der Umbau des erst Mitte Juni eingeweihten Gebäudes, zu dem auch ein Wohnkomplex gehört, soll rund ein Jahr dauern und zwischen acht und zehn Milliarden Euro kosten. Neben den Baukosten gehen den Investoren damit insgesamt 3000 Quadratmeter Fläche verloren.

Ein klares Signal, das unterschiedlich gedeutet wird

Bei der Projektierung war die Höhe des Gebäudes noch mit 61 Metern und 16 Etagen angegeben worden – die Bauherrschaft hatte sich bei der Ausführung aber ganz offensichtlich grosszügig über diese Limite hinweggesetzt. Ihr Vorschlag, das Gebäude im Nachhinein weiss umzustreichen, damit es sich weniger vom Vordergrund abhebt, wurde vom Baurat abgeschmettert.

Die Stadtregierung liess verlauten, dass sie den Entscheid des Rats anerkennt, ohne jedoch festzusetzen, wann die Börse „geköpft“ wird. Damit soll offensichtlich ein klares Zeichen im Streit über die architektonische Entwicklung des Petersburger Stadtzentrums gesetzt werden – nur wird es unterschiedlich gedeutet. Die einen sehen es als kleinen Sieg der konservativen Kreise im Gremium, dass sich aus angesehenen Bauexperten zusammen setzt. Die anderen sehen im Baurat eine Instanz ohne Bedeutung, deren Entscheide nicht verbindlich sind und darum von der Stadtregierung zu beliebiger Zeit umgangen werden können.

Fall der Börse vergleichsweise „harmlos“

Denn im Vergleich zu dem, was noch kommen könnte, ist die Höhenüberschreitung bei der Börse harmlos. Gouverneurin Valentina Matwijenko hatte vor zwei Jahren mit ihren Plänen für „Gasprom-City“, einem 400 Meter hohen Büroturm gegenüber dem Smolny, die hitzige Debatte um das Höhenreglement im Stadtzentrum ausgelöst. Zwar ist es nach einem Apell der Unesco, Demonstrationen und Unterschriftensammlungen um das mittlerweile umgetaufte „Ochta-Zentr“ deutlich ruhiger geworden.

Doch von der Absicht, das bisherige Höhenreglement von 48 Metern achtmal zu überschreiten, ist der Energiekonzern Gazprom noch nicht abgerückt – um so mehr, dass die Stadt momentan über kein gültiges Reglement verfügt. Wie die Zeitung „Moi Rajon“ schreibt, wurde im Frühling das alte Reglement ausser Kraft gesetzt, bis heute jedoch keine neue Lösung beschlossen. Diese Rechtslücke könnte zum Freipass für all jene werden, die „in die Höhe streben“ – und solche gibt es viele, denn Baufläche im Zentrum ist knapp und teuer.

www.kommersant.ru
www.mr-spb.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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