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Blogsphäre Russland: Das russische Web verteidigt sich gegen Knebelungsversuche von oben

Von   /  8. Dezember 2011  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Während der vergangenen Tag nach den russischen Wahlen wurde von neuem deutlich, welche Macht das Internet in Russland besitzt. Sämtliche Protestaktionen wurden kurzfristig über Gruppen in den sozialen Netzwerken Livejournal, Facebook und Vkontakte organisiert.


Wie gefährlich das Web für den Kreml geworden ist, zeigte unter anderem die Verhaftung des populären Bloggers Navalny während einer Kundgebung in Moskau und seine Verurteilung zu einer Arreststrafe. In einer Welle von Kommentaren protestierten die Leser von Navalnys Blog im Netzwerk „Vkontake“ gegen das Geschehen. Bald waren es über 10.000 und plötzlich war der Blog geschlossen.

Vkontakte – „hundertprozentig unpolitisches Netzwerk“

„So, nun ist uns der Laden zugemacht worden,“ dachte der Admin des Bloggs edvvvard im ersten Moment, wie er im Livejournal erklärte. Da habe er einfach um Hilfe geschrien – und sie sei gekommen – durch die Leitung von Vkontakte. Pavel Durov von Vkontakte erklärte ihm, die Seite sei wegen der erreichten Limite von 16.384 Posts aus technischen Gründen gesperrt worden – doch man habe extra wegen Navalny den Algorhythmus geändert und die Limite geändert.

Gleichzeitig erklärte Durov, Vkontakte habe sehr wohl Anweisungen vom russischen Geheimdienst erhalten, die Möglichkeiten für Gruppen einzuschränken. Man weigere sich aber gegen jegliche Behinderung und sei ein hundertprozentig unpolitisches Netzwerk.

„Schwarze Listen“ mit kritischen Schülern und Studenten

Unter Druck geraten können auch die Mitglieder der Netzwerke selbst, wie der Blogger hirou schreibt. In einer Schule seien Listen mit Namen jener aufgetaucht, die in sozialen Netzwerken oppositionelle Meinungen vertreten. Sie könnten Probleme beim Übertritt in eine weiterführende Schule oder in die Universität bekommen.

Ausserdem tauschen Blogger und Leser Ratschläge für das richtige Verhalten an Protestkundgebungen aus. Die russische Nachrichtenagentur Ria-Novosti hat sogar Merkblätter für Demonstranten und für Polizisten herausgebracht. Darin werden die Leser auf ihre Rechte und Pflichten aufmerksam gemacht, wie advokatprozenko, schreibt.

„Keine Revolution, sondern ehrliche Neuwahlen“

Zum Beispiel wird Protestierenden abgeraten, sich bei einer Verhaftung körperlich zu wehren, weil dies als Widerstand gegen die Staatsgewalt angesehen würde. Andererseits müssen sich Polizisten vorstellen und den Grund für eine Festnahme nennen. Für den kommenden Samstag ist in Moskau eine weitere Kundgebung angesagt. Damit die Teilnehmer in Verbindung bleiben können, ruft oleg-kozyrev die Bewohner des Stadtzentrums dazu auf, ihre Wifi-Netze zu öffnen.

„Wir brauchen keine Revolution, wir brauchen Neuwahlen“. Bloggerin lady-spring ruft zu einer friedlichen Kundgebung auf – „Die Leute wollen kein Blut und keine Revolution, keine Schlägereien und keine Morde“. Die Leute wollen ehrliche Neuwahlen. Kommt, um die russische Hymne zu singen.“

Bild: www.rian.ru

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Blogsphäre Russland: David und Goliath – ein Blogger gegen “Einiges Russland”

Blogspähre Russland: “Hallo, ist hier die Pilizei?!”

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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