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Blockade-Veteranin durch Diebstahlsverdacht in den Tod getrieben

Von   /  6. Februar 2015  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- Am 3. Februar wurde die 81-jährige Blockade-Veteranin Rausa Galimowa in einem „Magnit“-Supermarkt in Kronstadt bei St. Petersburg wegen des angeblichen Diebstahls von Butter festgehalten. Nachdem man sie auf das Polizeirevier gebracht hatte, starb sie offenbar wegen der Aufregung an Herzversagen.

Der Fall löste grosse Empörung in der Bevölkerung aus – „Die Blockade überlebte sie, die Schande nicht“, titelten die Zeitungen. Die Belegschaft des Supermarkts verteidigte ihr Verhalten – es sei nicht das erste Mal, dass die Rentnerin etwas aus dem Laden mitgehen lasse, darum habe man sich dieses Mal dazu entschlossen, zu handeln.

Die Aufnahmen der Überwachungskamera und die Aussagen von Zeugen und Verwandten belegen, dass der Zwischenfall viel eher ein dummer Zufall war als der Raubzug einer Kleptomanin. Der Neffe Rausa Galimowas sagte gegenüber den Medien und der Polizei aus, dass sie eine ausreichende Rente erhalten habe, und es ihr zuhause an nichts gefehlt habe. Das wurde auch durch die Summe von über tausend Rubel erwiesen, die man im Portemonnaie der Toten fand.

Rentnerin wollte bezahlen – Wächter holten die Polizei

Auf der Videoaufnahme ist ebenfalls zu erkennen, dass die Butter durch eine Tasche verdeckt wurde und deshalb an der Kasse einfach vergessen ging. Ausserdem wollte die Frau die Butter nach der Entdeckung ganz offenbar bezahlen – doch die Wachmänner beharrten auf Diebstahl und riefen die Polizei.

Die Polizeibeamten reagierten nach den bisherigen Ermittlungen korrekt. Sie brachten die Rentnerin, die sich nicht ausweisen konnte, auf den Posten und riefen sofort den Notarzt als sie bemerkten, dass es ihr schlecht ging.

Nun steht das Wachpersonal im Zentrum der öffentlichen Kritik und der Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung. Wie sich herausstellte, hängt die Höhe des Gehalts der Ladenwächter stark von der Anzahl verhinderter, bzw. aufgeklärter Diebstähle ab – womit wohl der Arbeitseifer gesteigert werden sollte.

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Keine Kommentare

  1. Iwan I. Iwanow sagt:

    Ich nenne so etwas: Entmenschlichung in einem menschenverachtendem System – dem Kapitalismus.
    Seit der Jahrtausendwende habe ich diese Entmenschlichung des russischen Mensche im ganzen Lande festgestellt, und es wird immer schlimmer – vor allen Dingen bei der Jugend, die nichts mehr mitbekommen hat von den „alten Zeiten“. Viel meiner Freunde beklagen auch diese Erscheinung.
    Der Schlagzeile: „Die Blockade überlebte sie, die Schande nicht“, ist voll und ganz zutreffend. Aber, so ist nun einmal der Kapitalismus.

  2. martin sagt:

    Für 200g Butter ?
    Da fällt mir spontan ein das es auch anders geht. z.B. das Verfahren gegen den Ex Verteidigungsminister Serdjukov der obwohl Milliarden Rubel unter seiner Leitung verschwunden sind letzten Juni freigesprochen wurde. Oder die klassische 90er Jahre Methode mit der ein Setschin erst Wirtschaftsgegner in den Knast wandern lässt, Ihnen Eigentum mit Hilfe des Gesetzes abnimmt um hernach Ihre teilweise gut geführten Betriebe dermassen in Grund und Boden zu wirtschaften, dass zum Überleben von Rosneft die Russischen Rentenfonds eingesetzt werden müssen, ach und klar die Rentner, absichtlich oder nicht, wegen Mundraub zu Tode gedemütigt werden.

    Ich bewundere den „russischen“ Weg im Ringen zur moralischen Lufthoheit über den Westen, nein nicht in 5 Jahresplänen sondern schon im 2. Jahr nach Sotschi werden hier vollkommen neue Maßstäbe gesetzt!

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