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Bombenanschlag in Petersburger Metro – 14 Todesopfer und mehr als 40 Verletzte (aktualisiert)

Von   /  3. April 2017  /  2 Kommentare

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eva.- Ein Bombenanschlag in der Petersburger Metro hat nach letzten Angaben 14 Menschen getötet und 43 Personen verletzt. Der selbstgebaute Sprengsatz explodierte während der Fahrt zwischen den Metrostationen Sennaja Ploshad und Technologitscheskij Institut. Eine weitere Bombe, die in einem Feuerlöscher versteckt war, konnte am Ploschad Vostanija entschärft werden. Der Attentäter konnte mittlerweile identifiziert werden und kam beim Anschlag ums Leben. Die Sicherheitskräfte wussten offenbar vom bevorstehenden Anschlag, besassen aber zu wenig detaillierte Informationen, um eingreifen zu können.

Die Explosion ereignete sich am 3. April um zirka 14.30 auf der blauen Linie zwischen den Metrostationen Sennaja Ploshad und Technologitscheskij Institut. Der Maschinist besass die Geistesgegenwart, nach der Explosion zur nächsten Station weiterzufahren, was die Bergung der Opfer wesentlich erleichterte. Nachdem zuerst nur drei Stationen gesperrt wurden, schloss man nach dem Fund eines weiteren nicht explodierten Sprengsatzes am Ploshad Vostanija das gesamte Metro-Netz, um nach weiteren Bomben zu suchen.

Wie das Nachrichtenportal Newsru.com schreibt, war die explodierte Bombe selbstgebaut und von vergleichsweise geringer Sprengkraft. Das Attentat führte auf den beiden betroffenen Stationen zu starker Rauchentwicklung. Durch den Rauch hindurch wurden die Opfer und Passagiere evakuiert. Da beide Stationen wichtige Umsteigeknoten sind, handelte es sich um hunderte von Personen.

Attentäter bei Explosion getötet

Bereits wenige Stunden nach dem Anschlag veröffentlichte der Fernsehsender REN-TV, der für seinen Boulevard-Journalismus bekannt ist, das Bild des vermeintlichen Attentäters. Der Mann mit Bart und orientalischer Kleidung betrat kurz vor dem Attentat die Metrostation „Sennaja Ploschad“. Doch kurz nach der Veröffentlichung meldete sich der Verdächtige selbst bei der Polizei und beteuerte, nichts mit dem Attentat zu tun zu haben, was mittlerweile von der Polizei bestätigt wurde.

Nach letzten Meldungen geht man davon aus, dass der Attentäter ein 22-jähriger geborener Kirgise mit russischem Pass bei der Explosion in der Metro ums Leben kam. Die Überreste seiner Körpers wurden im Epizentrum des Sprengsatzes gefunden. Er galt als unauffällig und hatte zuvor jahrelang als Sushi-Koch in Petersburg gearbeitet. Wie Newsru.com schreibt, besassen die Sicherheitskräfte Informationen über ein bevorstehendes Attentat in Petersburg.

Da die Beteiligten jedoch über Mobiltelefone mit nicht registrierten Sim-Karten kommunizierten und in den Gesprächen nur wenig konkrete Information austauschten, gelang es nicht, rechtzeitig einzugreifen. Allerdings blockierte die Polizei kurz vor dem Attentat die abgehörten Telefone, was vermutlich die Explosion der zweiten Bombe am Vostanija-Platz verhinderte, die offenbar per Handy-Signal gezündet werden sollte.

Wichtige Fragen ungelöst

Obschon die Rettungskräfte relativ schnell am Ort des Attentats eintrafen, wurden zahlreiche Mängel im Sicherheitsdispositiv deutlich. Nachdem das gesamte Metro-Netz gesperrt worden war, dauerte es Stunden, bis überirdische Ersatz-Buslinien zur Verfügung standen. Das Stadtzentrum war komplett verstopft, so dass für den Krankentransport Hubschrauber eingesetzt werden mussten. Nach inoffiziellen Informationen konnten jedoch die Helikopter des Katastrophenschutzes nirgends landen, so dass private Geräte der Firma Helidrive zum Einsatz kamen. Dies sind alles Fragen, welche von einem Katastrophenstab vorzeitig gelöst werden sollten.

Ausserdem kam nach dem Anschlag ein unschönes Thema zur Sprache, das bereits vor Jahren für Diskussionen und grosse Fragezeichen sorgte: die Sicherheit innerhalb der Metrostationen. Seit den Attentaten in Moskau wurden in den vergangenen Jahren sämtliche Petersburger Metrostationen mit aufwändigen Metalldetektoren ausgerüstet, die nach Angaben der „Nowaja Gazeta“ rund 60 Millionen Rubel (rund 1 Million Euro) kosteten.

Sicherheitsanlagen in der Metro jahrelang ausgeschaltet

Erstaunlich ist nicht nur die Tatsache, dass der Preis der Anlagen nach der ersten Tranche um das Dreifache anstieg, sondern, dass die Detektoren 2015/16 offenbar monatelang ausgeschaltet waren. Auch die Handhabung der funktionierenden Metalldetektoren überzeugte nie. Denn statt einer konsequenten Kontrolle von Passagieren und ihrem Gepäck standen die Rahmen meist unbewacht piepsend herum.

Andererseits, hätte man sämtliche Passagiere kontrolliert, wäre es zu Stosszeiten zu einem Kollaps gekommen. Lange Zeit konnten die Rahmen problemlos umgangen werden. Vielen war die Aufschrift verdächtig, dass die Geräte für Träger von Herzschrittmachern gefährlich sind. Nur in den letzten Monaten wurden die Durchgänge neben den Detektoren abgesperrt.

Präsidententreffen Putin-Lukaschenko in der Stadt

Das mobile Telefonnetz war in der Zeit nach dem Attentat zeitweise überlastet, wichtige Nachrichtenseiten im Internet brachen wegen zu vieler Aufrufe zusammen. Wegen der Sperrung der Metro ordnete die Stadtregierung die Organisation zusätzlicher und kostenloser Bus-Verbindungen an. Der Verkehr war nach dem Attentat im Stadtzentrum teilweise völlig zum Erliegen gekommen. Viele Leute warten die Abenstunden ab, um nach einer gewissen Beruhigung der Lage nach Hause zu kommen. Trotz der chaotischen Situation reagierten die meisten Petersburger ruhig und solidarisch. Privatpersonen und Taxifahrer anerboten sich, Passanten ohne Transportmöglichkeit nach Hause zu fahren.

Präsident Putin, der sich an diesem Tag in Petersburg am Medienforum „Wahrheit und Gerechtigkeit“ mit dem weissrussischen Präsidenten Alexandr Lukaschenko traf, wurde über das Attentag informiert. Er legte noch am selben Tag Blumen am Tatort nieder und sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Der Petersburger Gouverneur Georgi Poltawtschenko ordnete eine dreitätige Trauer an. Über die Hintergründe des Attentats ist noch nichts bekannt, da sich bisher keine Organisation zum Attentat bekannt hat. Verdächtigt werden sowohl islamische Extremisten, wie auch Separatisten aus dem Kaukasus – auch Neonazis werden als mögliche Täter in Betracht gezogen.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

www.newsru.com

www.novayagazeta.spb.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

2 Kommentare

  1. Liebe Frau Prüfer, vielen Dank für Ihre Solidarität und die positiven Gedanken. Danke auch dafür, dass Sie uns lesen und sich mit dieser Stadt auseinandersetzen. Sicher sind die Dresdner geistig zusammen mit den Hamburgern an der Deutschen Woche, die momentan stattfindet und viel Gutes für den Zusammenhalt der beiden Länder, aber auch zwischen Ost und West bewirkt. Alles Gute und viele Grüsse aus Ihrem St. Petersburg!
    Eugen von Arb

  2. Carola Prüfer sagt:

    Sehr geehrter Herr Arb, ich bin Leserin ihres Portals. Die Nachricht von dem schrecklichen Terrorakt in der St. Petersburger Metro hat mich sehr betroffen gemacht. Ich wünsche den Hinterbliebenen der Todesopfer und den Verletzten viel Kraft und Genesung. Vor einem Jahr war ich in ihrer wunderbaren Stadt zu Gast.
    Ich bin begeistert vom Spirit. So wünsche ich den Petersburger alles Gute für die Zukunft. DemTerror, egal von wem, muss entgegen gewirkt werden. Ich lebe in Dresden, der Partnerstadt , und ich kann ihnen berichten, dass aus Solidarität ein wichtiges Gebäude der Stadt in den russischen Landesfarben am Abend angestrahlt wurde. Herr Arb, ich verabschiede mich mit guten Wünschen für Sie und ihre Arbeit Carola Prüfer

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