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Blogsphäre Russland: Ausgeflippte Zollbeamte aus Wladiwostok ärgern Kreml mit Videoclip

Von   /  4. März 2011  /  1 Kommentar

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Von Eugen von Arb

Es ist schwer zu sagen, welche Behörde unter den Russen den schlechteren Ruf geniesst – die Steuerverwaltung, die Polizei oder der Zoll. Für viele sind diese bürokratischen Institutionen Synonyme für Willkür, Korruption und Schikane. Die unfreundliche russische Grenz- und Zollkontrolle ist oft der erste “Ablöscher”, wenn man aus dem Urlaub zurückkehrt. 13 Zollbeamtinnen und -Beamtinnen aus Wladiwostok im äussersten Osten Russlands haben bewiesen, was für lustige und kreative Köpfe sich hinter der Maske der Bürokratie verbergen können.

Sie heuerten eine Film-Crew an, die normalerweise Hochzeiten und Firmenfeste aufnimmt, und drehten einen bunten, wilden und witzigen Clip über ihre Arbeit, der während eines Filmwettbewerbs am Neujahrsabend gezeigt wurde. Der vierteilige Clip zur Musik der Gruppe “Band’Eros – Columbia Pictures” zeigt, was die Damen und Herren in den Grünen Kitteln hinter den Schalterfenstern so treiben. Die Produktion war lediglich für den “internen Gebrauch” vorgesehen – doch ein vor kurzem entlassener Zöllner stellte ihn aus Rache bei Youtube ins Netz.

Putin: Beamte sollen ihr Talent im Kulturhaus austoben

Die  wilden Champagner-Feten in Büroräumen, Tänze in der Schalterhalle,  und ausgelassenen Fahrten in einer Hummer-Limousine sorgten für Aufsehen im ganzen Land – und im Kreml. Premier Putin lud den obersten Zöllner Andrei Beljanow vor und las ihm die Leviten: Er sei sehr wohl für einen Spass zu haben, doch die Wladiwostoker Zöllner hätten es eindeutig zu weit getrieben – sie sollten sich um ihre Arbeit kümmern und ihre Talente im Kulturhaus austoben. Mittlerweile wurde bekannt, dass den Sängern und Tänzern in Uniform nebst einer scharfen Verwarnung die Prämie gestrichen wurde.

Zollgebäude gezeigt und Embleme und Uniformen missbraucht

Ausserdem hat die Staatsanwaltschaft eine gross angelegte Untersuchung dazu eingeleitet, inwiefern die Beamten ihre Pflichten verletzt haben. Als schwerste Vergehen wurde ihnen bisher angelastet, dass in den Videoclips Gebäude und Räumlichkeiten des Zolls zu sehen sind und Uniformen und Symbole des Zolls im Clip zweckentfremdet wurden. Unter anderem wird im Film der Stempel der Zollbehörde als Tatoo auf der muskulösen Schulter eines Zöllners gezeigt.

Wer hat die Fete bezahlt?

Dass es zu noch drastischeren Schritten kommen wird, vermuten die russischen Blogger – zwar haben viele Sympathien für die ausgeflippte Zöllner-Truppe, denken aber, dass sie sich bald einen neuen Job suchen müssen. Zu reden gab auch das Geld – wer hat die Parties und die aufwändigen Videoaufnahmen berappt, fragt man sich. Nicht alle glauben den Zöllnern, die in einer Stellungnahme versicherten, den Clip selbst finanziert und dazu keine Steuergelder verwendet zu haben.

Der skandalöse Videoclip:

 

 

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“Blogspähre Russland” – der Blick durchs Periskop im Meer der Meinungen

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. realsatire sagt:

    Entlassung ist beim Zoll ja keine Strafe. Von der Front abkommandiert und in der Etape arbeiten zumuessen wo man keinen Nebenverdienst einheimsen kann – das nenne ich eine Strafe.

    Auf die Art und Weise kommen dann auch keine weiteren Geruechte und videos in Umlauf (wie beim entlassenen Youtubefan). Themen wie die ertragreichen Posten in der Truppe versteigert werden, wieviel von den Einnahmen an die Chefsabgetreten werden muessen und sonstig der ueblichen „unbewiesenen“ Vorurteile :) bleiben in der Befehlskette verborgen.

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