Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Blogsphäre Russland: In Moskau regnet es Pflastersteine

Von   /  2. Mai 2012  /  1 Kommentar

    Drucken       Email

Von Eugen von Arb

Neuigkeiten von Russlands Skandal-Blogger Alexei Navalny. Seine Bewegung „RosPil“, die Staatsaufträge unter die Lupe nimmt, hat ein neuen Fall entdeckt, der verdächtig nach Unterschlagung von Budgetgeldern riecht. Besonders pikant daran ist, dass die Frau des Moskauer Bürgermeisters Sergei Sobjanin und ihre Strassenbaufirma darin verwickelt sind.


Schon im vergangenen Jahr wurden in vielen Bezirken der russischen Hauptstadt der Pflasterstein-Belag erneuert, vielerorts wurde der Asphalt durch Plasterstein ersetzt. Vier Milliarden Rubel (rund 100 Millionen Euro) wurden im Budget für diesen Posten bewilligt. Umstritten war nicht nur das Ersetzen des Asphaltbelags vorangehende Räumung von Verkaufsständen an diesen Stellen, sondern auch die undurchsichtige Vergabe der Aufträge.

Wer an dem Wettbewerb teilnehmen wollte, musste nämlich eine Bestätigung des Sicherheitsdienstes des Präsidenten (FSO) vorlegen, die für normale Firmen praktisch nicht zu bekommen war und vor allem völlig unnötig erscheint – denn was haben Pflastersteine mit der Sicherheit des Präsidenten zu tun?

„RosPil“ wittert Vetternwirtschaft und Unterschlagung

Aufträge erhielten dementsprechend nur bestimmte Firmen, darunter jene, die der Frau des Moskauer Bürgermeisters Irina Sobjanina gehört. Diesen Frühling wurden zusätzlich mehrere hundert Millionen Rubel für die Erneuerung des Pflasters bewilligt – erstaunlicherweise an Orten, die schon auf der Liste vom letzten Jahr standen. Dahinter witterte die Bewegung „RosPil“ Vetternwirtschaft, bzw. Unterschlagung und rief Freiwillige dazu auf, die Qualität zu kontrollieren.

Die Strassen und Adressen, an denen der neue Belag verlegt werden sollte , waren in der Ausschreibung bekannt gegeben worden. Was brauchte es also mehr als einen Stadtplan und eine Kamera, um den Pflasterstein-Segen zu verfolgen, der sich in den vergangenen auf Moskau ergoss – oder eben nicht.

Strassenpflaster mit Garantie

„Wir bezahlen viel für das Strassenpflaster. Sicher nicht weniger als in europäischen Hauptstädten“, schreibt Navalny in seinem Blog und zeigt anhand von Bildern, wie der Belag aussehen müsste und wie er in Wirklichkeit aussieht. „RosPil“ hat sämtliche Verträge kontrolliert und stellt fest: Sämtliche Pflasterbeläge haben eine Garantie. Das heisst theoretisch, dass sämtliche lausige Unternehmer den Belag in Ordnung bringen müssen, weil ihnen Geld für einen Idealen Belag bezahlt wurde.“

Im März machten sich mehrere Freiwillige auf die Suche nach dem Pflastersegen, und was sie an gewissen Adressen vorfanden, ist schockierend. Vielerorts wurde offensichtlich einfach nichts gemacht, wovon ein kaputter Asphalt zeugt.

Vielfach miserabler Belag – oder überhaupt keinen

An gewissen Orten war ein Teil der Fläche oder das ganze gepflastert, aber der erst halbjährige Belag schaute aus, als wären Panzer darüber gerollt. Übergänge zu Strassen oder Treppen sind oft miserabel gemacht, Pflastersteine sind bereits herausgerissen oder liegen schief. Der weitaus beste Belag wurde vor Gebäuden der Stadt- oder Kreml-Administration entdeckt.

Insgesamt wurden laut Navalny 189 Stellen gefunden, wo eine Garantie-Reparatur notwendig wäre. An 102 Orten fehlen die Pflastersteine gänzlich. Im Budget wurden übrigens auch fünf Millionen Rubel für eine Firma veranschlagt, welche die Qualität der Belagsarbeiten kontrolliert – weder die Arbeit dieser Firma, noch ihre Herkunft konnten bisher laut Navalny eruiert werden.

Mit Auklärungskampagne gedroht

Man werde nun beim „obersten Strassenpflasterer“ Sobjanin die Reparatur der schadhaften Stellen einfordern. Ausserdem würde man Anzeige wegen dem schockierenden Verschwinden tausender Pflastersteine erstatten, so der Blogger. Falls eine Reaktion ausbleibe, werde man eine Aufklärungskampagne starten.

Bild: www.navalny.livejournal.com

Zum Pflaster-Blog geht es hier >>>

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Blogspähre Russland: “Hallo, ist hier die Pilizei?!”

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. realsatire sagt:

    Die Finnische Strasse zu meiner Datscha ist wie vor 1939 üblich mit Karelischem Granit gepflastert. Und oh wundert wurde seitdem an einigen Stellen mit Absicht kaputtgemacht ist aber im Grossen und Ganzen ist der Belag wunderbar – vor allem wenn man bedenkt das die Strasse seit vermutlich über 80 Jahren ohne Wartung auskommen musste und russische Asfaltstrassen gerade einen Winter lang überleben.
    Qualität ist kontraproduktiv weil Umsatz verhindernd. Blöd nur wenn dabei verlernt wird das es sowas wie Qualität tatsächlich mal gab. Tja die vermutlich stimmt die Olduvai Gap Theorie, die u.a. besagt das wir zivilisatorisch auf dem Absteigenden Ast sind.
    Gute Nacht….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Paul Ammann in Russland: „Ich finde es gut, dass sie an ihr eigenes Land glauben“

mehr…