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Blogspähre Russland: “Hallo, ist hier die Pilizei?!”

Von   /  11. Februar 2011  /  Keine Kommentare

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eva.- Eines der meistdiskutieren Themen ist momentan der Beschluss der russsischen Regierung, die russische Polizei “Milizia” in “Polizia” umzutaufen. Wie sinnvoll diese Umbenennung ist, wird auch in der Bloggerszene diskutiert. Obschon mit der Namensänderung auch neue Gesetze eingeführt werden, wird das Projekt von vielen für eine reine Formalität gehalten, um das katastrophale Image der stark korrumpierten Polizei aufzubessern.


Als Spitzname hat die neue Polizei bereits die Bezeichnung “Pilizia” erhalten – eine Zusammensetzung von “P-ilizia” und “M-ilizia”. Übersetzt kommt dabei so etwas wie “Sägerei” heraus. Dies hat einen jungen Polizisten dazu inspiriert, seinen Mini-Cooper in den Farben der Verkehrspolizei spritzen zu lassen und dem russischen Hoheitsadler zwei Sägen in die Krallen zu drücken.

Sein Auto mit der Aufschrift „DPS Pilizia“ wurde kürzlich von einem Leser der Internet-Zeitung Fontanka.ru unweit vom Petersburger Polizeihauptquartier entdeckt. (Fotos hier >>>). Der witzige Einfall hatte für den jungen Beamten bisher keine gravierenden Folgen – eine Strafe musste er lediglich fürs Falschparkieren bezahlen.

Kampf gegen das „Geld-Zersägen“

Die Aktion “Rospil” des populären Bloggers “Navalny” nimmt dasselbe Motiv auf. Alexei Navalny, der mit seinen Publikationen über Geldunterschlagungen beim Fernost-Pipeline-Projekt “Transneft” für Aufsehen gesorgt hatte, gründete die Webseite rospil.info. Darauf werden alle staatlichen Auftragsvergaben veröffentlicht, bei denen ein Unterschlagungsverdacht vorliegt.

Der Begriff “Pilit dengi” (“Geld zersägen”) bedeutet Geld unter sich aufteilen – das was bei illegalen und überdotierten Auftragsvergaben geschieht. Zum Beispiel zog gestern das Moskauer “Bolschoi – Theater” einen Auftrag für die Erstellung einer Webseite für 5,4 Millionen Rubel (rund 135.000 Euro) zurück, nachdem das Projekt öffentlich angeprangert worden war.

3,5 Millionen Rubel Spendengelder

Zur Finanzierung seines Projekts hat “Navalny” eine Geldsammlung lanciert, für die innerhalb einer Woche über 3,5 Millionen Rubel eingezahlt worden sind. Der Blogger war nach eigenen Angaben völlig überrascht von diesem Ansturm und versprach, die Verwendung des Geldes transparent vorzunehmen. Dafür hat er eine Runde anderer Blogger zu einem “Verwaltungsrat” einberufen.

Zum Blog von „Navalny“ >>>

Weitere Artikel zu diesem Thema:

“Blogspähre Russland” – der Blick durchs Periskop im Meer der Meinungen

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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